Heimspiel für Hartmann

Christoph Hartmann mit Pianistin Akemi Murakami beim Rathauskonzert

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Akemi Murakami am Klavier und Oboist Christoph Hartmann beim Rathauskonzert

Landsberg – Ein ungewohntes Bild: Trotz sommerlicher Temperaturen ist der historische Festsaal des Rathauses um 18 Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt. Das müssen wahre Fans sein. Die der klassischen Musik natürlich. Und die des Landsberger Oboisten Christoph Hartmann. Der Wahlberliner Philharmoniker spielte letzten Sonntag im Rahmen der Rathauskonzerte gemeinsam mit Pianistin Akemi Murakami ein romantisch geprägtes Programm mit Ausflügen in die Moderne. Ein fantastischer Sommerauftakt.

Auf dem Programm stehen Komponisten des 19. Jahrhunderts: So wie das erste Stück des Franzosen Casimir-Théodore Lalliet. Ein „Souvenir de Berlin“, „ich dachte das passt, wenn ich aus Berlin komme“, schmunzelt Hartmann. Der Anfang sehr melancholisch, wechselt das Stück zu einem fröhlich unbeschwerten Walzer, teilweise getragen von schlichten Melodien. Die Oboe singt, Murakami spielt leicht und mühelos, das Zusammenspiel perfekt. Schwebende Töne, Melodien wie ein Traum.

Danach kommt Poulenc. Eindeutig hundert Jahre später: „Poulenc hat das Stück 1962 geschrieben, eines seiner letzten“, sagt Hartmann. Dennoch ist es ganz im „Harmonischen“. Eine absteigende Tonfolge mit einem fragenden Ton am Ende leitet die Sonate für Oboe und Klavier ein. Pausen unterbrechen den Tonfluss, danach schleichen sich die Instrumente wieder ein. Der letzte Ton des ersten Satzes scheint in der Luft zu versickern. Der Zweite ist ein starker Kontrast: schnell, Staccatoreihen, eine Reminiszenz an Prokofjew, wie Hartmann erklärt. Der dritte Satz wird von traumhaften Sequenzen im Klavier dominiert, die Oboe schwebt darüber, bevor sie mit Oktavsprung endet. Tosender Applaus und Bravo-Rufe.

Der zweite Teil des zweistündigen Abends startet mit Benjamin Godards „Legende Pastorale“. „Eines meiner Lieblingsstücke“, sagt Hartmann. Danach Theodor Leschetizkys „Variationen über ein Thema von Beethoven“: Nach der Thema-Vorstellung beginnen die Variationen. Eine erinnert an den Trauermarsch. Eine trägt deutlich moderne Züge. Eine andere scheint den Zuhörer ins Barock zurückzukatapultieren. Den Abschluss macht Nikos Skalkottas – „Ohne moderne Musik kommen Sie heute Abend nicht davon“. Hartmann hat gewarnt. Der Grieche Skalkotta besuchte Schönbergs Meisterklasse in Berlin. Ein hüpfendes Thema, die Pastorale mutet mit Dissonanzen nahezu unheimlich an, das Rondo besticht durch rasante Läufe. Modern, aber sehr gut hörbar.

Als Zugabe – denn so leicht lassen die Landsberger den Hartmann nicht gehen – gibt das Duo ein Lied von Gabriel Fauré. Eine Zugabe für den ehemaligen Leiter der Rathauskonzerte Gerhard Johannes. Das habe er oft mit ihm gemeinsam gespielt, erzählt Hartmann. Eine einfache Melodie, die den Anfang des Konzertes wieder aufzunehmen scheint. Der Kreis schließt sich.

ks

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