Landsberger Salon-Musik

Im Walzerschritt ins Neue Jahr

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Eine Dreierunion: Der singende Moderator Herbert Hanko als Feri-­Bacsi, dessen Spezl und Sylvia in „Jaj Maman“ aus der „Csárdásfürstin“ bei der Matinee des Neujahrskonzertes im Landsberger Rathaus-Festsaal.

Landsberg – Walzer, Gesang und eine Moderation mit Wiener Schmäh? Das kann nur eines bedeuten: Neujahrskonzert mit dem Ensemble „Landsberger Salon-Musik“ im Festsaal des Rathauses. Gute Unterhaltung mit exzellenten Musikern, die einen stimmungsvollen Auftakt ins Jahr beschert. Erst vergangenes Jahr feierte der im August verstorbene Gerhard Johannes mit dem von ihm gegründeten Salon-Orchester Premiere beim Neujahrskonzert. Aber für Moderator Herbert Hanko und die Musiker ist klar: „Wir machen weiter.“ Die Resonanz gibt ihm recht: Sowohl Matinee als auch Abendkonzert sind ausverkauft. Die leichte Muse ist gefragt. „Ganz im Sinne von Gerhard Johannes“, ist Hanko überzeugt: „Er schaut uns zu. Und gerade jetzt lächelt er verschmitzt.“

„Herrreinspaziert“ lädt gleich der erste Walzer des Wieners Carl Michael Zierer ein. Die drei R sind völlig korrekt – zu hören am schwungholenden Auftaktton, den der erste Geiger und Konzertleiter Toyomi Suzuki mit Elan erklingen lässt. Salonmusik vom Feinsten. Ihren Höhepunkt hatte diese leichte Unterhaltungsmusik Ende des 19. Jahrhunderts. Cafés und Hotels schmückten sich mit einem Salonorchester.

Die Technik machte denen Konkurrenz: Radio und Grammophon ließen die Live-Musiker schwinden. Erst in den 1980ern erhielt sie neuen Schwung. Professionelle Musiker taten sich zusammen – wie auch bei der Landsberger Salon-Musik: Solisten aus dem Rundfunkorchester des BR, dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz und Musiker aus der Region schmücken das Ensemble. Zum Beispiel Cellist Franz Lichtenstern oder auch Gerhard Johannes Sohn Julian an der Oboe.

Der jüngste der Strauss-Brüder, Eduard, steuert das zweite Neujahrsstück bei: „Bahn frei!“ Überschattet wurde dessen Talent vom berühmten Bruder Johann, dem „der fesche Edi“, wie er in Wien genannt wurde, oftmals aushelfen musste. Die Polka, die das Rattern des Zugs auf den Gleisen musikalisch aufnimmt, komponierte er für den Faschingsball der Wiener Nordbahn. Und stilgerecht pfeift Hanko die Polka mit Trillerpfeife an und ab.

Italien samt Zitronenblüten suggeriert Gerhard Winklers „Neapolitanisches Ständchen“, bevor Jo Knümanns „Ungarisch“ wieder Tempo aufnimmt. Pianist Josef Bernhard Knümann hatte bereits mit neun Jahren seine ersten Solokonzerte. „Rumänisch“ von Knümann habe man bereits letztes Jahr gespielt, erinnert Hanko und verspricht für 2019 „Russisch“. Die nationalen Benennungen der Stücke liegen an der jeweiligen Volksmusik, die Knümann in seinen Kompositionen aufgreift.

Zu Emmerich Kálmán stimmt Hanko in den Reigen ein: Beim Terzett „Jaj Maman“ aus der „Csárdásfürstin“ übernimmt er die Rollen der Männer Feri-­Bacsi samt Spezl sowie die der Sylvia. Mit Zylinder und guter Laune holt er die Zuschauer aus der Reserve, die anfangs zögerlich, schließlich herzhaft mitklatschen. Ein Potpourri aus Kálmáns Hits leitet über zum „Erfinder der Operette“, Jacques Offenbach. Der baute in seine komische Oper „Orpheus und Euridike“ sogar die „öffentliche Meinung“ ein.

Das Ensemble spielt die Ouvertüre – die nicht von Offenbach stammt. Zur Premiere der Oper in Wien beauftragte man mangels originärer Ouvertüre den Österreicher Hans Binder. Bei Offenbachs zweitem Stück, „Als ich noch Prinz war von Arkadien“, variiert Hanko gekonnt den Text. Arkadien wandert nach Bayern. Speziell Landsberg. Das Sehnsuchtsland schlechthin – mit Gaudiwurm.

Der Tango „Olé Guapa“ von Malando gestaltet mit „Gold und Silber“ von Lehár und einem Walzer von Waldteufel den Schlussteil des zweistündigen Konzerts. Als Zugabe gibt es noch das Pflichtstück, Strauss‘ Radetzky-Marsch. Hier blüht Hankos Moderatorentalent, wenn er die Zuschauer in Union und SPD einteilt und den Klatscheinsatz dirigiert. „Die Union macht die Vorgaben“ – Einsatz der linken Hälfte. „Und die SPD stimmt ein“ – andere Hälfte. Zum Zwischenspiel – „Es spricht Frau Merkel“ – macht Hanko gar die Raute. Rundum ein Gute-Laune-Konzert. Wiener Gemütlichkeit und Lachen, bevor der Alltag kommt. Oder wie Hanko formuliert: „Ich brauche keine Vorsätze zum neuen Jahr, ich hab die alten ja noch nicht aufgebraucht.“

Susanne Greiner

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