Ohne Warteliste – 10 Jahre Psychiatrische Tagesklinik in Landsberg

Psychiatrische Tageskliniken sind ein Erfolgsmodell. Die Behandlungszeiten sind kürzer, die Patientenzufriedenheit höher; auch haftet ihnen nicht das gleiche Stigma an wie der vollstationären Psychiatrie. Das berichtete Prof. Thomas Kallert aus Leipzig, der am Freitag als Festredner zur Feier des zehnten Jubiläums der Psychiatrischen Tagesklinik des Bezirks Oberbayern ans Landsberger Klinikum gekommen war. Bezirkstagspräsident Josef Mederer war sich sicher: Die Entscheidung, mit der Psychiatrie „in die Fläche zu gehen“, war richtig.

Damals konzentrierte sich das therapeutische Geschehen auf wenige zentrale Einrichtungen, wie etwa München-Haar. Im Zuge der Dezentralisierung eröffnete vor zehn Jahren die Landsberger Tagesklinik ihre Räumlichkeiten am Danziger Platz, bevor sie 2002 in den fünften Stock des Klinikums umzog. Die Ärzteschaft habe das damals nicht gern gesehen, erinnerte sich Landrat Walter Eichner, seinerzeit Geschäftsführer des Krankenhauses. „In der Presse hieß es sogar, die Gundstückspreise im Landsberger Westen würden fallen, wenn die Psychiatrie kommt.“ Rückblickend bewertete Eichner diese Zeit als „spannend und lehrreich“. Gute Atmosphäre Gerald Niedermeier, Geschäftsführer der Tagesklinik, lobte den hervorragenden Umgang zwischen Mitarbeitern und Verantwortlichen. Die gute Atmosphäre wirkt sich offenbar auch auf die Patienten aus: 92 Prozent würden die Einrichtung weiterempfehlen, berichtete Niedermeier. Die Erfolgsgeschichte psychiatrischer Tageskliniken belegte Kallert mit handfesten Zahlen: Von 1982 gerade mal 53 Einrichtungen in den alten Bundesländern sei ihre Zahl bis 2001 auf 406 im gesamten Bundesgebiet gestiegen. Mit 37 verschiedenen Therapieformen biete das Modell Tagesklinik ein „Riesenspektrum an Behandlungsmöglichkeiten“. Unter den Patienten sei es vor allem die Gruppe der Frauen mit besserer Ausbildung, die sich hier am besten aufgehoben fühlen. Auch Pflegedirektorin Susanne Jost beobachtet bei den Patienten eine zunehmende Abneigung gegen stationäre Behandlung. Stattdessen legten sie mehr Wert auf Selbstbestimmtheit, Autonomie und Transparenz. Gleichzeitig kritisierte Jost das in der Öffentlichkeit vorherrschende falsche Bild von psychischen Erkrankungen. „Es handelt sich dabei nicht um Befindlichkeitsstörungen, die allein mit Zuwendung und Verständnis kuriert werden können.“ Depressionen nehmen zu Dr. Robert Kuhlmann, ärztlicher Direktor der Tagesklinik, nannte als deren Hauptaufgabe die Intensivbehandlung von ehemaligen ambulanten Patienten sowie von Genesenden, die nach einem stationären Klinikaufenthalt auf die Entlassung vorbereitet werden. Dabei stehe die Tagesklinik jedem mit entsprechendem Krankheitsbild offen. „Wir führen keine Wartelisten und auch keine hochselektiven Aufnahmegespräche“, so Kuhlmann. „Uns geht es darum, ob wir den Erwartungen der Patienten entsprechen, und nicht umgekehrt.“ Mittlerweile kommen drei Viertel der Erkrankten wegen Depressionen in die Landsberger Klinik – ein starker Anstieg von den 27 Prozent Depressiven im Jahr 1999. Die Zahl der Schizophrenen sank in der gleichen Zeit von 33 auf ein Prozent.

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