Nichts mehr vergeuden – Wie die Echinger Kläranlage optimiert werden kann

Der Abwasserzweckverband Ammersee West, der die Kläranlage Eching führt, möchte die Anlage optimieren. Laut Pressemitteilung wird versucht das „energetische Potential“ auszuschöpfen, um die Kosten für den Bürger gering zu halten und das Klima möglichst wenig zu belasten. Unter dem Titel „Von der Entsorgung zur Verwertung von Abwasser“ ist auf der kürzlichen Verbandsversammlung vorgestellt worden, wie die Zunkuft der Kläranlage aussehen könnte.

Das Büro GFM Beratende Ingenieure aus München hatte dazu eine Studie zur energetischen und verfahrenstechn- ischen Kläranlagenoptimierung erstellt. Die Ergebnisse zeigen, wie in die Anlage investiert werden könne, um zum Beispiel den Energiebedarf zu senken. Die Kläranlage Ammersee reinigt das Abwasser und große Mengen des anfallenden Regenwassers von rund 90000 Einwohnern und Gewerbebetrieben, die sich um den Ammersee angesiedelt haben. Für die Abwasser- und Klärschlammbehandlung werden derzeit rund 4,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr benötigt. Damit ist die Kläranlage der größte Stromverbraucher im ge- samten Einzugsgebiet. Einen Teil des Stroms von jährlich rund 1,3 Millionen Kilowattstunden wird bereits über die betriebseigene Faulgasverwertung im Blockheizkraftwerk (BHKW) auf der Kläranlage hergestellt. Die verbleibenden 2,9 Millionen Kilowattstunden müssen noch vom Energieversorgungsunternehmen (EVU) eingekauft werden. Laut Studie können durch Investitionen von rund 2,6 Millionen Euro zum Beispiel für verfahrenstechnische Anpass- ungen die Betriebskosten und die Stromverbrauchswerte erheblich reduziert werden. Einsparungen von über 235000 Euro pro Jahr für den Kläran- lagenbetrieb seien dabei möglich. Aber nicht nur den Abwassergebühren könnten bei steigenden Energiepreisen Paroli geboten werden. Auch das Klima profitiere davon: Jährlich würden 2,0 Millionen Kilowattstunden an Primärenergie eingespart, was 1,1 Tonnen CO2- Emissionen. Bei Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen müssten künftig nur noch 31 Prozent des heutigen Strombezugs, also 0,9 Millionen Kilowattstunden, aus herkömmlichen Kraftwerken bezogen werden. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, zu optimieren: So wurde das Ingenieurbüro GFM beauftragt, eine ergänzende Studie anzufertigen, die untersucht, wie die Kläranlage selbst mehr Strom erzeugen kann. So könnten durch die Annahme von Kohlenmonoxid-Substraten wie Klärschlamm benachbarter Anlagen, organische Wertstoffe aus abwasserintensiven Betrieben der Region oder anderer biologisch verwertbarer Stoffe zusätzlich Ressourcen an Primärenergie eingespart werden. Energielieferant Die Kläranlage könnte also sogar zum Energielieferant werden. Denn es sei nicht nur möglich die für die Abwasserreinig- ung erforderliche Energie selbst herzustellen, sondern zudem Energie für die Region bereit zu stellen. Die Experten denken dabei an die Einspeisung von Strom ins Versorgungsnetz. Aufbereitetes Faulgas könnte an eine Gastankstelle „geliefert“ werden, wo die Fahrzeuge der beteiligten Kommunen tanken könnten. Auch die Gewinnung anderer Wertstoffe wie Phosphor, Stickstoff oder Humus für Gartenbau und Landwirtschaft sieht die Studie als möglich an. "Versuchsanlage" Innovative Wege könnte die Kläranlage auch bei der Abwasserbehandlung gehen, bei der übrig gebliebenes Prozesswasser durch Sauerstoff wiederbelebt wird. Hier sucht der Lehrstuhl für Siedlungswasser- wirtschaft der TU München eine Anlage, um einen Großversuch durchzuführen. Der Abwasserzweckverband hat sich als „Versuchsfläche“ beworben. Eine Absage erteilte der Zweckverband der viel diskutierten solaren Trocknung von Klärschlamm. Wie es hieß, sei das Verfahren heute ohne zusätzliche Wärmequelle nicht wirtschaftlich umzusetzen. Das hätten die Fachleute von der TU München und vom Büro GFM eindeutig belegt.

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