"Flieg, Gedanke" – Ruf nach Freiheit

"Nabucco" füllt den Landsberger Hauptplatz

1 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
2 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
3 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
4 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
5 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
6 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
7 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.
8 von 33
Geschätzte 2.000 Zuhörer versammelten sich gestern Abend auf dem Hauptplatz, um „Nabucco zu lauschen.

Landsberg – Eine opulente Kostümoper, bunt, mit dem berühmtesten aller Verdi-Chöre – dem zum Mitsingen einladenden „Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht“. Auf italienisch „Va, pensiero, sull’ali dorate“. Summen Sie die ersten zwei Wörter in einer absteigenden Tonfolge, das „Va“ punktiert, das „pen“ als Sechzehntel, setzten Sie dann die Betonung auf das e von „siero“ … und schon ist er da: der Gefangenenchor aus Nabucco. Am gestrigen Montagabend war er auf dem Hauptplatz gleich zweimal zu hören: Am Ende des dritten Aktes – wo er hingehört – und als Zugabe, die sich die rund 2.000 Zuhörer erklatschten.

Oper scheint zu gefallen. Schon kurz nach 19 Uhr waren von den 560 Stühlen kaum mehr welche frei. Weshalb die restlichen Zuschauer Campingstühle, Klappstühle, Hocker und auch ganze Bänke auf den Hauptplatz transportierten, um es sich bis hoch zum Schmalzturm für die bevorstehnde Aufführung gemütlich zu machen. Insgesamt herrschte eine entspannte Stimmung. Zuspätkommen war erlaubt. Und ein Schwätzchen hie und da ebenso. Gut zwei Stunden dauerte die Aufführung – und es hätte nicht viel länger sein dürfen. Nicht was die Musik anging: Da hätte das Publikum den Gefangenenchor sicher gerne noch ein drittes Mal gehört. Aber das Wetter wäre dazwischen gekommen: Viel von Anfang bis Ende kein Tropfen, öffnete 15 Minuten nach Schluss der Himmel seine Schleusen.

Organisiert hatte die Aufführung des Veranstalters Kulturgipfel GmbH das Veranstaltungsmanagement der Stadt Landsberg. Einmal im Jahr werden Mittel für ein Großereignis gestellt. War es letztes Jahr die Bayern-3-Radeltour, entschied man sich diesmal für Klassik – bei freiem Eintritt. Spenden wurden gerne entgegengenommen: für den neuen Flügel im Rathaus. Als Dank gab’s für die Spender einen Hammerkopf samt Stiel eines ausgedienten Flügels.

Die Handlung von Nabucco hat wohl alles, was ein Drama braucht: Im sechsten Jahrhundert vor Christus gibt es Krieger in diversesten Kostümen, ein Glaubensstreit und noch eine Liebesgeschichte mit Happy End. Es geht um das jüdische Volk, das sich aus der Gefangenschaft der Babylonier befreit. Und um Nabucco, den babylonischen König, der wegen extremer Selbstüberschätzung wahnsinnig wird und erst durch die Bekehrung zum hebräischen Gott wieder gesundet. Ursprünglich hieß Verdis Oper Nabucodonosor, der italienische Name des Babylonierkönig Nebukadnezer. Eindeutig zu sperrig. Weshalb daraus nach zwei Jahren schließlich Nabucco wurde.

Librettist der Oper ist Temistocle Solera. Und der packte in die Oper so viel Handlung und massenweise Ensembleszenen hinein, dass einem fast schwindlig wird. Was aber wohl auch den Reiz dieser „actionreichen“ Oper ausmacht. Der Legende nach soll Verdi das Libretto direkt bei dem „fliegenden Gedanken“ des Gefangenenchores aufgeschlagen haben – und sofort Feuer und Flamme für den Stoff gewesen sein. Nicht ohne Änderungswünsche an Solera. Die Verdi aber angeblich erst durchdrücken konnte, nachdem er sich mit Solera in einem Zimmer eingeschlossen hatte.

Bei ihrer Erstaufführung 1842 an der Mailänder Scala schlug Nabucco gleich ein. Sie begründet Verdis Berühmtheit, ist Anfangspunkt seiner „Galeerenjahre“, in denen er zahlreiche weitere Opern komponieren wird. Und die Oper beendet Verdis Schicksalsjahre zuvor, in denen er seine zwei Kinder und seine Frau verlor. Der Gefangenenchor mit seiner eingängigen, pathetischen und schlichten Melodie entwickelte sich zu einer Hymne des Widerstands. Denn die Italiener verstanden sich damals als unterjochtes Volk, erst durch Napoleon, danach durch Österreich. Aufstände waren die Folge.

Das Ensemble der Venezia Festival Opera sowie die Solisten zauberten Opernstimmung auf den Hauptplatz. Insbesondere Nabucco, Fenena und Abigaille begeisterten. Die musikalische Leitung hatte Nayden Todorov, dessen Orchester links von der Bühne in einem Extra-Zelt untergebracht war. Für die künstlerische Leitung zeichnete Andrey Andreev verantwortlich. Auch wenn es dem einen oder anderen vielleicht ein bisschen zu kunterbunt im Jerusalemer und Babylonischen Bühnenbild zuging: Die Musik stimmte. Und ließ rund 2.000 Zuhörer im Viervierteltakt des „fliegenden Gedanken“ erschauern.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Landwirtschaft im Fokus der Landsberger Fotogruppe
Landwirtschaft im Fokus der Landsberger Fotogruppe
Landkreis favorisiert kommunalen Zweckverband mit staatlicher Beteiligung
Landkreis favorisiert kommunalen Zweckverband mit staatlicher Beteiligung
Neue Ideen zum Thema Schulbegleitung sind gefragt
Neue Ideen zum Thema Schulbegleitung sind gefragt
Zauber-Kabarettist Thomas Fröschle begeistert im Theaterfoyer
Zauber-Kabarettist Thomas Fröschle begeistert im Theaterfoyer

Kommentare