Musik für eine Sommernacht

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Perfektes Zusammenspiel: Solveig Slettahjell und Sjur Miljeteig.

Landsberg – Eine Stimme, ein Instrument und eine einfühlsame Begleitung: mehr braucht es manchmal nicht, um einen ganzen Saal zu verzaubern. Keine Lightshow, keine große Band. Das bewiesen die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell und der Trompeter Sjur Miljeteig am Samstag im Stadttheater aufs Eindrucksvollste.

Das Geheimnis liegt allerdings nicht nur in der beträchtlichen musikalischen Qualität, sondern vor allem in der Authentizität. Egal ob sie eigene Kompostionen spielt und singt – Solveig begleitet ihre wandlungsfähige Stimme selbst am Flügel – oder „something borrowed or maybe stolen“, sie ist ganz bei sich, sehr authentisch und von einer hohen Intensität. Kein Wunder, schreibt sie doch ihre Songs über Dinge, die ihr wichtig sind, wie sie erklärt: ihre Familie, ihre Freunde. So entstand auch „Three hearts in a boat“.

Und die Coverversionen seien Lieder, die sie liebt, die ihr Freude machen, sie berühren wie Annie Lennox „The saddest Song I’ve got“ oder das wunderbare „Take it with me“ von Tom Waits. Und ihre Affinität zu Kirchenliedern und Gospel (ihr Vater war Pastor) kommt in einer jazzigen Version von „Wade in the Water“ zum Ausdruck. Mal klar, mal dunkel, scheint ihre Stimme jeden Ton, jedes Wort auszukosten, selbst wenn sie mit ihrer „ungenauen Intonation“ kokettiert, die den Liedtiteln manchmal unfreiwillig zu einer anderen Bedeutung verhelfen.

Slow Motion

Entschleunigung. Auch dieser Begriff passt auf die Norwegerin. Hat sie doch keine Angst vor der Langsamkeit, vor Pausen. Mit einer Ruhe und Ausgeglichenheit präsentiert sie ihre Songs, plaudert ein bisschen, schafft eine große Nähe zum Publikum. Angenehm entspannt auch ihr Zusammenspiel mit Sjur Miljeteig, Trompeter ihres „Slow Motion Quintet“ (Nomen est Omen!) und seit 2000 musikalischer Weggefährte. Perfekt greifen Stimme, Piano, Solo-Trompete und Sjurs leises, rauchiges Timbre ineinander.

Nur ungern trennen sich Sängerin und Publikum nach rund eineinhalb Stunden voneinander, und erst, nachdem Solveig Slettahjell die Landsberger mit vier norwegischen Schlafliedern (von der Großmutter gelernt und jeden Abend den Kindern vorgesungen) auf die Sommernacht eingestimmt hat. „Jetzt geht ins Bett, schlaft gut“, verabschiedet sie sich winkend von ihrem Publikum.

Patricia Eckstein

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