Von der Eiszeit profitieren

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Im Obermeitinger Gewerbegebiet soll eine weitere Kiesabbaufläche entstehen. Derzeit laufen die behördlichen Verfahren. Unser Foto zeigt Bürgermeister Erwin Losert bei der Besichtigung des Gebietes.

Obermeitingen – Die Gemeinde Obermeitingen hat richtig viel Kies. Damit ist aber nicht unbedingt die Umschreibung für Geld gemeint, sondern Gesteins- und Mineralkörner einer definierten Größenordnung. Auf vier Flächen wird gegenwärtig im Gemeindegebiet bereits abgebaut. Eine fünfte Fläche soll im Gewerbegebiet Elias-Holl-Straße hinter der Pferdepension „Reitstall Aktiv“ entstehen.

Dazu muss der Flächennutzungsplan samt integriertem Landschaftsplan geändert werden. Die ersten Schritte sind bereits getan. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und der Öffentlichkeit wurden die Stellungnahmen eingefordert. Mit den Ergebnissen dieser Abfrage beschäftigte sich der Obermeitinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Der Kiesreichtum im Lechfeld geht auf die letzte Eiszeit zurück. Die Gletscherfront hat vor 10.000 bis 12.000 Jahren im Lechfeld in Form einer Endmoräne die typischen Gesteinsfragmenten hinterlassen. Auch die Nachbargemeinde Hurlach oder Kaufering profitieren von der letzten Eiszeit.

„Für uns ist das aber eher ein Zubrot“, sagte Bürgermeister Erwin Losert dem KREISBOTEN. Im Haushalt 2016 sind gerade einmal 60.000 Euro an Einnahmen angesetzt. Die Kiesförderung macht die Gemeinde auch nicht selbst. Diese werden an private Unternehmen vergeben.

Einsprüche von Privatpersonen gegen die neue Kiesabbaufläche gab es nach der Auslegung der Unterlagen nicht. Wohl aber Anregungen, Bedenken oder Hinweise von einigen sogenannten „Trägern öffentlicher Belange“. So meldete sich die Bundeswehr. Das zuständige Amt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen schrieb, man gehe davon aus, dass nur ein einzelner Baggersee mit geringer flächenmäßiger Ausdehnung entstehe. Die Bundeswehr stimme daher dem Vorhaben unter der Voraussetzung zu, dass neu entstehende Baggerseen nicht mit bereits bestehenden verbunden werden und die jeweils verbleibende Wasserfläche nicht größer als vier Hektar ist. Dahinter steckt die Sorge, dass größere Wasserflächen Vögel anlockt, die wiederum eine Gefahr für den militärischen Tiefflugbetrieb werden können.

Volles Einverständnis signalisierte die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Rein vorsorglich verweist die Kammer jedoch auf die Zeit nach dem Kiesabbau. Die Entwicklung des Gewerbegebietes dürfe nicht beeinträchtigt werden. Gegebenenfalls solle man die Ausweisung von Ersatzflächen in Erwägung ziehen.

Ganz anders argumentiert das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Fürstenfeldbrucker Behörde schreibt, die derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche (hinter dem Pferdehof) solle nach der Rekultivierung wieder „für landwirtschaftliche Zwecke in Kultur genommen werden“. Dazu gab es eine Reihe von technischen Hinweisen für den Abbau und die Lagerung des abgetragenen Oberbodens. Das beauftragte Planungsbüro „lars-Consult“ schrieb seinem Abwägungsvorschlag, dass die Hinweise zur Kenntnis genommen würden. „Im Rahmen der Nachfolgenutzung sei sowohl eine Rückführung zur bisher dargestellten gewerblichen Nutzung als auch die Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Nutzung möglich. Dies werde im Zuge der Rekultivierungsplanung überprüft“.

Alle Anregungen, Bedenken und Hinweise werden im Rahmen des Verfahrens nun in die Pläne und Unterlagen eingearbeitet und an die Träger öffentlicher Belange zur erneuten Prüfung zurückgeschickt. Des Weiteren erfolgt eine erneute öffentliche Auslegung. Gibt es keine weiteren Einwände, kann der Flächennutzungsplan geändert werden. Erwin Losert rechnet auf jeden Fall in diesem Jahr noch mit dem geänderten Flächennutzungsplan. Dann kann auch mit dem Kiesabbau begonnen werden.

Der Bürgermeister schätzt, dass die Abbauzeit 10 bis 15 Jahre beträgt. Das hänge letztlich vom Bedarf nach Kies ab, sagte der Rathauschef. Insgesamt können auf der 3,8 Hektar großen Fläche rund 250.000 Kubikmeter Kies abgebaut werden. Geplant ist nur ein sogenannter Trockenabbau bis zu acht Metern Tiefe. Der Nassabbau, also der Kiesabbau im Bereich des Grundwassers, ist nicht vorgesehen.

Siegfried Spörer

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