"Grenzen des Wachstums"

+
Der Investor kann die nötigen Stellplätze an den „Lechterrassen“ am Hindenburgring nicht nachweisen. Es gilt die Stellplatz-Satzung der Stadt.

Landsberg – Auch in Landsberg hat die „Nachverdichtung“ Konjunktur. Während die Schaffung von weiterem Wohnraum in bestehenden Vierteln zweifelsohne den Flächenfraß reduziert, wird langsam auch deutlich, wo ein Haken an der Sache ist: Bei zwei großen Bauvorhaben werden die nötigen Stellplätze zum Politikum.

Im ersten Fall geht es um den nächsten Bauabschnitt an den „Lechterrassen“ am Hindenburgring. Der Investor kann die nötigen Stellplätze nicht nachweisen. Allerdings musste er wegen Einwänden aus Bauausschuss und Stadtrat auch erheblich umplanen. „Es wäre möglich gewesen, aber wir wollten das selbst wegen der Grünflächen am Hang nicht“, sah Berthold Lesch (CSU) den Grund für die Schwierigkeiten. Neue Vorschläge aus dem Ausschuss, wie etwa eine Erweiterung der künftigen Tiefgarage, verfingen ebenfalls nicht. Das führte zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. 

„Mehr geht nach der Planung einfach nicht“, so Alfred Ganzenmüller (Bauamt) für die Verwaltung, „man könnte jetzt natürlich ablösen lassen, aber davon hat man auch keinen Stellplatz mehr.“ Für den Referatsleiter nicht unbedingt ein Hinderungsgrund. „Das Gutachten von Professor Knoflacher predigt, die Leute zum Umsteigen auf den Bus zu bewegen, möglicherweise tun sie das dann.“ Ganz anders sah das Wolfgang Neumeier (UBV). „Das ist alles dezidiert mit dem Investor besprochen und fällt nicht vom Himmel. Wir sehen hier klassisch die Grenzen des Wachstums.“ 

„Ganz einfach“ beurteilten nach längerer Debatte Neumeiers Fraktionskollege Medardus Wallner und OB Neuner die Situation – allerdings differenziert. „Wenn jemand plant und dann seine Parkplätze nicht bauen kann, ist er selber schuld“, meinte Wallner, während der Oberbürgermeister eher formal argumentierte. „Wir haben beschlossen, dass dort die Stellplatzsatzung gilt, die Frage ist nur, ob wir das wieder aufheben möchten.“ 

Mit zwei Gegenstimmen beließ es der Ausschuss bei der Beschlusslage. „Damit geht dort erst einmal nichts weiter“, warnte Ganzenmüller nach der Abstimmung und schlug vor, einen Kompromiss zu suchen. „Ich denke, es wäre gut, wenn man dort noch fünf bis sieben Stellplätze unterbringt, dann könnte man den Rest vielleicht ablösen“, signalisierte Neuner – allerdings ohne entsprechenden Beschluss. Ähnlich schwierig zeigt sich die Lage beim geplanten Mehrfamiliengebäude, das direkt nördlich an das Bayertor angrenzen soll. 

Eine Tiefgarage wollten an dieser Stelle weder der Stadtrat (aus Sorge um das historische Baudenkmal), noch der Investor (aus wirtschaftlichen Gründen). Entsprechend froh waren große Teile des Gremiums, als sich Pläne für ein unterirdisches Parkdeck einige Meter weiter südlich abzeichneten. Ob dort in näherer Zukunft Pkw, auch aus der benachbarten Wohnanlage, abgestellt werden können, scheint im Moment zumindest fraglich. Nach Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer ist unter anderem offen, wer sich finanziell in welchem Umfang beteiligen soll und wie viele Plätze für wen zugänglich wären. 

Dadurch fühlten sich mehrere Ausschussmitglieder herausgefordert. „Das Vorhaben wurde nur genehmigt, weil dort die nötigen Stellplätze geschaffen werden sollten“, meinte unter anderem Medardus Wallner, „alles andere wäre eine Täuschung.“ Oberbürgermeister Neuner versprach, die Baugenehmigung durch die Verwaltung auf diesen Punkt hin überprüfen zu lassen. 

Das ist inzwischen bereits geschehen. Bei einer Gegenstimme sei am 12. Juni 2013 das Bauvorhaben genehmigt worden, teilt Stadt-Pressesprecher Andreas Létang auf Nachfrage des KREISBOTEN mit, dabei sei auch die „Ablösung aller Stellplätze“ beschlossen worden. Für die „Lechterrassen“ gilt somit derzeit die Stellplatz-Satzung der Stadt und der vorläufige Baustopp – am Bayertor stehen dem Baubeginn keine Hindernisse im Weg; mit oder ohne Stellplätze.

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Deko und Kunstobjekte aus aller Welt
Deko und Kunstobjekte aus aller Welt
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Landsberg verzeichnet massive Preissteigerung bei Grund & Boden
Landsberg verzeichnet massive Preissteigerung bei Grund & Boden

Kommentare