Nicht diskussionswürdiges Anliegen

Eine Gemeinderatssitzung mit Seltenheitswert hat Bürgermeisterin Viktoria Horber in der vergange- nen Woche erlebt: Rund 70 Zuhörer waren gekommen und viele mussten stehen, weil die Sitzgelegenheiten nicht reichten. Grund für den ungewohnten Ansturm waren die bereits im Dezember verabschiedeten Zuschussrichtlinien für Vereine sowie der dringend benötigte Neubau des VfL-Sportheimes.

„Zuhörer in dieser Menge – das haben wir hier so noch nicht gehabt“, begrüßte die Rathauschefin die Denklinger Bürger. Ein neuerlicher Antrag der Ratsmitglieder Regina Wölfl und Wolfgang Martin zu den Zuschussrichtlinien für Vereine stand auf der Tagesordnung und hatte viele Bürger, vorwiegend Mitglieder des VfL Denklingen, auf den Plan gerufen. Mit den am 15. Dezember einstimmig beschlossenen Richtlinien für Vereine, in denen allen Vereinen künftig nur noch ein Zuschuss in Höhe von 20 Prozent gewährt wird, hat die Gemeinde dem dringend benötigten Neubau eines Sportheimes indirekt eine Absage erteilt. Wölfl und Martin, die damals die Richtlinien in stundenlanger nichtöffentlicher Sitzung miterarbeitet und letztlich auch abgesegnet hatten, versuchten nun mit ihrem Antrag zurückzurudern. „Wir haben den Richtlinien zugestimmt als Grundgerüst mit der Möglichkeit, noch Änderungen einbringen zu können“, heißt es in dem Antrag. Nun forderten die Beiden eine Änderung dahingehend, dass „bei Neubauten und Instandsetzungen von Vereinsgebäuden, die den finanziell möglichen Rahmen des örtlichen Ver- eins übersteigen werden, über eine gesonderte Bezuschussung seitens der Gemeinde von Fall zu Fall entschieden (…)“ werde. „Dieser Antrag ist nicht diskussionswürdig“, erklärte Bürgermeisterin Viktoria Horber, ehe der Antrag mehrheitlich abgeschmettert wurde. „Es gibt keine neuen Fakten, die diesen Antrag rechtfertigen.“ Helden oder Böse? Gemeinderat Andreas Horber war der gleichen Ansicht: „Dieser Antrag führt uns der Gänze nach vor. Wir haben ausführlich diskutiert und die Richtlinien vor sechs Wochen einstimmig beschlossen.“ Die Abstimmung sei unter ganz klaren Voraussetzungen gelaufen, die Situation des VfL sei klar gewesen. „Nehmen wir den Antrag jetzt an, dann sind wir die Helden, lehnen wir ihn ab, dann sind wir die Bösen“, machte Andreas Horber seinem Ärger Luft. Niemand in dem Kreis habe die Absicht, dem VfL das Sportheim zu verwehren, aber angesichts leerer Kassen, gebe es keine andere Möglichkeit. Für Wolfgang Martin ist dies „der Anfang vom Ende für den Sportverein.“ Ohne Geld von Seiten der Gemeinde gebe es kein Sportheim. „40 Prozent der Gemeinde sind Mitglied im VfL, die können wir nicht einfach mit Almosen abspeisen.“ Regina Wölfl räumte ein, sie habe sich damals mitreißen lassen und die Regelungen teils missverstanden. Sie betonte, dass der Antrag ja nicht dem Beschluss widerspreche, sondern lediglich einen Zusatz darstelle. „Als Hintertürchen, falls doch noch ein Neubau in Frage käme.“ Andreas Frieß: „Die Fronten sind jetzt verhärtet. Das spürt jeder, auch im Dorf. Das kriegen wir nicht geregelt, wenn wir nicht miteinander reden.“ Frieß schlug vor, sich mit dem VfL Denklingen an einen Runden Tisch zu setzen. Vollendete Tatsachen Ein Vorschlag, von dem sich der Kassier des VfL Denklingen, Peter Gleich, wenig erwartet. „Wir können gerne ein Bier trinken, aber wenn die Zuschussrichtlinien so bestehen bleiben, wird sich nichts ändern“, sagte er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Gleich kreidet der Gemeinde in erster Linie an, dass der Verein zwei Tage vor Weihnachten mit der schriftlichen Zustellung der Zuschussrichtlinien vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. 2007 habe man den Neubau in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Beisein der Gemeindevertreter beschlossen, nachdem klar gewesen sei, dass eine Sanierung des Sportheimes nicht mehr in Frage käme. Das Gebäude war Anfang der 70er Jahre auf einer ehemaligen Kiesgrube ohne richtiges Fundament errichtet worden. Inzwischen ist das Haus von Rissen durchzogen, „in die man die ganze Hand ‚reinstecken kann“, so Gleich. Der fertige Plan liegt seither in der Schublade, die Verzögerungen seien nur dadurch zustande gekommen, weil man nicht wusste, ob das Gelände zu einem Wasserschutzgebiet erklärt werden würde. „Von Seiten der Gemeinde hat es immer geheißen, wir können zu gegebener Zeit in einer Gemeinderatssitzung über die Finanzierung reden.“ Und genau das sei der Punkt, über den er sich am meisten ärgere, sagt Gleich. „Die Gemeinde hat uns nicht angehört und das war im Vorfeld versprochen. Wir haben Verständnis, dass es der Haushalt derzeit nicht hergibt. Wir hätten es verstanden, wenn es geheißen hätte, ‚Ihr müsst noch warten’.“ In 2 Jahren zusperren Ein Neubau würde dem Verein mit seinen 900 Mitgliedern rund 600000 Euro kosten. Abzüglich der Zuschüsse durch den BLSV und die 20 Prozent Förderung durch die Gemeinde, Eigenmittel und Eigenleistungen von Seiten des Vereins blieben noch 230000 Euro. „Die können wir als Verein nicht aufbringen.“ Wie es jetzt weitergeht, weiß Peter Gleich auch nicht. „Der Statiker sagt, dass das Sportheim noch zwei Jahre sicher ist und genutzt werden kann. Und dann können wir zusperren.“

Meistgelesen

Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
80 Schafe verenden bei Stallbrand
80 Schafe verenden bei Stallbrand
"Besorgniserregende" Entwicklung
"Besorgniserregende" Entwicklung

Kommentare