Das Gruseln kommt in der Nacht

30. November: Perchten aus Tirol machen in Dießen ordentlich Lärm

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Die Tiroler Perchten kommen auch heuer wieder nach Dießen. Am 30. November lehren sie in der Fischerei das Fürchten.
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Die Tiroler Perchten kommen auch heuer wieder nach Dießen. Am 30. November lehren sie in der Fischerei das Fürchten.
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Die Tiroler Perchten kommen auch heuer wieder nach Dießen. Am 30. November lehren sie in der Fischerei das Fürchten.
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Die Tiroler Perchten kommen auch heuer wieder nach Dießen. Am 30. November lehren sie in der Fischerei das Fürchten.
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Die Tiroler Perchten kommen auch heuer wieder nach Dießen. Am 30. November lehren sie in der Fischerei das Fürchten.

Dießen – „Heir bin i wieder mit dabei!“ Mathi Perthaler ist der Leiter und Trainer der Perchten, die seit geraumer Zeit aus den Tiroler Bergtälern auch in Dießen aus der Dunkelheit auftauchen – mit gewaltigem Höllenlärm und akrobatischer Show. Dem Vernehmen nach nehmen sie am Samstag, 30. November, Kurs auf die Fischerei. Mit Beginn der Dunkelheit werden sie erwartet.

Perthaler hat sich im vergangenen Jahr zurückgezogen aus der Perchten-Szene, weil er seine Heimat bei Kufstein mit Rott getauscht hat, wo er mit seiner Familie lebt. Aber die Tiroler Tradition war stärker. Für Perthaler ist das „Peaschtln laffa“ seit Generationen gelebtes Brauchtum. Schon als Kind ist er hineingewachsen in die Szene. Deshalb hat er heuer seine fünfjährige Tochter Mia auf einem Buckelkorb dabei, „die isch ja verruckter als i“, lacht er und erzählt, dass sie bisher das Perchten-Dasein immer beobachtet hat und dieses Jahr das erste Mal mitlaufen darf.

Die Familien, berichtet Perthaler, gestalten ihre Gewänder selbst und schnitzen ihre Grusel-Masken ebenfalls in den langen Winterabenden in der warmen Stube, wo sie auch die schweren Mais-Kostüme herstellen. Die Perchten-Gruppen heißen „Pass“, die Truppe um Perthaler ist die vom „Bleiboch Pass“ aus Langkampfen (Region Kufstein) und treten ab dem Nikolaustag bis über die Rauhnächte (nach Dreikönig) auf. Manchmal haben sie auch den Nikolaus (im Schwäbischen Nussmärtel) und den Krampus dabei.

Perthaler trainiert seine Perchten, deshalb habe er das jüngste Wochenende auch wieder in Langkampfen verbracht, „weil d‘ Burschn fit sei miassn“, verrät er. Das Training brauchen sie, denn die Beweglichkeit in den schweren „Gewändern“ und mit den Holzmasken auf dem Kopf bedarf regelmäßigen Trainings. Perthaler kommt heuer mit zwei Hölldeifi, einem Glockinger, acht Tamperern, er selbst mimt d‘ Hex und eine zweite Hex haben sie auch noch im Schlepptau.

Die vom Bleibochpass haben ihr überliefertes Programm, wozu auch die Ausstattung gehört: Die Tamperer tragen ein ausladendes Maisblätter-Outfit, das um die 80 bis 100 Kilogramm wiegt und in das selbst der stärkste Kerl nicht ohne Hilfe rein- und rauskommt. Kippt einer um, oder fällt beim wilden Trommelschlagen auf die Nase, müssen ihn seine Spießgesellen wieder auf die Füße stellen. Auch die Pelze und wilden Felle der Hölldeifi sind alle Handarbeit. Außerdem gäbe es in Tirol noch spezielle Gerbereien, Maskenschnitzer und Hersteller von feuerfesten Textilien, die die große Nachfrage jener bedienen, die sich nicht selbst ausstatten können.

Auch ihre Anreise ist spektakulär. Sie fahren mit einem Bulldog über den Zirler Berg, auf dem Anhänger sind alle wichtigen Utensilien, ihr „Werkzeug“ beziehungsweise alle „Accessoires“, die sie für ihren Auftritt brauchen.

Bei Einbruch der Dämmerung tauchen sie in der Fischerei auf. Dann dürfen die Kinder erst mal die Perchten ohne Larven anschauen. Vor den Kindern setzen sie dann ihre Grusel-Masken auf. Eine gute Methode, denn dann begreifen die Kids, dass der laute wilde Auftritt ein Spiel ist und die Gruselmonster nicht echt sind.

Dabei wir immer wieder die Frage laut, warum die wilde, verwegene Horde ausgerechnet in Dießen Halt machen. Denn es gibt keine Archivalien, die das Perchtenlaufen am Ammersee belegen. Bekannt ist ein Hinweis aus einer Perchtenausstellung, dass 1582 eine „Frau Percht“ durch Dießen getrieben wurde. Warum Perthaler das nächtliche Spektakel am Ammersee zeigt, ist ganz einfach. Da kommt seine Familie wieder ins Spiel: Er hat ein Mädel aus Dießen geheiratet und lebt jetzt mit seiner Familie in Rott. Das ist sein persönlicher Bezug, „und i merk‘, dass es de Leit gfallt was wir machen.“

Es gibt viele Hintergründe zum Perchtenlaufen, einer davon ist das Geisteraustreiben, das sich je nach Region mit Geschichten, Magie und Mystik vermischt. Eine Perchten-Hochburg ist seit Jahrhunderten in Tirol und eine im Salzburger Land.

Beate Bentele

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