Ohne berufliche Tiefen

Nach 32 Jahren als BRK-Kreisgeschäftsführer geht Anton Huber im April nächsten Jahres in den Ruhestand. Dann bleibt ihm mehr Zeit, hin und wieder ein Gläschen Rotwein in seinem Wintergarten zu genießen. Foto: Weh

„Das erste, was ich weglegen werde, ist mein Terminkalender“, sagt Anton Huber und lehnt sich gemütlich in seinem Stuhl zurück. Noch genießt er einfach nur seinen Sommerurlaub, doch ab 1. April 2011 wird der BRK-Kreisgeschäftsführer in die Freizeitphase der Altersteilzeit eintreten. 32 Jahre hat er dann die Geschicke des Kreisverbandes gelenkt, ihn zu dem aufgebaut, was er heute ist. Aber wer Anton Huber kennt, weiß, dass ihm auch im Ruhestand nicht langweilig werden wird.

Das Wort „Ruhestand“ gefällt dem 61-Jährigen ohnehin nicht. „Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich würde es eher meine aktive Nachberufszeit nennen“, sagt Huber im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Und man merkt ihm an, dass er sich auf diese Zeit freut. Eine ganze Reihe von Dingen kommen ihm in den Sinn, die er in Zukunft tun möchte: Mehr Zeit mit seinen beiden Enkelkindern verbringen, sich mit der Natur beschäftigen, mit seiner Frau wandern gehen, Fahrrad fahren, im Garten werkeln, fotografieren. Auch seine bisherigen Seminartätigkeiten zu den Themen Trauerbewältigung, Stressbewältigung und Meditation oder die von ihm geleiteten Fastenwanderungen will er nicht völlig aufgeben. Nur macht er all’ diese Dinge eben dann, wenn er Lust dazu hat und nicht, wenn es der Terminkalender vorschreibt. „Ich werde mich zu nichts mehr verpflichten“, ist sich Huber sicher. Natürlich bleibe er vielen Menschen aus dem Roten Kreuz persönlich verbunden und werde sich auch weiterhin mit ihnen treffen, „vielleicht in meinem eigenen ‚Biergarten’ unterm Kastanienbaum.“ Rückblickend kann der Stoffener mit seiner 32-jährigen Geschäftsführertätigkeit sehr zufrieden sein: Als er am 1. April 1978 den Posten von seinem Vorgänger Ludwig Gasteiger übernimmt, ist der Kreisverband mit dem Krankentransport und seinen 15 hauptamtlichen Mitarbeitern noch recht überschaubar. „Inzwischen haben wir 150 Hauptamtliche und über 1000 ehrenamtliche Mitarbeiter“, verdeutlicht Huber die Entwicklung. Ob beispielsweise ambulanter Pflegedienst, betreuter Fahrdienst, Essen auf Rädern, Hausnotruf, betreutes Wohnen, die beiden Kleiderläden in Landsberg und Kaufering oder der Blutspendedienst – das alles sind Einrichtungen, die sich neben dem Rettungsdienst im Laufe der Jahre unter Hubers Führung etabliert haben. Huber war es auch, der 1989 in Weil erstmals in ganz Bayern einen Kindergarten unter die Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes stellte. „Das war ein Meilenstein“, so Huber. Mittlerweile gibt es im Landkreis sechs, bayernweit an die 100 BRK-Kindertagesstätten. „Es ist eigentlich alles richtig gelaufen. Von der Grundtendenz her würde ich nichts anders machen.“ Mit Begeisterung erzählt er von seiner Arbeit, die oftmals weit über 40 Stunden in der Woche hinausging. „Ich habe oft nächtelang konzipiert, gerechnet. Aber es hat sich gelohnt und es war eine Sinn bringende Aufgabe.“ Eine Aufgabe, für die seine Frau, die als Altenpflegerin noch ein Dreivierteljahr länger als ihr Mann arbeiten muss, stets Verständnis aufgebracht hat. „Wenn die Familie nicht mitzieht, kann man das nicht lange machen.“ Zwei Phasen Seine berufliche Zeit beim Roten Kreuz würde Anton Huber in zwei Phasen einteilen: in die ersten 15 Jahre der Aufbauarbeit und die Jahre danach, in der er sich mehr und mehr mit dem zunehmenden Bürokratismus herumschlagen musste. „Die eigentliche Geschäftsführertätigkeit, man macht Projekte und setzt sie um, war in den letzten Jahren fast nicht mehr möglich.“ Trotzdem gab es für ihn während dieser ganzen Zeit keine beruflichen Tiefs. Privat mussten Anton Huber und seine Familie jedoch 1989 einen herben Schicksalsschlag verkraften: Der jüngere der beiden Söhne verunglückte mit 18 Jahren tödlich bei einem Verkehrsunfall. „Das hat bei mir eine schwere Lebenskrise ausgelöst, die sich natürlich auch be­- ruflich ausgewirkt hat“, erzählt der 61-Jährige. Aber er habe das Glück gehabt, dass er während dieser Zeit in seiner Arbeit vom Vorstand und den Mitarbeitern mitgetragen worden sei. Das ist auch im vergangenen Jahr der Fall gewesen, als er wegen einer schweren Rückenmarkserkrankung vier Monate pausieren musste. „Es fällt mir sicher nicht leicht, den Stab aus der Hand zu geben. Aber die Krankheit hat mir den Weg gewiesen“, begründet er seinen Entschluss, vorzeitig den Stuhl zu räumen. Nachfolger offen Wer ab 1. Februar 2011 seine Nachfolger antritt, das wird sich zeigen: Die Bewerbungsfrist endet am 10. September, entscheiden wird der Vorstand unter dem Vorsitz des ehemaligen Landsberger Oberbürgermeisters Franz-Xaver Rössle. Anton Huber darf sich aber beratend bei der Auswahl einbringen. Was er seinem Nachfolger mit auf den Weg geben will? „,Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann. Er gebe mir die Kraft und den Mut, das zu verändern, was veränderbar ist und er gebe mir letztlich die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.’ Darin steckt für mich der Kern allen Tuns“, sagt Huber.

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