Neues Leben fürs Sonnenhaus

In das „Sonnenhaus“ zieht wieder Leben ein. In dem eigenwilligen Gebäude ganz oben am Hang des SOS-Kinderdorfs startete vergangene Woche eine neue SOS-Kinderdorffamilie mit vorerst vier Buben und Mädchen. Sie leben nun in einem Haus mit wechselvoller und prominenter Geschichte – es ist eng mit dem Namen Stoiber verbunden – und mit hohem Anspruch an die Ökologie. Denn das Gebäude wird allein über Erdwärme und Solarenergie beheizt und mit Warmwasser versorgt.

Karin Stoiber, die Gattin des damaligen Ministerpräsidenten, hatte 1994 den Bau des Hauses vermittelt. Ihr ist es zu ver­danken, dass die Bayerischen Stromversorger sich zusammenschlossen und zum 75-jährigen Bestehen des Verbands Bayerischer Elektrizitätswerke dem SOS-Kinderdorf ein ganzes Haus spendierten. Am 26. Juli 1994 legte Karin Stoiber den Grundstein für das „Sonnenhaus“. Überwiegend ortsansässige Handwerksbetriebe erstellten das rund 200 Quadratmeter große SOS-Kinderdorfhaus in Holzständer- und Großtafel­bau­weise mit einer ausgezeichneten Dämmung. Eine von Siemens gesponserte Wärme­- pumpe nutzt seitdem die Erdwärme für die Fußbodenheizung der Räume. Die Warmwasserversorgung erfolgt über vier im Pultdach eingegliederte Solarkollektoren und eine weitere Wärmepumpe. Das Haus kommt somit ohne jegliche herkömmliche Heizung und Warmwasserbereitung aus. Beim Richtfest am 11. Oktober 1994 war Karin Stoiber zu Gast. Ein paar Monate später zog die erste SOS-Kinderdorffamilie in das „Sonnenhaus“ und bewohnte es sechs Jahre lang. Dann waren die Buben und Mädchen herangewachsen und hatten sich verselbstständigt. Da sich zu dieser Zeit – im Jahr 2001 – keine Kinderdorfmutter fand, die eine neue Familie aufbauen wollte, entschied man sich für eine Wohngruppe mit acht Kindern. Allerdings stellte sich bald heraus, dass das Konzept mit Erziehern in Wechselschichten für die Buben und Mädchen nicht optimal war und gegenüber der klassischen SOS-Kinderdorffamilie mit der ständig präsenten „Mutter“ einige Nachteile hatte. Deshalb löste man die Wohngruppe 2003 wieder auf und übernahm die Kinder in neu gegründete SOS-Kinder­dorf­familien. Das „Sonnenhaus“ stand vorerst leer. Neues Konzept Im November 2007 startete das Kinderdorf ein neues Konzept im „Sonnenhaus“ – die familienaktivierenden Hilfen. Dabei unterstützen erfahrene Fachkräfte Eltern in problematischen Familiensituationen so, dass sie ihre Kinder nach Möglichkeit weiter selbst versorgen können. Die Hilfen werden längstens zwei Jahre lang angeboten, die Eltern wohnen in dieser Zeit teilweise mit den Kindern und den Fachkräften zusammen. Mit dem großen Erfolg der familienaktivierenden Hilfen wurde das „Sonnenhaus“ jedoch bald zu klein. Das SOS-Kinderdorf gliederte die Hilfen deshalb in ein neues Haus in Hagenheim aus, das Familien und Mitarbeiter Ende vergangenen Jahres be­zogen (der KREISBOTE berichtete). Seitdem wurde im „Sonnenhaus“ eifrig gestrichen, geschliffen und renoviert. Am 1. April war für die neue, elfte SOS-Kinderdorffamilie alles bereit.

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