Noch eine Chance für Exhibitionisten

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ANDREA PETER, Landsberg – „Hier haben schon ganz andere Angeklagte gesessen“, erklärte Richterin Sabine Grub einem 37-jährigen Exhibitionisten bei dessen Verhandlung am Landsberger Amtsgericht. Der Mann hat sich am Donnerstag für vier Vorfälle im Jahr 2008 verantworten müssen, bei denen er vor Frauen onaniert hatte, um sich sexuell zu stimulieren. Er war geständig und erklärte: „Ich bin ganz ehrlich zur Therapie bereit. Ich möchte, dass es besser wird.“ Grub verurteilte ihn zu einer vierjährigen Bewährungsstrafe und einer Geldauflage von 300 Euro. Zudem muss sich der in München lebende Mann zwei Jahre lang psychotherapeutisch behandeln lassen. Vier Jahre Bewährungszeit ist lang, könnte aber laut Dr. Hanna Ziegert nötig sein: „Der Heilungsprozess könne sich drei bis vier Jahre hinziehen.“ Die Psychotherapeutin aus München hatte analysiert, warum der Angeklagte schon als junger Erwachsener vor Frauen auf offener Straße onaniert hatte. Sie bescheinigte ihm eine emotional-instabile Persöhnlichkeit, ein gestörtes Sexualverhalten und Suchtprobleme. Als Kind hätte er Gewalt erfahren. Die Selbstentblößung trete immer dann auf, wenn der Angeklagte Stress habe, sich in schwierigen Lebensumständen befinde. „Je mehr das in Zusammenhang steht, desto günstiger ist die Prognose“, versicherte die Gutachterin. Übergriffe, das heißt körperliche Angriffe, durch den 37-Jährigen schloss sie aus. Sein erneutes „Exhibitionieren“ wurde durch eine Depression hervorgerufen, wie ein ärztliches Attest bescheinigte. Der Angeklagte hatte Ende 2008 unter anderem auf einem Feld in Windach vor zwei Frauen onaniert. Damals sei er auch arbeitslos geworden, berichtete Verteidiger Helmut Eurskens. Der Rechtsanwalt stellte weiter fest, dass sich sein Mandant seit 2001, seit sieben Jahren, fehlerfrei verhalten habe. „Ich bitte um ein mildes Urteil“, erklärte er schließlich. „Man soll ihm eine Chance geben!“, hatte auch Staatsanwältin Cornelia Böttcher plädiert. Auf der Seite des Angeklagten stand auch dessen jetzige Partnerin, die als Zuhörerin die Verhandlung mitverfolgte. Sie gebe ihm die Marschroute vor und stabilisiere ihn, schätzte Gutachterin Ziegert dazu ein. Der Angeklagte war schon einmal verheiratet und hat aus dieser Ehe vier Kinder. Mindestens einmal in der Woche sei eine Sitzung bei einem Psychotherapeuten nötig – darüber waren sich Eurskens, Ziegert und Grub einig. Dass er ein positives Umfeld habe – auch mit einer neuen Arbeit als Ausfahrer – rechneten sie ihm ebenfalls positiv an. Doch kam auch weiteres „Negatives“ aus seinem Leben zutage. Zum Beispiel seine Vorstrafen – neben Diebstahl war da auch eine Vorstrafe wegen einer früherer exhibitionistischen Handlung vor Minderjährigen. Zurzeit hat der Mann wegen rund 70000 Euro Schulden Privatinsolvenz beantragt. „Die Geldstrafe von 300 Euro wird da weh tun“, meinte Grub, „doch sie soll spürbar für sie sein“.

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