Der richtige Flügel

Ein Rathauskonzert für die Sponsoren

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Markus Philipper genießt beim Sponsorenkonzert das Spiel auf dem neuen Rathausflügel.

Landsberg – Thomas Manns Doktor-Faustus-Figur Wendell Kretschmar hat es nicht leicht. Muss er doch Beethovens grandiose Klaviersonate Nr. 32 „auf dem recht minderen Pianino, das ihm zur Verfügung stand (ein Flügel war nicht bewilligt worden), vortrefflich, wenn auch mit schollerndem Klange“ spielen. Das Problem hatte der Landsberger Pianist Markus Philipper am vorletzten Tag des alten Jahres nicht. Er durfte das Opus 111, Beethovens letzte Sonate, auf dem neuen Steinway-Flügel im Rathausfestsaal zu Gehör bringen. Eine grandiose Klangpremiere für ein besonderes Publikum: die Flügel-Sponsoren.

Es ist das erste Mal, dass Philipper, gerade mal 19 Jahre, die Klaviersonate in c-moll Nr. 32 vor Publikum spielt. Die Sonate ist bestechend. Nur zwei Sätze, der erste ein Allegro, die folgende Arietta ein Adagio mit Variationen. Es ist vor allem dieser zweite, fast 20-minütige Satz, der zeigt, wie zukunftsweisend die Komposition des tauben Beethovens ist: Rhythmen und Harmonien, die schon fast wie Jazz klingen. Der junge Pianist spielt ausdrucksstark, fast perfekt – und hat sichtlich Freude am Instrument.

Zwar ist das Stück für Philipper eine Premiere. Aber den Flügel hat er schon vorher kennengelernt. Als das 500 Kilo schwere Stück am 12. Dezember mit der Kraft von vier Händen durch das Treppenhaus in den Festsaal geschleppt wurde (der KREISBOTE berichtete), konnte Philipper das tiefschwarze Edelross kurz antesten. Schon da wurde klar, welch Klangfülle der im Vergleich zum bisherigen Instrument um 54 Zentimeter längere Steinway-Flügel bereithält. Aber als Philipper beim Sponsorenkonzert den ersten Akkord der Beethoven-Sonate im fast vollbesetzten Festsaal anschlägt, wird hörbar, was das Wort ‚Raumtiefe‘ meint: Töne, die sich voll entfalten und bis in den letzten Winkel Brillanz zeigen. In Philippers Worten: „Das ist mal ein richtiger Flügel.“

Kulturbürgermeister Axel Flörke begrüßt die Gäste zur „Taufe des Instruments“, ein Konzert, mit dem man Dank sagen wolle für die „grandiose Unterstützung“: Neben der Stadt Landsberg, der Sparkasse und mehreren Benefizaktionen hatten zahlreiche Spender dazu beigetragen, dass der 135.000 Euro teure schwarze Riese gekauft werden konnte. Seit über 40 Jahren gebe es die Rathauskonzerte schon, nun könne das hohe Niveau auch weiterhin gehalten werden, freut sich Flörke. Denn viele der Pianisten hatten den in die Jahre gekommenen Vorfahren gerügt – auch wenn er ihnen ans Herz gewachsen war.

Die Anschaffung eines Instrumentes mit Kosten von über 100.000 Euro sei nicht Aufgabe einer Kommune, ist Flörke überzeugt. Und legte den Zündfunken für den Flügelkauf mit der Gründung des Fördervereins Rathauskonzerte Landsberg. Um „den Konzerten Flügel wachsen zu lassen“. Das war am 1. Mai 2015. Nach über drei Jahren ist das Ziel nun erreicht. Damit das gute Stück auch heil im Festsaal ankam, habe man als Übergabeort des Instrumentes den Festsaal vertraglich festgelegt, berichtet Flörke. Die Verantwortung dafür, den Koloss heil durchs Treppenhaus zu bringen – die Fenster des Festsaales waren zu klein –, trug die Spedition.

Einen ganz besonderen Bezug zu dem neuen Flügel hat die zweite Pianistin, die beim Sponsorenkonzert auftritt: Hisako Kawamura, in Landsberg schon durch vorherige Auftritte bekannt, wählte den Flügel aus. Zwei Instrumente standen in der Endrunde. Dass es dann der ehemalige Münchner Philharmonie-Flügel geworden ist – er ist jetzt drei Jahre alt –, liege auch daran, dass er schon neue Hämmer bekommen hat, berichtet Kawamura. „Und zudem hatte der andere Flügel klangliche Defizite.“

Dass es ein bisschen ‚ihr‘ Flügel ist, zeigt die in Japan geborene und in Deutschland aufgewachsene Pianistin mit Beethovens virtuoser Klaviersonate Nr. 21 in C-Dur, auch als Waldstein-Sonate bekannt, die Beethoven seinem Förderer Graf Ferdinand Ernst von Waldstein widmete. Noch einen Beinamen hat das Werk: „Sonata Grande“ – was sowohl auf ihre Länge als auch auf ihre ‚Stimme‘ hinweist: Sie nimmt die Virtuosität und Sinfoniehaftigkeit der Romantik im gerade begonnenen 19. Jahrhundert vorweg. Einen weiteren, wenn auch versteckten Bruch des klassischen Sonatenaufbaus hält Beethoven parat: In drei Sätzen notiert, sind tatsächlich nur zwei zu hören. Der zweite Satz, ein Adagio, fungiert als nahtlose Überleitung zum dritten Satz, dem Rondo. Und nicht zuletzt ist auch der Klang ein anderer: „Es ist die erste Klaviersonate, in der Beethoven Pedalzeichen setzt, im Rondo sehr großzügig“, beschreibt Kawamura die akustische Besonderheit des Werkes.

Die Pianistin scheint mit dem Instrument verwachsen, eins zu sein. Läufe perlen, Melodien brillieren im strahlenden C-Dur. Parallele Sechzehnteltriolen, rasende Läufe und mehrstimmige Triller zeugen von ihrer Virtuosität. Vergessen die 500 Kilogramm des Instrumentes. Jetzt herrscht Schwerelosigkeit.

Wer den neuen Flügel und Hisako Kamawura mit Beethoven selber hören möchte, hat dazu schon bald Gelegenheit: beim ersten Rathauskonzert im neuen Jahr am 12. Januar.

Susanne Greiner

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