Fisch des Jahres 2013

Dem Forellenbestand auf die Sprünge helfen

+
Fischzüchter Stefan Sanktjohanser aus Sandau zeigt, wie der Laich jeder einzelnen Bachforelle abgestreift werden muss, um sie zu züchten und so die Art zu erhalten.

Landsberg – Unspektakulär klingt der Fisch des Jahres 2013: die Forelle. Die kennt doch jeder – und dennoch würde es die Forelle heute fast nicht mehr geben, wären da nicht die Fischzüchter. Stefan Sanktjohanser von der Zucht „Sandau Forellen“ ist einer von ihnen.

Sanktjohanser kümmert sich in seinem traditionellen Familienbetrieb darum, dass Bach-, Regenbogen- und Seeforelle noch immer in den bayerischen und deutschen Gewässern zuhause sind. In der Sandauer Fischzucht fließt überall direktes Quellwasser, wie in einem richtigen Bach. „Das Wichtigste ist sauberes Wasser“, erklärt Stefan Sanktjohanser. Und das Wasser müsse immer fließen, denn sonst können sich die Forellen nicht fortpflanzen – genau da liege auch das Problem. Die natürlichen Gewässer sind von Menschenhand angestaut worden und fließen nicht mehr richtig. Dadurch verschlammen sie und es gibt keinen Kies mehr, in den die Fische die Gruben für die Eier graben können. „Es fehlt ihnen in freier Natur oft das natürliche Laichhabitat“, erklärt der Fischzüchter.

Keine Fortpflanzung

Zwar können die Forellen etwa im Lech überleben, allerdings können sie sich dort eben nicht fortpflanzen. Daher kaufen Fischereivereine den Besatz vom Züchter und setzen ihn aus. „Ohne die Fischzüchter gebe es in Bayern die Bachforelle nicht mehr“, betont Sanktjohanser. Obwohl jeder in Deutschland die Forelle kenne, sei es gut, dass der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) die Forelle in Abstimmung mit dem Deutschen Angler Verband (DAV), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und auch zusammen mit dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz zum Fisch des Jahres gekürt hat und damit auf das Problem aufmerksam macht.

Forellen: Überleben ja, fortpflanzen nein

Vom Ei bis zur geräucherten Forelle bietet die Sandauer Fischzucht alles an. Um 1890 gründete Sanktjohansers Urgroßvater den Betreib, der seither in Familienbesitz geblieben ist. Bei etwa acht bis neun Grad plus leben die Forellen in Bächen, dort pflanzen sie sich allerdings nicht fort. Jede Woche kontrolliert Sanktjohanser die einzelnen Fische und wenn die Bachforelle bereit ist zum Laichen, wird sie von Hand abgestreift.

Nur einmal im Jahr kann die Forelle laichen, der Zeitraum ist etwa von November bis Anfang Januar. „Wir sind pünktlich zum Jahresbeginn mit dem Abstreifen fertig geworden“, sagt Sanktjohanser. „Erst kommen die Eier in einen Behälter, dann die Samen und danach wird alles mit frischem Wasser vermischt“, erklärt er. Durch das Wasser quillen die Eier auf und werden hart. „Das ist dann das Zeichen, dass die Befruchtung stattgefunden hat.“

Sortieren per Maschine

Über eine Millionen Eier kommen pro Jahr ins Bruthaus. Nach dem Abstreifen bleiben etwa 45 Minuten Zeit, um Eier und Samen zu vermischen, anschließend kommen die Eier in spezielle Gläser und dürfen drei Wochen nicht mehr bewegt werden – nur das Wasser fließt durch die Behälter von unten nach oben. Dadurch wird die natürliche Bewegung eines Baches dargestellt. Nach dieser Zeit sieht man bei den bei den befruchteten Eiern kleine schwarze Punkte, die sogenannten Augenpunkte. Bleiben die Eier weiß, sind sie nicht befruchtet worden und werden von einer speziellen Maschine aussortiert. „Die weißen Eier müssen raus, weil sie verpilzen und sonst die befruchteten Euer auch befallen würden.“

Erst der Dottersack

Nach weiteren drei Wochen schlüpfen die winzigen Forellen. Sie ernähren sich noch eine Zeit lang von ihrem Dottersack, dann werden sie bereits vom Züchter gefüttert. „Das Forellenbrutfutter besteht aus tierischem Eiweiß“, erklärt Sankt­- johanser, denn in freier Wildbahn ernähren sich die Tiere ebenso eiweißreich, etwa durch Insekten, Bachflohkrebse und Larven. „Große Forellen sind auch räuberisch und fressen kleinere Fische.“ Janina Bauch

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
80 Schafe verenden bei Stallbrand
80 Schafe verenden bei Stallbrand
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare