Die "Opa-Rolle" ausgenutzt

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Wegen sexuellem Missbrauchs wurde der 55-Jährige vor dem Amtsgericht Landsberg zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. 

Landsberg – Er war der „Ersatzgroßvater” des neunjährigen Mädchens – bis das Kind im Frühjahr 2012 eine Woche bei ihm zu Hause verbrachte und er es mehrmals sexuell missbrauchte. Vor dem Jugendschöffengericht gestand der 55-Jährige jetzt alles. Richter Alexander Kessler verurteilte den Kauferinger zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Zu der Mutter des Mädchens, einer früheren Arbeitskollegin, habe er ein „inniges Verhältnis” gehabt, beschreibt der 55-jährige Frührentner vor Gericht. Als diese dann eine Tochter auf die Welt brachte, habe er „die Rolle des Opas” übernommen. Man sah sich zu Geburtstagen, Weihnachten, Ostern und anderen Gelegenheiten. Im Mai beziehungsweise Juni 2012 verbrachte die Neunjährige sogar eine ganze Woche bei dem Rentner und seiner damaligen Ehefrau in deren Wohnung in Kaufering. 

Auf die Frage nach seiner Motivation, antwortete der 55-Jährige vor Gericht, er habe kör- perliche Nähe gesucht. Zwischen ihm und seiner Frau habe es schon jahrelang keine Sexualität mehr gegeben. Als sich das Mädchen dann eines morgens auf seinen Schoß setzte und sich an ihn kuschelte, sei es bei ihm zu einer „Kurzschlusshandlung” gekommen. Es habe sich „so ergeben”, dass er das Mädchen immer intensiver streichelte. Im Verlauf berührte er die Neunjährige an intimen Stellen, verabreichte ihr Zungenküsse und forderte sie auf, ihn zu streicheln. Seine damalige Ehefrau schlief zu diesem Zeitpunkt im Nebenraum. 

Der 55-Jährige erzählte vor dem Jugendschöffengericht, das Mädchen habe sich nicht gewehrt, weshalb er davon ausgegangen sei, dass sie damit einverstanden ist. Dann habe etwas bei ihm ausgesetzt. Sie sei in diesem Moment wie eine erwachsene Frau für ihn gewesen. Eine Argumentation, die Richter Alexander Kessler nicht gelten lassen wollte: „Das allerletzte, was ein Großvater macht, ist sich sexuell an der Enkelin zu vergehen.” Nur ein oder zwei Tage später fuhr der Angeklagte mit dem Mädchen zum Gießen in seinen Schrebergarten. In dem Gartenhaus kam es erneut zu sexuellen Handlungen. Ein drittes Mal missbrauchte er das Kind in seinem Bett, als seine Frau nicht zu Hause war. Es habe sich „irgendwie wieder so ergeben” und er habe eine Art „Black Out” gehabt. 

Für Staatsanwalt Matthias Neumann befand sich der vom Angeklagten ausgeübte sexuelle Missbrauch „am oberen Bereich” sowie „an der Grenze zum versuchten schweren Missbrauch”. Die Anzahl und die Intensität der Taten würden außerdem von einer hohen kriminellen Energie zeugen, so der Staatsanwalt weiter. Deshalb forderte er eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für den 55-Jährigen. Dessen Verteidiger Patrick Freutsmiedl dagegen das vollumfängliche Geständnis seines Mandanten an und dass dieser keine Vorstrafen habe. Er forderte zwei Jahre auf Bewährung. 

Für Richter Alexander Kessler stellte sich die Frage der Bewährung überhaupt nicht: Schwer wog für ihn vor allem das Alter des Kindes. Außerdem habe der Angeklagte auch das Vertrauensverhältnis zur Mutter in erheblichem Maße missbraucht. Er legte ihm eine Therapie in der Justizvollzugsanstalt nahe und verurteilte den 55-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten: „Weniger ging beim besten Willen nicht”, so Kessler am Ende der Verhandlung.

Astrid Erhard

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