Noch kein Anlass zur Euphorie - Rezession belastet das Handwerk

„Lasst uns gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen“, hat Kreishandwerksmeister Ernst Höss beim traditionellen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Landratsamtes aufgerufen. Denn die Rezession hat auch das Handwerk nicht verschont. Gleichwohl setzte laut Gerhard Ketzler, stellvertretender Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, schon im vergangenen Frühjahr eine Trendwende ein. „Ein sich selbst tragender Aufschwung ist das allerdings noch nicht. Zur Euphorie besteht kein Anlass.“

Insgesamt verzeichnete das Handwerk im Landkreis Landsberg 2009 ein preisbereinigtes Umsatzminus von fünf Prozent. In absoluten Zahlen erwirtschafteten die rund 2150 Betriebe – das sind ein Drittel aller Unternehmen der Region – einen Umsatz von 750 Millionen Euro und damit 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Trotz eines leichten Rückgangs (1,5 %) der Beschäftigtenzahl hatten immer noch rund 6700 Menschen einen Arbeitsplatz im Handwerk. 216 Auszubildende wurden neu eingestellt, das entspricht dem Wert von 2008. Ketzler lobte die Handwerksfirmen für ihre intensiven Ausbildungsaktivitäten, denn „der Lehrling von heute ist die Fachkraft von morgen“. Neben den aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten müsse sich das Handwerk auf einen langfristigen Strukturwandel einstellen, verursacht durch die Bevölkerungsentwicklung. „Schon heute beobachten wir einen deutlichen Rückgang der Schulabgänger“, so Ketzler. Mit einer Imagekampagne soll auf die Attraktivität des Handwerks als Arbeitsfeld aufmerksam gemacht werden. „Diese Kampagne unterstützen wir mit aller Kraft“, unterstrich Kreishand­werks­meister Höss. Für Landsberg sprach Bürgermeister Norbert Kreuzer den regionalen Betrieben seine Anerkennung aus und bescheinigte ihnen gute Möglichkeiten, auf die Anforderungen eines veränderten Marktes zu reagieren. „Handwerker identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Qualität ist für sie Ehrensache“, so Kreuzer. „Das ist die beste Konkurrenz zu Discountlösungen aller Art.“ Erfolgreiche Wirtschaftsbetriebe brauchen gute Standorte, und hier hat der Landkreis auch in Zukunft beste Karten, wie Landrat Walter Eichner ausführte. Die rund 10000 Neubürger, mit denen bis 2025 gerechnet wird, „sind auch 10000 zusätzliche Verbraucher und Handwerkskunden“. Sie finden zwischen Ammersee und Lech rela­- tiv günstiges Bauland, eine gute Verkehrsanbindung und ein viel­fältiges schulisches Angebot. 71 Millionen Euro hat der Landkreis in den vergangenen Jahren für Neubau, Erweiterung und Ertüchtigung von Schulen ausgegeben, davon 50 Millionen Euro Eigenleistung. In Krippen, Horten und offenen Ganztagsklassen sollen in den nächsten Jahren zusätzliche Betreuungsplätze entstehen, er­läuterte Eichner. „Der Ausbau der Kinderbetreuung ist genauso wichtig wie der Ausbau des Breitbandnetzes.“ In einem Dialogforum im Landratsamt soll es demnächst um die Zukunft der Hauptschulen und den Start der Mittelschulen im kommenden Schul­jahr gehen. Auf dem Ausbildungsmarkt kommen im Landkreis rechnerisch auf 100 Bewerber 106 offene Stellen, „das ist bayernweit Platz 15“. Zahlreiche besonders erfolgreiche Auszubildende erhielten im Rahmen des Neujahrsem­pfangs die Auszeichnung als Innungs-, Kammer- und Bundessieger. Zwölf Mal wurde der Meisterpreis vergeben und vier Mal der Goldene Meisterbrief. Darüber hinaus erhielt Ehrenkreishandwerksmeister Franz Lanzinger die Goldene Ehren­­- n­adel der Handwerkskammer. Außerdem wurden langjährige Mitarbeiter, besonders engagierte Ausbilder und Prüfer, verdiente Meisterfrauen sowie Ehrenamtliche und Spender der Aktion „Handwerk mit Herz“ mit Ehrungen bedacht. Die Zimmerei Koller aus Petzenhausen erhielt zum 50-jährigen Bestehen eine Urkunde der Handwerkskammer.

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