Kriminaltango vor Winterkulisse

Landsberger Salonmusik und Herbert Hanko begrüßen das neue Jahr

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Die Musiker der ‚Landsberger Salonmusik‘ mit Moderator Herbert Hanko (2. von links) und dem Leiter Toyomi Suzuki an der Violine (3. von links).

Landsberg – Draußen kommt man kaum vorwärts. Schneeberge, rutschige Straßen, von oben rieselt‘s weiter weiß. Ebenso traditionell wie grüne Weihnachten und weißer Januar ist die Neujahrsmatinee im Landsberger Rathaus. Mit Salonmusik – keine Tatatatam-Schicksalssymphonien, sondern Melodien der leichten Muse. Auch heuer bot die Landsberger Salonmusik mit Herbert Hanko als wissendem Moderator einen beschwingten Einstieg ins Neue Jahr.

Hätte die Neujahrsmatinee zu Zeiten von Johann Strauss stattgefunden, wären die Gäste per Pferdeschlitten gekommen. „Heute wäre das auch für Sie besser gewesen“, flachst Hanko mit Blick durch die großen Fenster des Historischen Rathausfestsaals. Um dem Schmuddelwetter zu trotzen, starten die sieben Musiker der von Gerhard Johannes gegründeten Landsberger Salonmusik um Julian Johannes und Franz Lichtenstern unter der Leitung von Violinist Toyomi Suzuki mit dem Einzugsmarsch aus dem dritten Akt der Operette „Der Zigeunerbaron“. Als Strauss im Oktober 1885 den Zigeunerbaron am Theater an der Wien uraufführte, kamen die Gäste in Scharen – die Operette sollte zu einer der meistgespielten werden. Als der ‚Mozart der Walzer‘ oder auch ‚Rossini der Potpourris‘ genannte Strauss das Werk nach seinen ersten Erfolgen in Berlin komponierte, wollte er etwas Großes: ein Werk, das es auf die Opernbühnen schaffen sollte. „Mit Pferden auf der Bühne und so fort“, beschreibt Hanko. „Ein bisschen überheblich, so wie alle, die nach Berlin gehen“, schmunzelt der in Wien geborene Hanko.

Als „Komponist des silbernen Operettenzeitalters“ führt Hanko zu Antonin Dvoráks Schüler Franz Lehár über. „Mit seinen Operetten könnte man zwei Theaterspielzeiten füllen.“ Zum Glück gibt es ‚Zusammenfassungen‘ der Zuckerl. Zum Beispiel „Rendezvous bei Lehár“ von Viktor Hruby – seinerseits Komponist der Filmmusik zur Heimatschnulze „Der Förster vom Silberwald“. Viele bekannte Melodien, die einige der Zuschauer im vollbesetzten Festsaal anregen: Köpfe und Füße nicken und tappen im Takt, manche summen mit. Ganz Mutige pfeifen.

Nach zwei Fritz-Kreisler-Liedern widmen sich die Salonmusiker dem Tango: ein erster in der urtümlich andalusischen Form des Wunderkind-Pianisten Isaac Albéniz. Der Spanier gab sein erstes Konzert bereits mit vier und floh mit zwölf nach Übersee, wo er eine erste Konzertreihe in Buenos Aires, Kuba und auch New York hatte. Nach Albéniz‘ „Tango in D“ kommt Hankos „Kulturschock“: der „Kriminaltango“, 1959 für drei Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Hitparade, ein Gassenhauer mit dem wörtlichen Schuss. Dessen Geschichte von „Jacky Brown und Baby Miller“ singt der ehemalige BR-Moderator mit Theater- und Gesangsausbildung Hanko selbst.

Weltweit ist das Stück mit dem Namen Hazy Osterwald verbunden. Heutzutage sogar mit Nina Hagen und den Toten Hosen. Der Komponist ist jedoch ein Italiener: Piero Trombetta. Dessen Originalkomposition klingt im Vergleich mit Osterwalds Fassung fast schwülstig. Den Text – nach Hanko ein „Refrain für einen Tatort“ – verfasste Kurt Feltz, der das Lied auch Osterwald und seinem Sextett zur Aufnahme ans Herz legte.

Und dann gleich noch ein Hit: „Wien bleibt Wien“ von Johann Schrammel. Ein Titel den Helmut Qualtinger laut Hanko mit „Das ist ja das Schlimme“ kommentiert habe. Der Wiener Musiker gründete mit seinen Brüdern und Freunden das „Schrammel-Quartett“, daher auch der Begriff ‚Schrammelmusik‘, eine Art Wiener Volksmusik mit großem Erfolg – auch wenn ein ‚schrammelnder‘ Musiker heute nicht immer positiv gemeint ist.

Johann-Strauss‘ „Morgenblätter“-Walzer (im Gegensatz zur Komposition seines Konkurrenten Jaques Offenbach, der ebenfalls für den Presseball der Concordia 1864 eine Komposition namens „Abendblätter“ fertigte), und die Stücke von Knümann und Mihály leiten zum Abschluss: Robert Stolz‘ „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ aus dem Film „Das Lied ist aus“ von 1930, über. Ein Lied darüber, wie der Krieg die Menschen bricht. Ein melancholisches Matinée-Ende? Nicht doch! Die traurige Endnote vertreibt Strauss‘ Tritsch-Tratsch-Polka. Und in guter alter Tradition folgt schließlich der Radetzky-Marsch – mit von Hanko dirigiertem Zuhörer-Klatschen.

Susanne Greiner

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