Independent Filmfestival

Deutscher Thriller gewinnt bei Snowdance

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Ein Hauch von Hollywood im Landsberger Stadttheater: Starlet Diana Durango mit Josh Burrow (links) und Jackie Marting (rechts) aus der Sieger-Serie "Shoot Me Nicely".

Landsberg – Er hat polarisiert, war Stadtgespräch und gewann trotzdem oder gerade deshalb: Der Psychothriller „Freddy Eddy“ der jungen deutschen Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Tini Tüllmann wurde beim Snowdance Independent Filmfestival mit dem Preis für den besten Spielfilm ausgezeichnet. Übrigens: Der Termin für Snowdance 2018 steht bereits: 27. Januar bis 4. Februar.

Bereits bei der Festival-Eröffnung im Stadttheater und im Historischen Rathaus hatte der Streifen für heftige Diskussionen gesorgt. Manch ein Zuschauer hielt nicht bis zum Schluss durch und verließ vorzeitig den Saal. Das klang auch in der Würdigung der Jury durch: „Ein exzellent besetzter konsequenter Psychothriller, der dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Ein Indie-Film vom Allerfeinsten.“ Tini Tüllmann war ganz geplättet vom unerwarteten Hauptpreis. „Ein Eröffnungsfilm gewinnt nie“ hatte sie ihr Bruder nämlich gewarnt.

Die Snowdance-Sieger sind gekürt

Mit der Verleihung der Awards im Stadttheater endete nach neun mit Highlights gespickten Tagen das inzwischen bedeutendste Festival Deutschlands für den unabhängigen Film. Mit viel Beifall bedacht wurde auch Preisträger Yoon Ha Chang für seinen ausgezeichneten Dokumentarfilm „I Go Back Home“. SKY-Moderator Sebastian Höffner, der souverän durch die Veranstaltung führte, verlas die Begründung der Jury: „Die Suche nach dem vergessenen US-Jazzsänger Jimmy Scott, einst eine Legende, ist eine hoch emotionale Entdeckungsreise in ein Leben voller Höhe und Tiefen. Yoon Ha Chang setzt dem Künstler und seiner einzigartigen Stimme ein verdientes Denkmal.“

Horex-Nacht der Filmemacher mit Staraufgebot

Den Preis für die beste Regie nahm Tuukka Temonen aus Finnland freudestrahlend entgegen. Sein Langfilm-Debut ist eine Zeitreise ins Finnland der 90er Jahre und erklärt die packende wahre Geschichte von vier Jugendlichen, die entgegen aller Widerstände an ihrem Lebenstraum Musik festhalten und zu einer der erfolgreichsten finnischen Rockbands werden. „Der Regisseur beweist ein außergewöhnliches Talent für große Bilder, Emotionen und leise Zwischentöne“, so die Jury. Der bescheidene Preisträger ist übrigens in seiner Heimat Finnland ein Superstar in Sachen Musik. Mit seiner Band Apulanta hatte er ein Dutzend Hits und dominiert ständig die CD-Verkaufshitparaden.

Riesenjubel bei der Schauspieler-Crew des Serien-Siegers „Shoot Me Nicely“. Elias Plagianos hatte aus den USA vier seiner Hauptdarsteller mit nach Landsberg gebracht, die von Stadt und Festival total angetan waren. Das blonde Starlet Diana Durango, die die erste Serienfolge mit einem von einem Paparazzi festgehaltenen Blowjob eröffnet, sorgte mit ihrem extravaganten Abendkleid für Hollywood-Glamour im Stadttheater.

Wasser und Weißwurst

Der Preisverleihung ging ein gemeinsamer Brunch von Filmemachern, Besuchern und Festivalteam voraus. Inzwischen eine Tradition, bei der Visitenkarten, Tipps und News ausgetauscht werden. Die Berliner Onemanband „Langschlenderer“ untermalte das Weißwurst-Frühstück vom Café Käthe.

Manch ein Gast trank untypisch Mineralwasser zu den Weißwürsten, weil ihm die zwei vorangegangenen Partynächte noch in den Gliedern steckten. So präsentierte Horex „Die Nacht der Filmemacher“, ein festliches Get-together mit Leckereien von der Villa Rosa zwischen Filmemachern, Jury und Publikum. Selbst Partymuffel Axel Milberg, Jury-Mitglied und mal nicht Tatort-Kommissar Borowski, fühlte sich pudelwohl im blau illuminierten Foyer des Stadttheaters. Ebenso wie Oberbürgermeister Mathias Neuner mit Ehefrau Renate.

Landsbergs First Lady und Ihr Gatte kamen verkleidet als Cowboy und Cowgirl am nächsten Tag gleich nochmals. Snowdance und der TV-Sender SKY hatten anlässlich der Premiere der neuen Serie „Westworld“ zur Mottoparty eingeladen. Diesmal war das Foyer in Rot getaucht und fleißige Requisiteure hatten tagsüber einen echten Western-Saloon aufgebaut. Als Revue-Girls, Cowboys oder Indianer verkleidete Gäste sorgten für eine stimmige Atmosphäre. Höhepunkt war eine wüste Keilerei zwischen Pokerspielern, bei der Mobiliar und Geschirr zu Bruch gingen und ein Zocker auf der Strecke blieb – alles natürlich nicht echt, sondern die Show einer eingespielten Stuntmen-Gruppe.

Westworld im Stadttheater

Das erste Resümee nach neun geballten Festivaltagen fiel bei den Initiatoren Tom Bohn, Jürgen Farenholtz und Heiner Lauterbach positiv aus: Ganz wesentlich mehr Besucher in den Abspielstätten Olympia-Kino, Cineplex und Stadttheater, zum Teil sogar ausverkaufte Vorstellungen. Selbst die von Regisseurin Brigitte Drodtloff betreuten Serientage in der VR-Bank waren bestens frequentiert, ebenso wie die Kurzfilmtage in der Likka-Lounge mit Stargast Götz Otto. An die von Snowdance und KREISBOTE präsentierte Werkschau mit Til Schweiger werden sich erfolgreiche Autogrammjäger und Selfie-Knipser noch lange erinnern.

Dieter Roettig

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