Ohne Not Schilf zerstören?

Das Schilf am Festplatz zugunsten eines freien Blickes auf den See zu mähen hat Edgar Maginot (CSU) im Rahmen der Haushaltsdebatte angeregt. Die Verwaltung will dies bis Montag klären. „Ohne Not wollen wir nicht den intakten Schilfgürtel zerstören“, stellt Werner Steinbach von der Unteren Naturschutzbehörde im Landrats­- amt auf Anfrage des KREISBOTEN bereits jetzt wenig Aussicht auf Genehmigung. Die Forderung aus Dießen zeuge von einem „gewissen Unverständnis gegenüber der Bedeutung der Natur“.

Hintergrund: Die Neugestaltung der Dießener Festwiese und die Errichtung eines Seepodestes werden auf die lange Bank geschoben. Kostenpunkt: 275000 Euro, wovon 123.000 Euro aus dem Konjunkturpaket geflossen wären. Die Marktgemeinde muss erst das Problem mit den Altlasten auf dieser Flä­che klären – einer ehemalige Hausmülldeponie. Grundsätzlich sei die Schilfmahd kein Problem, gibt Werner Steinbach Auskunft über die Rechtslage. Gemäht werden darf zwischen 30. September und 1. März, in der übrigen Zeit ist es schon nach dem bayerischen Naturschutzgesetz verboten, Rohr- und Schilfbestände einzukürzen. Längst besprochen Steinbach reagiert überrascht auf die Anfrage, denn die Behörde habe sich bereits bei der großen Besprechung für die Seeanlagenplanung negativ über das Thema geäußert. Nachdem sich der Schilfgürtel auf Staatsgut befindet, müsste zwar die Schlösser- und Seen- ver­waltung Grünes Licht geben. Sie werde dies aber gewiss zuvor mit den Fachbehörden ab­­klären. Das Thema werde noch zurückhaltend behandelt, so Steinbach, „aber wir sind uns relativ sicher, dass die Schlösser und Seenverwaltung unserer Empfehlung folgt”. Hauptargument ist für den Behördenvertreter der Schutz des Schilfbestandes, der am Ammersee um rund 90 Prozent zurückgegangen sei. Steinbach bezieht sich dabei auf eine Untersuchung für den Zeitraum 1963 bis 1992. Zwischen dem Naturschutzgebiet Seeholz und dem Ammersee-Südufer gebe es nur mehr drei größere, zusammenhängende Schilfflä­chen, die schützenswerten Lebensraum auch für viele Vögel bieten. Es sei zu befürchten, dass diese Stelle nach einer Mahd von Besuchern betreten würde und sich unter Umständen zu einer Badestelle entwickeln würde. Dies würde dann wieder den Zwang einer Einzäunung der Fläche nach sich ziehen. Ein Vergleich mit dem gemähten Schilfbereich in Schondorf könne nicht gezogen werden, da dort eine befestigte Ufermauer vorhanden sei, die man zunächst überwinden müsse. Laut Steinbach ist die Nachbargemeinde angewiesen wor­den, höchstens alle zwei Jahre zu mähen – und zwar schonend. Hügel statt Podest Steinbach schlägt vor, anstelle des teuren Podestes – er ist im Haushaltsansatz mit 97000 Euro berücksichtigt – einen begrünten Aussichtshügel – eventuell mit Handlauf – anzulegen. Dieser sei dann beim anstehenden Aufbaggern der Altlastenfläche ebenso schnell und unproblematisch wieder zu be­- seitigt und zudem „wartungsfrei“. Zumindest solle man eine deutlich höhere Lösung als die geplante anstreben, diese müsse ja nicht so aufwendig werden, wie der neue Aussichts­turm des Landratsamtes im Moos. Grundsätzlich sei aber auch an dieser Stelle ein Heranführen des Besuchers an die Natur wünschenswert.

Auch interessant

Meistgelesen

Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Hoher Schaden, keine Beute
Hoher Schaden, keine Beute

Kommentare