Handwerk sucht Nachwuchs

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Goldene Meisterbriefe gingen in diesem Jahr an Werner Huttner (Mitte), Ubald Sedlmair (3. von rechts) und Edgar Schneider (2. von rechts), die mit Ehrenkreishandwerksmeister Franz Lanzinger, dessen Nachfolger Ernst Höss, dem amtierenden Kreishandwerksmeister Michael Riedle (von links) und dessen Stellvertreter Wolfgang Zeit (ganz rechts) zum Meistertrunk anstießen.

Landsberg – Optimismus und Selbstvertrauen, aber auch einige Sorgen: Wie Kreishandwerksmeister Michael Riedle beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft deutlich machte, leiden die Betriebe vor allem unter den steigenden Energiekosten und dem immer knapper werdenden Nachwuchs. 

Die Zahlen hatte wie immer der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern Gerhard Ketzler parat. Demnach erwirtschaftete das Handwerk im Landkreis Landsberg 2012 einen Umsatz von 700 Millionen Euro und damit drei Prozent weniger als im Rekordjahr 2011. Mit einem Plus von 0,5 Prozent stieg die Zahl der Beschäftigten auf rund 6500. Gewachsen ist auch die Anzahl der Betriebe, und zwar um rund zwei Prozent auf nunmehr 2225.

Für Lacher sorgten die Entertainer Wolfgang Kosian und Werner Schleich (links).

Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnete das Handwerk im Landkreis sogar ein Plus von zehn Prozent und koppelte sich damit vom Abwärtstrend ab, der in Oberbayern vorherrscht. Hier sank die Zahl der neuen Azubis um 2,7 Prozent. „Die Demographie hat uns erreicht“, so Ketzler. Kreishandwerksmeister Riedle unterstrich, dass immer noch mehr als jeder zehnte Beschäftigte im Handwerk ein Auszubildender ist. „Und wir könnten noch viel mehr“, fügte er hinzu. „Wir suchen händeringend nach jungen Leuten.“ Mittlerweile könnten nur noch 52 Prozent der Betriebe alle ihre Stellen besetzen. Positiv habe sich der Steuerbonus für Handwerksleistungen ausgewirkt, der dem Baugewerbe und verwandten Gewerken volle Auftragsbücher be­scherte und gleichzeitig die Schwarzarbeit zurückdrängte. Riedle wünscht sich aber noch mehr steuerliches Entgegenkommen für das Handwerk, und zwar in Gestalt eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes.

Mittelstand im Nachteil

Im Superwahljahr 2013 befürchtet nicht nur Handwerkskammer-Vertreter Ketzler, dass politisches Parteienkalkül wichtige Weichenstellungen verhindert oder verzögert. Solche wären aber nach seiner Ansicht dringend geboten, unter anderem im Bereich der Energiekosten. Hier sei der Mittelstand gegenüber den Großkonzernen massiv benachteiligt. „Das Handwerk darf nicht die Zeche für die Energiewende zahlen.“

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ging in seinem Grußwort ebenfalls auf dieses Thema ein und betonte, es sei notwendig, die Energiepreise zu begrenzen. Man müsse sich fragen, „ob die Vergütungssätze weiter so bezahlt werden können wie bisher“. Stattdessen müssten regenerative Energien durch technischen Fort­- schritt konkurrenzfähiger werden.

Ein Thema, das fast alle Redner umtrieb, war die drohende Privatisierung der Wasserversorgung. Die Politik dürfe dies nicht zulassen, forderte Landrat Walter Eichner. Dobrindt erklärte, man werde entsprechende europäische Gesetze, wenn sie denn kommen, schlicht nicht umsetzen – „das wäre reine Notwehr“.

Bürgermeister Norbert Kreuzer würdigte die Wirtschaftskraft des Handwerks, bedauerte aber gleichzeitig das Verschwinden von Handwerksbetrieben aus der Stadt und das Fehlen von Fachkräften in den Lebensmittelberufen.

Nach zahlreichen Ehrungen sorgten Werner Schleich und Wolfgang Kosian mit einer witzigen Puppenspieler-Showeinlage für Stimmung. Den musi­kalischen Rahmen der Veranstaltung lieferte die Blaskapelle Prittriching.

Ulrike Osman

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