Pappeln für den Energiewald

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Mit der Übergabe eines symbolischen Leuchtturmes wurde ehrte Prof. Jörg Ewald (links) von der Hochschule Weihenstephan Kauferings Forstrevierleiter Ludwig Pertl (rechts) für seine Leistungen im bundesweiten Wettbewerb „Energiewende und Waldbodendiversifikation“

Kaufering – Eine Woche lang waren elf Studenten mit ihren Professoren Stefan Wittkopf und Jörg Ewald von der Hochschule Weihenstephan im Wald unterwegs. Die angehenden Forstingenieure erstellten eine wissenschaft- liche Studie im Rahmen eines in Kaufering entwickelten Konzepts. Darin geht es um die „nachhaltige Anpassung an zukünftige Klimabedingungen“. Ihre Ergebnisse präsentierten die Forscher jüngst im vollbesetzten Leonhardisaal der Marktgemeinde.

Als besonderes Schmankerl gab es noch eine Auszeichnung – nicht für die Studenten, sondern für den Förster Ludwig Pertl, neun Landkreisgemeinden und eine Waldbesitzervereinigung, die an dem bundes- weiten Leuchtturmwettbewerb „Energiewende und Waldbiodiversifikation“ teilgenommen hatten. Bürgermeister Erich Püttner und seine Kollegen aus dem Landkreis gab es statt Urkunden vorab einen „Energiewürfel“ aus Pappelholz mit einem Brennwert von genau einer Kilowattstunde. Die offizielle Preisverleihung findet im November an der Hochschule in Weihenstephan statt.

Die Marktgemeinde Kaufering hatte sich 2007 unter dem damaligen Bürgermeister Dr. Klaus Bühler ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Man wollte die Lebensqualität für die Enkelkinder sichern und die Energieversorgung regional auf erneuerbare Energien umzustellen. Ferner sollten Böden und Wälder für die zukünftigen Witterungsextreme fit gemacht werden. Treibende Kraft für das Projekt ist seit Jahren Forstrevierleiter Ludwig Pertl. Kauferings Bürgermeister Erich Püttner lobte ihn für seine Hartnäckigkeit: Es sei für ihn anfangs nicht immer einfach gewesen, sein Konzept der Nachhaltigkeit unter die Menschen zu bringen.

Die Ergebnisse des Klimaschutzkonzepts des Landkreises, so Pertl, hat das Kauferinger Konzept bestätigt. Dank des Biomasse-Kraftwerkes entstünden pro Einwohner und Jahr in der Marktgemeinde nur fünf Tonnen CO2. Im Landkreis seien es 11,9 Tonnen. Pertl wies erneut darauf hin, dass die Natur aber nicht mehr als zwei Tonnen CO2 pro Jahr und Einwohner aufnehmen könne; die starke Übersäuerung der Waldböden führten zu einer massiven Verschlechterung der Bodenleistung.

Regenwurm hilft

„Wir brauchen Wälder, die hochstabil sind“ forderte Pertl. Die hier vorherrschenden Nadelwälder seien sehr schlecht an die ablaufenden Klimaveränderungen angepasst. Der Forstrevierleiter hat dabei nicht nur die Holzwirtschaft im Blick, sondern auch das ökologische Gesamtsystem. Die Funktionsfä- higkeit der Böden könne man durch Humusverbesserung erreichen.

Die Lösung sieht er in Regenwürmern. Allerdings dauere das sehr lange. Bei versauerten Lehmböden müsse mit Zeitspannen bis zu 40 Jahren gerechnet werden. „Es muss ein Waldumbau zugunsten von Dauer- bzw. Energiewäldern aus Pappeln erfolgen“, sagte Pertl; und wies auch darauf hin, dass Holzwirtschaft und eine naturverträgliche Waldgestaltung kein Widerspruch sein müsse.

Seit 2009 läuft in Kaufering ein Forschungsvorhaben in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan. Die diesjährige Projektgruppe hatte sich mit den Themen Energiewald und Artenvielfalt beschäftigt. Breiten Raum nahm die Untersuchung der Pappeln als Träger für den Energiewald ein. Pappeln werden als KUPs (Kurz-Umtriebs-Planatagen) bezeichnet. Diese Baumart wächst in der ersten Lebensphase sehr schnell, hat viel Masse und eine geringe Dichte. Pappeln sollten letztlich den Maisanbau ersetzen. Die Pappel sei wegen des geringen Brennwertes zwar nicht der Renner für den Kamin, für Biomasse-Kraftwerke seien sie jedoch gut geeignet.

Ein Besucher wies darauf hin, dass die Pappel bereits in den 30er Jahren für die damaligen Lastwagen in den sogenannten „Holzgasern“ als Antrieb gedient habe. Inzwischen würden auch Biobauern am Rande ihrer Äcker wieder Pappeln pflanzen, um der Bodenerosion vorzubeugen. Dem kritischen Einwurf, Energiewälder seien auch Monokulturen und somit durch Schädlingsbefall besonders gefährdet, begegneten die Fachleute der Hochschule, „dass man das nicht ausschließen könne“.

Siegfried Spörer

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