Stadt setzt auf Qualität

Neuland am Landsberger Wiesengrund

Wiesengrund Landsberg
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Nicht der Preis, sondern die Konzept-Qualität soll über die den zukünftigen Bauträger am Wiesengrund entscheiden.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landsberg – Nicht der beste Preis, sondern das beste Konzept soll entscheiden, wer im Baugebiet Wiesengrund zum Zuge kommt. Interessierte Investoren müssen eine Jury aus Fachplanern und Stadträten überzeugen, dass sie eine Bebauung im Sinne der klima- und sozialpolitischen Ziele der Stadt realisieren wollen.

Je 60 Wohnungen sollen auf den Baufeldern A und B an der Schongauer Straße entstehen. Während Baufeld A an einen klassischen Bauträger verkauft werden soll, liegt der Fokus bei Baufeld B auf Genossenschaften, sozial orientierten beziehungsweise gemeinnützigen Baugesellschaften und sozial orientierten Baugruppen. Neben einem 30-prozentigen Anteil an sozial gefördertem Wohnungsbau sollen, so der Wunsch der Stadt, auch sozial orientierte, integrative Sonderwohnformen – wie zum Beispiel Mehrgenerationenwohnen – und Gemeinschaftseinrichtungen entstehen.

Die Konzepte, mit denen sich Interessenten bewerben können, müssen erkennen lassen, dass sie eine ökologische und nachhaltige Bebauung sowie eine CO2-neutrale Energieversorgung anstreben. Fossile Brennstoffe sollen tabu und die Energiekosten für die Bewohner möglichst niedrig sein.

Das Ganze sei „ein sehr umfangreiches Thema“, wie der Leiter des Referats Stadtplanung und Umwelt Mathias Rothdach anmerkte, als sich jüngst der Stadtrat mit den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb beschäftigte.

Für Lennart Möller (Grüne) wird das Thema Ökologie in den Unterlagen zu wenig konkretisiert. Abgesehen von Forderungen nach „KfW-55-Standard und Nahwärme“ fehle es an Anknüpfungspunkten, etwa im Hinblick auf die verwendeten Materialien und den Energieverbrauch bei Bau und Betrieb der Häuser. Auch Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) fand, dass CO2-Vorgaben für den Bau und die gesamte Lebensdauer der Gebäude gemacht werden müssten.

Nicht alles festlegen

Andere Stimmen warnten vor zu vielen Vorgaben. Christian Hettmer (CSU) sah dadurch die Vielfalt der eingereichten Konzepte gefährdet. Auch Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) hielt es für unrealistisch, jedes Detail vorzugeben. „Wenn wir alles festlegen wollen, müssen wir selber bauen.“

Dass die geforderte Nahwärmeversorgung von den Stadtwerken realisiert werden kann, hält deren technischer Vorstand Gerald Nübel für möglich. Mehr als eine erste Grobeinschätzung zum Energiekonzept liegt bis dato allerdings nicht vor. Vertiefte Untersuchungen stehen noch aus, was Hettmer zu der Kritik veranlasste, man habe „die Hausaufgaben noch nicht gemacht“.

Wie groß das Interesse der Bauträger sein wird, vermag derzeit noch niemand zu sagen. „Mit der Konzeptvergabe betreten wir Neuland“, konstatierte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Die Hoffnung ist, dass bis Mitte Mai genug Kurzbewerbungen eingehen, um für jedes Baufeld sieben Interessenten auszuwählen. Diese haben dann zwei Monate Zeit, ihre Konzepte einzureichen.

Mit fünf Gegenstimmen wurde die Verwaltung beauftragt, das Auslobungsverfahren durchzuführen.

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