Noch härter trainieren

Der kanadische Footballer Jason Bertrand. Foto: Kruse

Die Saison ist vorbei, abgeschlossen hat er mit ihr noch nicht: Jason Bertrand spricht im Interview mit KREISBOTEN-Mitarbeiter Christoph Kruse aber nicht nur über die Halbfinal-Niederlage in München, sondern auch über seine Eindrücke in seinem ersten Auslandsjahr. Den Landsberger Football-Fans macht der 24-jährige Kanadier Hoffnung, dass er in der kommenden Saison zurückkehrt – auch wenn er bei der größten Spielerbörse im Internet als „auf Vereinssuche“ gelistet ist.

Jason, wie lange hat sie das 27:12 in München noch beschäftigt? Jason Bertrand: „Das beschäftigt mich immer noch. Ich schaue mir den Film vom Spiel immer wieder an.“ Dann haben Sie inzwischen ja bestimmt die Gründe für die Niederlage gefunden? Bertrand: „Wir haben uns den falschen Zeitpunkt ausgesucht, um zu viele Fehler zu machen. Uns haben aber auch fünf oder sechs Leute in der Offense gefehlt, dann hatten wir im Spiel auch noch zusätzliches Verletzungspech. Es mussten dann einige auf Positionen spielen, auf denen sie nicht oft trainiert haben, das hat sich leider bemerkbar gemacht. München war gut, aber schlagbar. Ich würde die Partie gerne noch einmal spielen, diesmal in Bestbesetzung.“ Trübt das die Saisonbilanz? Bertrand: „Man ist enttäuscht, wenn man sein Ziel nicht erreicht. Das letzte Spiel zu verlieren, ist immer hart, weil man so lange Zeit hat, darüber nachzudenken. Aber man muss auch die Umstände sehen – wir hatten drei der besten Receiver der Liga, dann hat sich einer nach dem anderen verletzt. Wir waren eindeutig ein Team, das vom Passspiel lebte und mussten umstellen. Dann haben wir auch mitten in der Saison den Trainer verloren. So gesehen, war es ein gutes Jahr. Erfreulich war zum Beispiel auch die tolle Entwicklung von Dominik Schäfer, er spielt immerhin sein erstes Jahr Football und hat zehn Touchdowns, das ist außergewöhnlich.“ Sie haben zum ersten Mal außerhalb Kanadas gespielt? Wie groß war die Umstellung? Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden? Bertrand: „Ich hatte gar keine richtigen Erwartungen. Ein Bekannter hatte mir gesagt, dass ich eine lustige Truppe finden und einige Monate Urlaub machen würde. Das hat sich aber als sehr viel ambitionierter herausgestellt. Am Anfang war es für mich hart, ich habe in einem kleinen Dorf gewohnt, die Sprache war doch ein Hindernis. Meine Teamkollegen haben mir dann sehr geholfen, vor jedem Training gab es ein Sprachquiz in der Kabine, ich musste einfache Sachen wie Farben und Zahlen zu kleinen Sätzen zusammenbauen. Inzwischen muss ich sagen, dass es eine gute Zeit in Landsberg war, es ist sehr schön hier, die Leute sind freundlich und sehr stolz auf den Ort, an dem sie leben. Ich bereue die Entscheidung nicht und würde sie wieder so treffen. Schon die Arbeit mit dem Nachwuchs hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und auch viel gebracht.“ Sie dürfen ja nach Auskunft Ihres Präsidenten im kommenden Jahr gerne wiederkommen. Haben Sie das auch vor oder locken die anderen Angebote zu sehr? Bertrand: „Ich werde nirgends zusagen, bevor ich mit Landsberg gesprochen habe. Es sind keine großen Dinge, die ich mir wünsche, unter anderem möchte ich näher an der Stadt wohnen. Wenn das erfüllt wird, komme ich hundertprozentig zurück. Bis 1. November wird die Entscheidung fallen.“ Neben Vereinen in Österreich, Italien und Frankreich sollen jetzt auch die Münchner Interesse an Ihnen haben? Bertrand: „Oh, ich möchte jetzt keine Namen nennen.“ Wie sehen bei Ihnen die nächsten Monate aus? Bertrand: „Ich wollte die Zeit hier ja auch nützen, um ein bisschen etwas von Europa zu sehen. Das habe ich bis jetzt nicht geschafft, also geht es jetzt noch für drei Tage nach Italien. Am Samstag ist die Abschlussparty, nächste Woche fliege ich zurück nach Kanada und sehe zu, dass ich so schnell wie möglich eine Arbeitsstelle für die nächsten Monate finde.“ Der Sport ruht dann? Bertrand: „Oh nein, das könnte ich gar nicht. Fünfmal pro Woche Fitness ist für mich Pflicht. An den Wochenenden spiele ich mit Freunden in einer Flag-Liga, im Winter geht es zum Arena-Football.“ Was geben Sie Ihren Teamkollegen vom X-Press mit in die Pause? Bertrand (lacht): „Mehr und härter trainieren. Wir brauchen mindestens 30 Leute im Training, mit 20 gewinnt man keine Meisterschaften.“

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