Museum, Musik und Glitterherzen

Entspannt und lässig: „Live im Park“ am Mutterturm

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Viele Leute und entspannte Stimmung am Herkomer Museum: Das kleine Sommer-Open-Air „Live im Park“ mit Fieni und „Keep it High“.

Landsberg – Das Wort „Park“ lässt Bilder entstehen. Anlagen mit gestutzten Hecken in Schwanenform und „Betreten verboten“-Schildern. Oder hohe Bäume, im Blätterschatten grüne Wiesen, auf denen Menschen den lauschigen Abend samt Sternenhimmel genießen. Der Herkomer-Park am Mutterturm schwebt dazwischen. Zumindest bisher. Am Freitagabend hat er seine Bestimmung gefunden: Bei „Live im Park“ verwebten sich Musik mit Stimmengemurmel, Zuhörer fläzten auf dem Grün, Kinder spielten – Idylle pur. Oder anders gesagt: ein Park, der sich mit Leben füllt.

Auf dem Rasen liegen noch die Glitterherzen der Hochzeit am Nachmittag. Dazwischen sind bereits einige Decken ausgebreitet. Versiertere haben Campingstühle dabei. Eine Gruppe beschlagnahmt die Bank im hinteren Teil, samt Campingtisch. Es ist lau und himmelblau, die Musik, noch aus der Konserve, Abba-lastig. Alle sind tiefenentspannt – die idealen Voraussetzungen für das von den Städtischen Museen organisierte kleine Sommer-Open-Air „Live im Park“ mit zwei Bands, Getränkeausschank, fünf Biertischen und einer großen Wiese.

„Wir wollen den Park beleben, entspannt aufs Wochenende einstimmen“, sagt Regina Kaiser von den Städtischen Museen. „Und jungen Bands eine Möglichkeit zum Auftritt geben.“ Das Herkomer Museum soll ebenso präsentiert werden – und ist deshalb auch bis 20 Uhr geöffnet. Sogar das Café schenkt bis zum Ende der Veranstaltung aus. Jeden ersten Freitag in den Sommermonaten soll der Event stattfinden. Aber nur bei schönem Wetter – weshalb „Live im Park“ Nummer eins im Juli dem Regen weichen musste. Diesmal spielt der Wettergott mehr als mit.

Kaiser und ihr Mann sind Musiker. Um den Geschmack der Jugend zu treffen, haben sie gemeinsam mit Matthias Faber, Leiter des Jugendzentrums, die Bands ausgewählt: die 23-jährige Fieni und die Zweiercombo „Keep it High“.

Fieni füllt mit leicht rauchiger Fiona-Apple-Stimme und Eigenkompositionen den Park. Bei ihr Julian Wiedemann an der Gitarre. Die spielt auch Fieni selbst, manchmal begleitet sie sich am E-Piano. „Um die Dreiviertelstunde zu füllen, musste ich drei Coversongs dazunehmen“, sagt sie nach dem Konzert. Einer davon „New York, New York“, in einer leicht verjazzten Interpretation. Bei den eigenen Songs überzeugen sowohl die schnelleren als auch die Balladen. Besonders gut steht ihrer Stimme das Klavier. Im wirklichen Leben heißt sie Aileen Täuber, studiert im dritten Semester in Augsburg. Aufgewachsen ist sie in Landsberg, hat sich dort die Gitarre vom Papa geschnappt und geübt. Vor Publikum tritt sie seit zwei Jahren auf, Straßenmusik, Open Stages, auch im JuZe. „Und Ende des Jahres will ich eine EP rausbringen, samt Video.“

„Keep it High“, das sind Felix Kohlscheen und Nico Schestak, beide aus Landsberg, beide mit Gitarre. Auch sie haben eigene Songs, teilweise leicht angerappt, Texte auf Deutsch und Englisch. Ein paar Cover sind aber bei ihrem Programm zu finden – „Folsom Prison Blues“ als Hommage an Landsbergs Country-Star, ein Tribut an Ed Sheeran und auch Österreich ist mit „Ham kummst“ von Seiler und Speer vertreten. Auch wenn die Töne nicht ganz sitzen, die Stimmung passt. Sogar als der Strom ausfällt: Felix packt sich einfach das Mikro und wandert ein bisschen aus dem leichten Abseits der Bühne unters Publikum.

„Das Problem Strom hatten wir auch schon beim Flohmarkt“, erzählt Kaiser. Woran es liegt wissen sie nicht, obwohl nach dem Flohmarktausfall sogar der Elektriker da war. Aber sobald die Parkbeleuchtung angeht, geht nichts mehr. Obwohl eigentlich 3.000 Watt da seien, „und die Lichter hier sind alle LEDs“.

Das andere kleine Problem: Die Bühne steht etwas im Abseits: am hinteren Ende des Parks, neben dem Toilettenhäuschen. Schuld daran ist wie so oft der Brandschutz: „Wir müssen vor dem Mutterturm eine vier Meter breite Zufahrt für die Feuerwehr freilassen. Und auch garantieren, dass die Kurven nicht zu eng sind.“ Bänke vor dem Mutterturm aufstellen? Ein No-Go.

Aber egal. Insgesamt funktioniert das Konzept hervorragend: ein runder Event mit leichtem Improvisationscharakter, passend zum unaufgeregten Ambiente. Zum Konzertbeginn ist die Generation 30 Plus schon vertreten. Und gegen später kommen auch die Jüngeren ab 18. Die gehen eben nicht schon um acht weg. Das Konzert später starten lassen? Dagegen spricht natürlich die Nachtruhe. Obwohl, im Moment wohnt ja noch niemand in direkter Nachbarschaft.

Das nächste „Live im Park“ – und das letzte für dieses Jahr – gibt’s am 7. September. Um 20 Uhr spielt das Kauferinger-Kaufbeurer Singer-Songwriter-Duo „Silent Currents“. Und um 21 Uhr zeigen die Landsberger „Lost in Whitechapel“, dass „Live im Park“ nicht nur sanft ist. Mit Rock und Metal auf der grünen Wiese.

Die nächste Gelegenheit für entspanntes Herkomer-Park-Feeling gibt’s danach erst wieder im Mai 2019.

Susanne Greiner

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