"Leichtfertige Feldversuche"

Online-Petition will 5G-Ausbau in Dießen verhindern - die Reaktion der Gemeinde

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Wie schädlich ist 5G? Eine Initiative in Dießen wehrt sich mittel Online-Petition gegen den Ausbau zur sogenannten „Smart-City“.

Dießen – Für die einen ist 5G Fortschritt, für die anderen ein Monster. Bisher gibt es keine anerkannten Studien, die 5G als gesundheitsschädlich deklarieren. Die „Bürger Initiative Lebenswertes Dießen“ geht dennoch von einem Gesundheitsrisiko aus. Sie hat nun Bürgermeister Herbert Kirsch die Unterschriften einer Online-Petition gegen das „Szenario Smart City Dießen“ vorgelegt.

„Lebenswertes Dießen beehrt sich, Ihnen, werter Herr Bürgermeister, die 3.510 Unterschriften (...) zu überreichen“, ist im Anschreiben der Initiative an Kirsch zu lesen. Die Hauptsorgen der Unterzeichner: 5G diene dazu, die Bürger auszuspionieren. Und es sei gesundheitsschädlich, weshalb die Initiative eine Beweisumkehrung verlangt, also die wissenschaftliche Bestätigung, dass 5G nicht gesundheitsschädlich ist. „Leichtfertige Feldversuche an der Gesamtpopulation sehen die Menschenrechte nicht vor.“

In ihrem aktuellen Anschreiben fordert die Initiative Bürgermeister Kirsch konkret auf, offenzulegen, „ob Ihnen oder der Verwaltung für die Einführung von 5G in Dießen Gelder von Industrie oder Regierung angeboten wurden“. Insgesamt bestehe man auf „das Recht jedes Menschen auf einen analogen Wasserzähler“ sowie auf den sofortigen Ausbaustopp zu Smart City.

Bekannt ist die Initiative bereits von ihrer Ablehnung gegenüber den Funkwasserzählern im Jahr 2018, als sie 5.000 Flugblätter in die Dießener Briefkästen verteilte. Dabei kritisierte sie den „unrechtmäßigen Einbau von mehr als 3.000 Funkwasserzählern, da keine „rechtmäßige Wassersatzung“, die dem Datenschutz genüge, vorliege. Insgesamt würden in Dießen Kritiker von Smart City „systematisch eingeschüchtert“, eine öffentliche Diskussion solle offensichtlich verhindert werden, weshalb „im Ort eine merkwürdige Atmosphäre der Beklemmung und Apathie“ herrsche.

Antwort der Gemeinde

Jetzt hat die Marktgemeinde Dießen auf die Einreichung der Unterschriften geantwortet – mit eher kritischen Worten: Der von der Initiative gesandte Brief sei nicht unterzeichnet, es gebe keinen namentlich genannten Vertreter. Antworten könne man nur an eine Postfachadresse schicken.

Die Gemeinde könne eventuelle gesundheitliche Bedenken gegenüber 5G nachvollziehen, aber ohne Ansprechpartner werde man auf das Anschreiben der Initiative nicht reagieren.

Der ausschlaggebendste Aspekt gegen die Petition von „Lebenswertes Dießen“ liegt für die Gemeinde allerdings in der Herkunft der Unterzeichner: Von den 3.510 genannten Unterzeichnern seien rund 3.200 nicht in Dießen, sondern in der gesamten Bundesrepublik wohnhaft, „von Freiburg über Eckernförde, Berlin und Leipzig“. Und schließlich sei die Petition offensichtlich auf die Initiative eines Vereins aus Hessen entstanden, „Weisse Zone Rhön e.V.“, der zugleich zu Spenden an ihn selbst aufrufe. Der Verein setzt sich unter anderem gegen Funkwasserzähler und für mobilfunkstrahlungsarme Zonen für elektrosensible Menschen ein.

Aber auch die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Initiative stellt die Marktgemeinde Dießen in ihrer Antwort infrage: „Auf der Internetseite der Kampagne werden Behauptungen aufgestellt, die teilweise – man muss es leider so deutlich sagen – so absurd sind, dass sich eine Beschäftigung für uns damit schon aus ökonomischen Gründen verbietet.“

Denn die Online-Petition der Initiative, die auch gerne auf esoterischen Internetseiten wie www.geistblog.org verlinkt wird, beruft sich oft auf Aussagen und Artikel der Umwelt- und Verbraucherschutz-Organisation „diagnose:funk“. Deren wissenschaftliche Seriosität wird aber stark angezweifelt oder zumindest als einseitig bezeichnet. Unter anderem, da viele Mitglieder eher in Literatur, Astrologie oder anderen nicht naturwissenschaftlichen Fachgebieten zuhause sind.

Stand der Forschung

Dass Hochfrequenzstrahlung wegen des Erwärmungseffekts gesundheitsschädlich ist, bestätigt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Deshalb gebe es jedoch Grenzwerte, die bei Einhaltung vor Gesundheitsschäden schützen. Zudem laufe eine Studie zur Belastung durch 5G-Masten. Der aktuelle Kenntnisstand lege aber nahe, dass die 5G-Strahlung die Grenzwerte nicht übersteige. Die International Agency for Research on Cancer der WHO stuft Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein. In der gleichen Kategorie (2B) ist auch beispielsweise Kaffee zu finden. Es gibt begrenzte Hinweise aus Tierversuchen auf diese Wirkung, die jedoch nicht ausreichen, um sie als krebserregend zu deklarieren. Wissenschaftlich bestätigt ist die Wirkung also nicht und wird deshalb vom BfS nicht bestätigt. Auch gesundheitliche Studien zur Langzeitwirkung, laufen. Bisher existiert jedoch kein wissenschaftlich akzeptierter Beweis dafür, dass elektromagnetische Wellen beispielsweise Krebs auslösen. Dennoch rät das BfS, für den Umgang mit Handys generell die Strahlung direkt am Kopf zu minimieren, beispielsweise durch Head-Sets. Das gilt jedoch für alle bisherigen Handystandards, nicht exklusiv für 5G.
Dieter Roettig/Susanne Greiner



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