Stadt bleibt hartnäckig

Noch ein Brückerl, sagt die Stadt Landsberg

ULP Landsberg Baustelle
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Links vom „Kopfbau“ soll nach dem Willen der Stadt im Papierbach-Areal eine weitere Bahnüberführung entstehen.
  • Werner Lauff
    vonWerner Lauff
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Landsberg – Das ist allgemein bekannt: Im Papierbach-Areal wird es eine breite, barrierefreie Bahnunterführung geben, die Fußgänger und Radler aus dem Westen schnell über den Lady-Herkomer-Steg in die Altstadt bringt. Fast kaum jemand weiß: In den Plänen ist in geringer Entfernung eine zweite Bahnquerung vorgesehen, diesmal in Form einer nur für Fußgänger geeigneten Brücke mit vielen Treppenstufen. Nach der Meinung von Projektentwickler ehret + klein kann man darauf verzichten; auch der Gestaltungsbeirat riet von einer Verwirklichung ab. Doch eine Mehrheit im Stadtrat hält an dem Vorhaben fest.

Auf dem Plan sieht sie schlank und filigran aus, aber in Wirklichkeit wäre sie „ein gewaltiges Bauwerk“ mit „raumgreifen­den Treppen“ und „hohem Störpotential“. Das hat der Gestaltungsbeirat der Stadt im April 2018 formuliert und eine „klar ablehnende Haltung“ zum Ausdruck gebracht. Eine fünf Meter hohe Brücke sei an dieser Stelle keine „gestalterisch befriedigende Lösung“, außerdem sei die Kosten-Nutzen-Relation nicht gegeben. Dass der Stadtrat die Pläne trotzdem nicht geändert hat, ist wohl darauf zurückzuführen, dass er damit in den bereits ausgehandelten und ausbalancierten städtebaulichen Vertrag eingegriffen hätte. Dort ist festgelegt, dass die Stadt die Baukosten der Brücke trägt.

Als nun, drei Jahre später, Projektentwickler ehret + klein den Verzicht auf die Maßnahme vorschlug, hätten bei der Stadt eigentlich die Sektkorken knallen müssen. Zumal sich die Umstände inzwischen verschlechtert haben. Die Bahn fordert nun eine Höhe von sechs Metern. Das Landratsamt macht eine weitere Kreditaufnahme von Konsolidierungen abhängig. Und es gibt eine neue parallele Entwicklung, die es nahelegt, die Wegführung zwischen Kopfbau und ehemaligem Verwaltungsgebäude der Pflugfabrik noch einmal zu überdenken. Dass der Stadtrat in Form des Pandemieausschusses in seiner letzten Sitzung mit großer Mehrheit (nur die CSU stimmte dagegen) beschließen würde, die Verzichtsempfehlung lediglich zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht zu verfolgen, ist daher kaum zu verstehen. Zumal hinreichend bekannt ist: Wer eine Bahnüberquerung vermeiden kann, wird das ohne Zögern tun, weil laufende Untersuchungen durch von der Bahn anerkannte Inge­nieurbüros und Wartungen jahrzehntelang erheblich ins Geld gehen.

Neues Parkhaus

Die neue Entwicklung besteht darin, dass die Mehrheit des Stadtrats offenbar geneigt ist, den Wunsch von ehret + klein zu akzeptieren, die Zahl der unterirdischen Parkplätze im Papierbach-Areal zu reduzieren. Der Projektentwickler spart dadurch geschätzt sieben Millionen Euro Baukosten; die Stadt würde davon mehr als zwei Millionen Euro als „Ablöse“ erhalten. Diese Mittel könnte sie für den Bau eines oberirdischen kommunalen Parkhauses an der Spöttinger Straße einsetzen. Solange eine Reduzierung des Autoverkehrs und damit die Abschaffung von Zweitwagen keinen nennenswerten Umfang hat, könnte sie einen Teil der neuen Parkplätze an Papierbach-Bewohner vermieten, die keinen zweiten Tiefgaragenplatz ergattert haben. In diesem Zusammenhang wäre eine Bahnquerung, dann barrierefrei und auch für Radler geeignet, auf Höhe des jetzigen Landratsamts wohl sinnvoller. Von dort könnte es auch, so ehret + klein, direkte Fußweg-Anbindungen ins Papierbach-Gebiet geben.

Warum die Stadt freiwillig Geld ausgeben und die Eigentümer und Mieter am Papierbach zwangsweise mit einer Monumentalbrücke beglücken will, ist von außen nicht ersichtlich. Die Beratung fand im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Pande­mieausschusses statt. Auch im Nachhinein war Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl nicht bereit, die Öffentlichkeit über den Vorschlag und die Ablehnung zu unterrichten. An Bauträger ehret + klein kann das nicht gelegen haben, denn dessen Gesamtprojektleiter Benjamin Johansson sprach wenige Tage später bei einem Video­chat öffentlich über das Thema. Generell gilt, dass die Abweichung von einem Bebauungsplan in den öffentlichen Teil einer Sitzung gehört; so wurde dies bisher auch gehandhabt.

ehret + klein begründet den Vorschlag, auf die Brücke zu verzichten, mit einer zweifachen Beeinträchtigung. Zum einen käme es zu einer Kollision mit dem Spielplatz der Kindertagesstätte. Zum anderen entstünde neben dem bereits realisierten Kopfbau ein unverhältnismäßig ins Gewicht fallendes Bauwerk. Dass viele Bürger die treppenreiche Bahnquerung nutzen, sieht man dort nicht; bis zur bequemen Unterführung sei es ja nur ein kurzer Weg.

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