Vor Missbrauch schützen

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Beim Baustein 6+ des Landsberger Eltern ABC ließ Referent Jürgen Bergfeld (Mitte) die Teilnehmer sich mit ihren Ansichten zur Sexualität auseinandersetzen, indem sie sich um bestimmte Thesen gruppierten.

Landsberg – Der beste Schutz vor sexuellem Missbrauch ist eine offene, emanzipatorische Sexualerziehung: Wenn Kinder alle Körperteile benennen können, über Sexualität in der Familie unbefan­gen gesprochen wird, wenn sie „nein“ sagen dürfen, und erfahren, dass ihr Körper etwas ganz Besonderes ist und allein ihnen gehört.

Das erklärte Diplom-Sozialpädagoge Jürgen Bergfeld den Zuhörern beim Baustein 6+ des Landsberger Eltern-ABC plus.

Die Zahlen sind erschreckend: Etwa 15000 Missbrauchsfälle werden jedes Jahr allein in Deutschland zur Anzeige gebracht, die Dunkelziffer ist vermutlich 20 bis 30 mal höher, berichtete Bergfeld, der lieber von „sexualisierter Gewalt“ sprechen wollte. Denn es gehe den Tätern vorwiegend um Macht, die sich darin zeige.

Die Täter seien zu 85 Prozent im engen Umfeld der Kinder zu finden – und meist Männer: Opas, Väter, Nachbarn, Stiefbrüder oder neue Lebenspartner der Mütter. Für die manch- mal sozial isolierten, unterdrückten, aber doch neugierigen Opfer sind sie oft die nächsten und wichtigen Bezugspersonen. Sexueller Missbrauch im familiären Umfeld findet häufig schon über einen längeren Zeitraum statt, bevor er zur Anzeige kommt.

Bitte nicht küssen

Sexualisierte Gewalt auszublenden sei nicht der richtige Weg. Vielmehr gelte es, mit den Kleinen kindgerecht darüber zu reden. Kinder sollten dabei aufgefordert werden, auf ihre Gefühle zu vertrauen und keine Berührungen zuzulassen, die ihnen unangenehm sind – und wenn es das ungeliebte Küsschen der Oma ist. Und: Man sollte ihnen den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen erklären. Die Täter, stimmte Bergfeld einer Mutter zu, seien schwer zu erkennen und enttarnen. Eltern könnten sich aber inzwischen wenigstens ein bisschen Sicherheit holen, indem sie bei der Anmeldung zu Gruppen und/oder Vereinen auf der Vorlage eines Führungszeugnisses für ehrenamtliche oder angestellte Betreuer/innen bestehen. Der Referent hielt es trotz mancher Bedenken für sehr positiv, dass nun auch Männer in Kindergärten und Grundschulen zu finden sind. Denn sie helfen als Vorbilder gerade den Jungen in der Ausbildung ihrer Geschlechtsidentität, da die Väter arbeitsbedingt oft wenig präsent sind.

Wichtig ist Bergfeld, dass Kinder später zufrieden mit ihrer Sexualität und ihrem Geschlecht sind. Dazu müssten Eltern möglichst offen sein und über Sexualität genauso unbefangen sprechen „wie über das Wetter“. Lernt das Kind dagegen von klein an die richtigen Begriffe für seine Geschlechtsorgane, gehören sie genauso zu ihrem liebens- und schützenswerten Körper wie Nase und Ohren.

Nichts sei schöner für Kinder, als in einer sinnlichen Atmos­phäre aufzuwachsen, in einer Familie, die Freude am Leben und Lust für eine gute Sache hält, meinte der Referent. Eltern sollten Kindern ein Gefühl für die eigenen Grenzen und Respekt vor dem anderen Geschlecht wie auch vor anderen Kulturen vermitteln, wünschte sich Bergfeld.

Daniela Hollrotter

 

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