Mehr Raum für Flüchtlinge:

Asyl: Kommen jetzt Großanlagen?

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Fällt die 60-Personen-Obergrenze? Die Wohnanlage für Asylbewerber an der Iglinger Straße soll nach den jüngsten Plänen von Landrat Eichinger und OB Neuner verdoppelt werden.

Landsberg – Nachdem die Zahl der im Landkreis Landsberg erwarteten Flüchtlinge immer mehr zunimmt (der KREISBOTE berichtete), suchen Landratsamt und Stadtverwaltung nun gemeinsam nach weiteren Standorten für Unterkünfte im Stadtgebiet. Sie sollen für mehr Personen geeignet sein als die bisherigen Gebäude und Container. Landrat und Oberbürgermeister sind sich einig, dass die ursprünglich vom Stadtrat beschlossene 60-Personen-Grenze fallen muss.

Es geht gegenüber dem aktuellen Stand (319 Asylbewerber einschließlich Fehlbeleger) um weitere 800 Personen, die bis Ende 2016 nach und nach in der Kreisstadt untergebracht werden müssen. Landrat Thomas Eichinger plädiert dafür, dass dies in großen Einheiten geschieht. Die Unterbringung in Wohnungen führe dazu, dass der Wohnungsmarkt zusätzlich belastet werde; außerdem würden dadurch die Mieten steigen.

Bei kleinen Unterkünften sei die Asyl-Sozialbetreuung schwierig. Größere Anlagen könnten engmaschiger durch Hausmeister des Landkreises oder von Drittanbietern betreut werden. Bei mehreren Großanlagen in unmittelbarer Nähe könne zur Nachtzeit auch ein mobiler Wachdienst organisiert werden.

Rund 200 der 800 Plätze sind bereits im Hochbauamt und im Tauscher-Gebäude geplant. Die verbleibenden 600 Plätze würde der Landrat nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Mathias Neuner gerne so verteilen:

300 Plätze sollen in zwei Gebäuden im Gewerbe- und im Industriegebiet entstehen; dazu liegen bereits Mietangebote vor. Zur Herrichtung wären lediglich Trockenbau-Maßnahmen erforderlich. Allerdings hat Oberbürgermeister Neuner in einem Fall „Bauchschmerzen“ wegen der Auswirkungen auf die benachbarten Gewerbebetriebe.

• Bis zu 120 Plätze  wünscht sich Landrat Eichinger an der Pfettenstraße, entweder in Containern oder festen Unterkünften. Da es sich um ein Grundstück des Freistaats handelt, ist die dazu die Zustimmung der landeseigenen Immobilienverwaltung IMBY erforderlich.

30 Plätze  könnten in einem Neubau auf einem Freistaatsgrundstück an der Ahornallee geschaffen werden; hier sollen zunächst Asylbewerber und danach anerkannte Asylbewerber wohnen.

60 Plätze  (erneut für Eritreer) sollen durch eine Verdoppelung der Container am Umspannwerk in der Iglinger Straße  entstehen. Allerdings hatte die Stadt den Anliegern versprochen, dass die Obergrenze von 60 nicht überschritten wird. Nachdem ein weiteres Versprechen – die zeitliche Befristung – schon nicht eingehalten wurde, dürfte eine erneute Abweichung schwer vermittelbar sein. Der Asylbeauftragte des Stadtrats, Jost Handtrack, hat die Aufstockung daher bereits abgelehnt. Auch OB Neuner hat Bedenken. Landrat Eichinger deutete an, dass er auch mit Alternativen leben könne („das ist ein Wunsch des Landratsamts“); die Stadt müsse dann aber in Frage kommende Unterbringungsmöglichkeiten benennen.

Rechnet man zusammen, fehlen allerdings immer noch 290 (bei Ablehnung der Aufstockung „Iglinger Straße“ 350) Plätze. Landkreis und Stadt suchen daher nach weiteren Objekten, insbesondere im Landsberger Osten. Notfalls komme auch die Aufstellung von Traglufthallen auf dem „Trenngrün“ zwischen Landsberg und Kaufering in Frage – das sei „nicht ganz ausgeschlossen“. Allerdings sind Traglufthallen offenbar die teuerste Lösung. Landräte von Kreisen, die bereits Traglufthallen betreiben, berichten von Kosten in Höhe von 50 Euro pro Flüchtling und Tag.

Einig sind sich Stadt- und Kreisverwaltung in der Einschätzung, dass es in Landsberg noch genügend Möglichkeiten gibt – man müsse sie nur mit Nachdruck suchen. Dass der Stadtrat die ursprüngliche Obergrenze von 60 Personen aufgeben wird (was er faktisch schon zweimal getan hat), ist anzunehmen. Allerdings wird er auf eine gleichmäßige Verteilung im Stadtgebiet achten - selbst das Landratsamt weist darauf hin, dass „es nach aktueller Lage auf eine massive Verdichtung der Asylunterkünfte im Landsberger Nord-Westen hinausläuft“. Auch wird es dem Stadtrat darauf ankommen, dass er nicht wortbrüchig wird.

Besonderes Augenmerk wird das Beschlussorgan wohl auf die Betreuung und schrittweise Integration der Flüchtlinge legen. Das Landratsamt geht bei seinen Überlegungen davon aus, dass „größere Anlagen für Ehrenamtliche die Möglichkeit bieten, sich gezielter zu engagieren“. Das trage zur „persönlichen Entlastung“ bei. Das dürfte aber wohl nur dann richtig sein, wenn der Landkreis diese Maßnahmen im Sinne eines „Betreuungsplans“ auch koordiniert. Ein solches Konzept ist aber noch nicht in Sicht.

Werner Lauff

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