"Nicht mit einer Stimme"

Das uneinheitliche Meinungsbild im Seniorenbeirat ist nach Ansicht von Ludger Stürwald konkreten Projekten, wie der vielfach gewünschten Querungshilfe am „Kunsstück“ in der Herrenstraße (Foto), abträglich. Foto: Nagl

Im Seniorenbeirat der Gemeinde Dießen stehen noch vor der Neuwahl im kommenden Frühjahr Veränderungen an. In einer Sitzung teilte Schriftführer Ludger Stürwald mit, dass er sein Amt niederlegen werde. Als Grund gab er an, dass der Seniorenbeirat in entscheidenden Fragen „nicht mit einer Stimme“ spreche. Um dies zu verdeutlichen, hatte Stürwald drei Anträge gestellt.

Um eine Entscheidungsfindung in drei offenen Sachfragen herbeizuführen, die ihm persönlich am Herzen lagen, hatte er die „Einstellung der Bemühungen für ein neues Wahlverfahren mit dem Ziel einer höheren Wahlbeteiligung“, ebenso beantragt, wie die „Einstellung der Bemühungen um eine Querungshilfe in der Herrenstraße“ und die „Einstellung der Bemühungen um eine bessere Fahrplanabstimmung zwischen Bahn und Bus“. Alle drei Themen waren im Vorjahr von Stürwald selbst forciert worden. Folgerichtig kündigte er an, gegen seine eigenen Anträge zu stimmen, damit die Bemühungen fortgesetzt würden. Zu einer Abstimmung kam es jedoch nicht. Anstatt Farbe zu bekennen, vertagte das Gremium die genannten Tagesordnungspunkte 3 und 4 auf Vorschlag des Vorsitzenden Werner Forstner in die anschließende nicht öffentliche Sitzung. Zur Frage der besseren Abstimmung zwischen Bahn und Bus (TOP 5) berief sich Forstner auf einen Brief des Experten für öffentlichen Personennahverkehr im Landratsamt Landsberg, Dietmar Winkler. Dieser habe bereits im Mai in einem Brief an die Gemeinde schriftlich dargelegt, dass die gewünschten Fahrplanverbesserungen nur schwerlich durchzuführen seinen. Eine Entscheidung, räumte Forstner ein, sei damit allerdings noch nicht gefallen. Nun sei es an der Gemeinde hier nachzuhaken. Seniorenreferentin Antoinette Bagusat wurde beauftragt, das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung vorzubringen. Ein kleiner Schritt, der Stürwald jedoch nicht ausreichte. Kritik am Amtsverständnis des Vorsitzenden äußerte Annemarie Apadula. Es sei nicht gut, meinte sie, „wenn der Vorsitzende immer so tut, als sei der Seniorenbeirat etwas Unwichtiges.“ Eine Zuhörerin merkte zum Thema Briefwahl an, dass diese bei der nächsten Seniorenbeiratswahl angesichts des hohen Seniorenanteils in Dießen nicht an etwaigen Kosten scheitern dürfe. Hiltrud Danneberg, Sprecherin des Augustinums im Seniorenbeirat, befürchtete, dass die Wahlbeteiligung vermutlich nochmals drastisch sinken werde, wenn die von Strüwald zur Disposition gestellten Bemühungen eingestellt würden. Stürwald bedauerte, dass seiner Ansicht nach die Belange der älteren Bürger in der Gemeindepolitik nicht die Bedeutung haben, die ihnen zukommt, was nicht zuletzt am uneinheitlichen, zögerlichen Auftreten des Beirats liege. Deshalb sei für ihn mit der Fertigstellung des Sitzungsprotokolls die Mitarbeit im Seniorenbeirat beendet.

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