Einstimmig beschlossen:

Franz-Xaver Rößle wird "Altoberbürgermeister"

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Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle im Jahr 1994 an seinem Arbeitsplatz im Schmalzturm.

Landsberg – Der von 1988 bis zum Jahr 2000 amtierende Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle erhält den Ehrentitel „Alt-Oberbürgermeister“. Das beschloss der Stadtrat auf Antrag der UBV am Mittwoch einstimmig. Die Übergabe der Urkunde soll am 12. Mai im Stadttheater erfolgen.

Rößle, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, bewarb sich 1988 um die Nachfolge von Oberbürgermeister Hanns Hamberger. Er setzte sich gegen fünf weitere Kandidaten durch, zuletzt mit 59 Prozent der Stimmen in der Stichwahl gegen Ingo Lehmann (SPD). 1994 wurde Rößle wiedergewählt; diesmal gewann er in der Stichwahl gegen Rainer Kuchinke (CSU/Bürgerblock). Im Jahr 2000 gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Ingo Lehmann, das Lehmann knapp für sich entscheiden konnte.

Partnerschaften

In seiner Amtszeit initiierte und verantwortete Rößle viele Entwicklungen, die noch heute in der Stadt sichtbar und spürbar sind. 1988 beschloss die Stadt, für 14 Millionen Euro die Wasser­entsorgung aller Stadtteile zu erneuern. 1989 entstand der AKE-Kindergarten. Rößle eröffnete im selben Jahr das Neue Stadtmuseum. Er erreichte, dass die Bayerischen Wasserkraftwerke ihren Plan aufgaben, ins Lechwehr ein Kraftwerk einzubauen. Es entstanden eine Städtepartnerschaft mit Rocca di Papa (Italien) und eine Kulturpartnerschaft mit Bushey (England).

1990 wurde das Herkomermuseum eingeweiht. 1991 erstrahlte das Historische Rathaus nach dreijähriger Sanierung wieder in altem Glanz. Rößle überreichte den Kulturpreis der Stadt an Luise Rinser. Die Städtepartnerschaft mit Waldheim in Sachsen begann. Die Ludwigstraße wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. 1992 stellte die Stadt das Jugendzentrum fertig; der Seniorenbeirat tagte zum ersten Mal.

Konversion

1993 konnte Rößle nach fünfjähriger Bauphase die Schlossberggarage eröffnen. Die für zehn Millionen Euro gebaute Stadtbücherei lieh ihr erstes Buch aus. Die Soldaten aus der Ritter-von-Leeb- und der Saarburg-Kaserne zogen ab; die Stadt legte Konzepte zur Konversion vor. 1994 fuhren in Landsberg erstmals Stadtbusse. Der Stadtrat schuf das Gewerbegebiet Texet II nördlich der A96. Die Stadt gab ihr Krankenhaus an den Landkreis ab. Die oberirdischen Parkplätze wurden erstmals kostenpflichtig. Das Anruf-Sammel-Taxi entstand. Das Todesmarsch-Mahnmal an der Neuen Bergstraße wurde eingeweiht. Die Stadt- und die Stadtjugendkapelle wurden städtische Einrichtungen.

1995 zog die Volkshochschule ins ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen ein. Die Salzgasse wurde ausgebaut, der Spitalplatz umgestaltet. Die Stadt sanierte die Turnhalle in der Lechstraße. Das für 14 Millionen DM renovierte und umgebaute Stadttheater wurde wiedereröffnet.1996 wurde die Lechwehrsanierung abgeschlossen und ein erster Wettbewerb zur Neugestaltung des Pflugfabrikgeländes durchgeführt, damals noch ohne Folgen, weil ein Verkauf des Areals nicht zustande kam.

Frauenwald

1997 entschied sich die Stadt, unterstützt durch einen Bürger­entscheid, für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Frauenwald. Sie kaufte eine Teilfläche der früheren Saar­burg­kaserne für das Baugebiet Katharinenanger. In der früheren Ritter-von-Leeb-Kaserne (heute: Obere Wiesen) baute sie 1998 ein Biomasseheizkraftwerk für zwölf Millionen DM. Im gleichen Jahr erwarb sie den Frauenwald. Rößle gab die Aufarbeitung der Landsberger Geschichte im 20. Jahrhundert in Auftrag. 1999 ging das Blockheizkraftwerk im Inselbad in Betrieb. Im Jahr 2000 nahm das erste Unternehmen (iwis Ketten) im Frauenwald seine Tätigkeit auf.

Rößle, der der UBV angehört, ist seit dem Jahr 2000 wieder als Rechtsanwalt tätig und engagiert sich insbesondere bei kulturellen und historischen Themen, unter anderem in der Europäische Holocaust Gedenkstätte Stiftung und bei der (weitgehend aus Spenden finanzierten) Erneuerung des Herkomer-Museums.

Als Oberbürgermeister stand er für den Umbau der Stadt Landsberg in Richtung Industrie und Arbeitsplätze, für die Konversion von Kasernen zu Wohngebieten, für die Bewahrung und Erweiterung der Kultur, für die Ausweitung der Städtepartnerschaften und für eine mutige geschichtliche Erinnerungsarbeit. Der Titel Altoberbürgermeister würdigt diese Leistung zurecht.

Werner Lauff

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