Nicht mehr Herr der Lage

Wildschweine sind unheimlich schlau: Wo keine Gefahr droht, da pflügen sie eine Lichtung auch mal bei Tageslicht um. Foto: GrasOber/Wiki

Das Wildschwein ist schlau und gefräßig und macht Landwirten wie Jägern zunehmend das Leben schwerer. Denn die Schwarzkittelbestände in der Region nehmen seit Jahren zu, und ent­- sprechend größer werden auch die Schäden auf den Feldern. „Am schlimmsten ist es heuer im südlichen Landkreis, in der Gegend um Dettenschwang, Rott und Apfeldorf, aber auch im Norden um Geltendorf und Schwabhausen“, sagt Leonhard Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Und Hans-Jürgen Gulder, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, ergänzt: „Wir werden der Lage nicht mehr Herr.“

Als Grund, dass sich Wildschweine in der Region sauwohl fühlen, nennt Gulder die Klimaerwärmung und das Futteran­ge­bot, besonders den zunehmenden Maisanbau. Die ener­- gie­reiche Pflanze steht ganz oben auf dem Speisezettel der Allesfresser, und die Felder bieten ihnen gute Deckung. „Die Tiere halten sich im Sommer und Herbst in den Maisfeldern auf und ziehen sich dann in den Wald zurück“, so Gulder. Außerdem sind die Winter milder und die Regenzeiten kürzer als früher – beste Bedingungen für das Gedeihen der Tiere und Grundlage für eine beinah explosionsartige Vermehrung. „Eine Rotte aus 20 bis 30 Sauen und Frischlingen kann innerhalb eines Jahres auf 80 bis 90 Tiere anwachsen“, sagt Gulder. Neuerdings würden junge Weibchen schon im ersten Lebensjahr trächtig, „früher war das erst mit zwei Jahren der Fall“. Gerne wühlen Wildschweine auf der Suche nach Käfern und Würmern auch Grünland um. In Weizenfeldern graben sie nach Maiskolben, die dort im Vorjahr versehentlich untergepflügt wurden. Die feine Witterung und die hohe Intelligenz machen das Wildschwein für Jäger zu einer echten Herausforderung. Gejagt werden kann es nur nachts und auch dann nur, wenn der Mond scheint und der Wind günstig steht, sonst riechen die Tiere den Jäger lange bevor er ihnen gefährlich werden kann. Andreas Brehm, Revierförster in Geltendorf, kann sich an viele Nächte erinnern, in denen er um 2 Uhr hundemüde und frustriert vom Hochsitz geklettert ist. „Dann kommen sie halt um 4 Uhr.“ Und wird ein Tier erlegt, sind die anderen schnell über alle Berge. „Wildschweine können in einer Nacht bis zu 50 Kilometer zurücklegen.“ Zurück bleiben die Bauern mit ihren aufgewühlten Wiesen und Feldern. Zwar regeln die Pachtverträge zwischen Jagdgenossenschaften und Jägern, wer in welcher Höhe für Schäden aufkommt. „Früher mussten die Jäger Wildschäden zu 100 Prozent zahlen“, sagt Bauernob­mann Welzmiller. „Inzwischen weigern sich die meisten, solche Verträge abzuschließen. Die Jäger wollen sich aus der Verantwortung zurückziehen.“ Doch beim Thema Verantwortung verweisen die Grünröcke auf die Umstände, für die sie nichts können. „Wenn die Bewirtschaftung und das Klima so sind, wie sie sind, muss man mit den Ergebnissen leben und Schäden einkalkulieren“, hält Manfred Schilcher, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Landsberg, den Landwirten entgegen. Auch verweist er auf die seit Jahren steigenden Abschusszahlen: Wurden nach Angaben des Landratsamtes im Jagdjahr 2006/07 gerade mal 30 Sauen erlegt, so stieg die Zahl 2008/09 auf 151 und im vergangenen Jahr gar auf 276 Tiere. „Wir brauchen vernetzte Lösungen“, sagt Schilcher, „und dürfen keine Fronten aufbauen, sondern müssen kooperieren.“ Auf Seiten der Jäger müssten die „Schießfertigkeit auf Wild in Bewegung“ und die Jagdhundeausbildung verbessert, seitens der Landwirtschaft die Felder mit Elektrozäunen geschützt werden. Gerade von diesem Vorschlag sind die meisten Bauern jedoch wenig begeistert. Welzmiller schlägt stattdessen vor, die Schonzeit für Wildschweine abzuschaffen. „Die Sauen sollten rund ums Jahr geschossen werden können.“

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