Nichts für die Öffentlichkeit? – 25000 Euro-Skulptur liegt wie Müll auf dem Bauhof

Die gravierenden Mängel beim neuen Anbau des Heilig-Geist-Spitals gehö­-ren nach Ansicht des Oberbürgermeisters und einiger Stadtrats­mitglieder nicht in die Öffentlichkeit. Als „nicht in Ordnung“ bezeichnete OB Ingo Lehmann (SPD) am Mitt­woch im Finanzausschuss das Vorgehen von Reinhard Skobrinsky (BAL). Dessen Vorwürfe auch in Richtung Verwaltung seien „ungehörig“. Derweil meldete sich ein weiteres Ratsmitglied zu Wort, das zusätzliche Mängel und deren zähe Abwicklung auf Verwaltungsebene beklagt.

Irgendwie scheint vor der Erweiterung des Heilig-Geist-Spitals kein besonders gutes Vorzeichen zu stehen. Da sind die Bagger vor gut eineinhalb Jahren gerade erst angerollt und schon die erste Panne: Die anlässlich der 650-Jahr-Feier des Heilig-Geist-Spitals 1998 aufgestellte Skulptur, die an das segensreiche Wirken der Barmherzigen Schwestern erinnert, nimmt erheblichen Schaden. Statt unter fachkundiger Anleitung des Künstler sorgsam vorzugehen, wird das Werk des Thaininger Bildhauers Joachim Maria Hoppe mit brachialer Gewalt und samt Sockel aus dem Erdreich gerissen. Die Reparatur schlägt mit rund 5000 Euro zu Buche und wird laut Stadtverwaltung „vermutlich vom Heilig-Geist-Spital“ getragen. Erdreich sackt ab Mitten in den Rohbauarbeiten im September dann der nächste Aufreger: Nachts kippt der Baukran in Richtung Westen, direkt auf das bereits gedeckte Dach der Seniorenheimerweiterung. Das Erdreich unter dem Kran war abgesackt. Verletzte gab es gottlob nicht, der Sachschaden hielt sich in Grenzen. Als ein Jahr später, am 11. September, der Neubau mit seinen 24 Einzelzimmern eingeweiht wird, ist den meisten Beteiligten klar, dass er so schnell nicht bezogen werden kann. Schuld da­-ran ist der von BAL-Stadtrat Skobrinsky jetzt öffentlich ge­- machte Pfusch in den Duschen, wo das Wasser nicht zum, sondern vom Abfluss weg läuft. Laut OB Lehmann habe man be­reits Anfang September in Abstimmung mit dem Bauamt entschieden, dies nicht auf sich beruhen zu lassen. Die Nachbesserung zu Lasten des mit der Bauaufsicht beauftragten Architekten aus Landsberg beginne dieser Tage, erfährt Skobrinsky Ende Oktober vom Stadtoberhaupt. Fliesen auf Fliesen Aktuell ist ein Sanitärraum im 2. Obergeschoss des Anbaus zur Probe nachgebessert. Doch das Wasser fließt immer noch nicht ab, weiß ein Stadtratsmitglied, das nicht genannt werden will. Architekt und Handwerker haben nämlich den kritischen Bereich nur eingerahmt und um diesen herum neue Fliesen auf die alten Fliesen geklebt. Im eigentlichen Duschbereich steht das Wasser und muss stets mit einem Schieber in den Gully befördert werden. Ein gleichermaßen umständlicher, feuchter und für die Senioren gefährlicher Zustand, kritisiert das Ratsmitglied. Da rückten die fehlenden Haken für Bademäntel und Handtücher, die Kleiderstange in zwei Meter Höhe und das zu hoch angebrachte abschließbare Fach in den Hintergrund. Nach Ansicht von CSU-Chef Helmut Weber gehören derlei Vorgänge nicht in die Öffentlichkeit, sondern seien „reine Verwaltungssache“. Auch zwei seiner Fraktionsmitglieder hätten im Detail über die Mängel Bescheid gewusst, doch habe er sie gebeten, „keine Unruhe ins Spital zu bringen und damit der Einrichtung keinen Schaden zuzufügen.“ Dem konnte Martha Borgmann (UBV) nur beipflichten. Schon vor Monaten habe Heimleiter Andreas Létang das mit dem Wasser festgestellt, betonte sie. Sie wehrte sich gegen den Vorwurf, sich als Seniorenreferentin nicht um den Missstand gekümmert zu haben. Nicht abgenommen Der Skobrinsky-Antrag auf „Einsicht in das Abnahmeprotokoll“ geht im Moment ins Leere. Grund: Der Bau sei laut Lehmann noch nicht abgenommen worden. Weiterhin betonte der OB im Finanzausschuss, dass die Bauaufsicht „fremd vergeben“ worden sei und der verantwortliche Architekt „nicht angemessen reagiert“ habe. Durchaus zornig reagierte er auf den Vorwurf des BAL-Rates, er habe den Stadtrat nicht informiert. Dies sei am 21. Oktober nach einer Anfrage von Dr. Andreas Hartmann (Grüne) geschehen. Letztlich gab der Oberbürgermeister Stadtrat Skobrinsky die Möglichkeit, sich für die „ungehörigen“ Äußerungen öffentlich zu entschuldigen. Der aber blieb standhaft: „Ich habe die Bauverwaltung mehrfach auf die Mängel hingewiesen und keine ausreichende Auskunft erhalten.“ Und wenn’s so nicht möglich sei, dann müsse man eben andere Wege gehen.

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