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Oide Wiesn mit Wettmelken und Bulldogs

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Von: Ulrike Osman

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Erfordert einen kräftigen Händedruck: Wettmelken am Gummi-Euter auf der Oidn Wiesn, kommentiert von Moderator Roland Balzer (Mitte).
Erfordert einen kräftigen Händedruck: Wettmelken am Gummi-Euter auf der Oidn Wiesn, kommentiert von Moderator Roland Balzer (Mitte). © Osman

Landsberg – Aus dem Festzelt weht Blasmusik auf den Hellmair-Platz, vor den Essensständen bilden sich Schlangen. Langsam dreht sich ein Kinderkarrussell, am Hau-den-Lukas wird der Hammer geschwungen. Es ist Volksfeststimmung in der Altstadt bei der vierten Oiden Wiesn. Dreimal hatte sie stattgefunden, dann musste sie coronabedingt drei Jahre lang pausieren. Am vergangenen Sonntag war das von der VR-Bank Landsberg-Ammersee in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband (BBV) veranstaltete Fest ein Publikumsmagnet wie eh und je.

Man freue sich darüber, wie gut die Oide Wiesn wieder angenommen werde, so VR-Bank-Vorstandsmitglied Martin Egger. Gerade hat er sich auf der Bühne im Festzelt beim Wettmelken versucht – außer Konkurrenz, denn hier sollen sich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister messen. Es geht darum, aus einem Gummi-Euter so viel Wasser herauszudrücken wie man in einer Minute schaffen kann. Auch die Landsberger Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl beteiligt sich und stellt hinterher fest: „Es ist deutlich anstrengender als es aussieht. Man braucht schon Kraft in den Fingern.“ Dass sie als kleines Mädchen mal eine echte Kuh melken durfte, habe ihr nicht geholfen.

Als Sieger erntet schließlich der Iglinger Bürgermeister Günter Först mit 620 Millilitern nicht nur Applaus, sondern auch den ersten Preis – 300 Liter Bier für das nächste Dorffest in seiner Gemeinde. Först als studierter Landwirt kommt in punkto Melken ebenso „aus der Champions League“ (Balzer) wie Kreisbauernobmann Johann Drexl und Kreisbäuerin Marlies Dirr, die bei dem Spaß ebenfalls außer Konkurrenz mitmachten.

Unter den Platzierten schaffte es Gerhard Schmid aus Apfeldorf mit 460 Millilitern auf Platz zwei. Siegfried Weißenbach aus Finning und Andreas Braunegger aus Denklingen teilten sich mit je 400 Millilitern den dritten Platz.

Vor und nach den Wettkämpfen sorgten diverse Blaskapellen im vollen Festzelt für Stimmung. Es spielten die Stadtjugendkapelle Landsberg, die Musikkapelle Schöffelding und die Trachtenkapelle Scheuring. Trachtengruppen und Goaßl­schnalzer ließen bayerisches Brauchtum lebendig werden. Als kulinarische Besonderheit hatten die Veranstalter neben Speisen von regionalen Direktvermarktern eine Ochsenbraterei engagiert. Für den Nachtisch sorgten die Landfrauen mit vielen selbstgebackenen Kuchen, deren Verkaufserlös gespendet werden soll.

Mit Schwung: Hau-den-Lukas auf dem Hellmair-Platz bei der Oiden Wiesn.
Mit Schwung: Hau-den-Lukas auf dem Hellmair-Platz. © Osman

Draußen vor dem Festzelt durfte sich jeder, der Lust hatte, im bayerischen Mehrkampf versuchen, bestehend aus den Disziplinen Wettnageln, Wettmelken und Hau-den-Lukas. Hüpfburg, Kinderkarrussell, Kinderschminken, Flechtfrisuren und Pony-Kutschenfahrten boten reichlich Abwechslung für die jüngsten Besucher.

Die VR-Bank unterstreicht mit Veranstaltungen wie dieser auch ihre Verbundenheit mit der Landwirtschaft, denn aus ihr sind die Raiffeisenbanken einst entstanden. Die heutige VR-Bank geht zurück auf einen Darlehenskassenverein, der 1886 in Eresing gegründet wurde.

Zu jener Zeit dienten die Genossenschaften vor allem dazu, Kapital für die Bauern bereitzustellen. In der Zeit von Industrialisierung und technischem Wandel, schnellerem Verkehr und stärker werdendem Wettbewerb drohten die Landwirte das Nachsehen zu haben, weil vielen das Geld für Investitionen fehlte. Mancher ließ sich auf Wucherer ein, verpfändete Haus und Hof und verlor seine Existenz. Genossenschaften wie der in der Gaststube einer Eresinger Wirtschaft gegründete Darlehenskassenverein erhoben die Selbsthilfe zum Leitprinzip und brachten so die Wende.

Alt neben Neu: Nostalgische und moderne Landmaschinen auf dem Hauptplatz in Landsberg während der Oiden Wiesn.
Alt neben Neu: Nostalgische und moderne Landmaschinen auf dem Hauptplatz. © Osman

Der technische Wandel innerhalb der Landwirtschaft war am Sonntag auf dem Hauptplatz zu besichtigen. Vor der Kulisse des historischen Rathauses standen modernste Landmaschinen neben Fahrzeugen aus dem letzten Jahrhundert. Geradezu fragil nahmen sich die wenige PS starken Traktoren aus den 1950er Jahren neben den heutigen Zugmaschinen aus. Sie bringen es auf gut 200 PS, lotsen den Fahrer via GPS übers Feld, erleichtern die Arbeit in der Landwirtschaft und sorgen für bessere Erträge.

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