Operation am offenen Herzen

Ein neues Konzept für den Schmittenbauerhof sorgt wieder für Diskussion im Planungsausschuss: Im Neubau (rechts) soll ein Café untergebracht werden, daneben ein Gemeinschaftsgarten. Links das alte (zu sanierende Gebäude) an der Epfenhauser Straße. Foto: Hofmann & Dietz

Erich Püttner hat neue Bewegung in die Diskussion um den Schmittenbauerhof gebracht. Facharchitekt Martin Hofmann präsentierte auf Püttners Initiative eine Projektstudie, die dem Bürgermeister und mehreren Mitgliedern des Planungsausschusses ausgezeichnet gefiel. Die Abrissbefürworter ließen sich allerdings auch von Hofmanns Städtebaulichem Konzept nicht vollständig überzeugen.

Der Spezialist aus Irsee hatte einen Vorschlag entworfen, nachdem der südliche Teil des Grundstücks, auf dem ursprünglich der inzwischen abgerissene Stadel stand, an eine Baugemeinschaft (nicht an einen Bauträger) verkauft wird, damit dort Wohnungen und eine Bäckerei mit Café entstehen können. Zwei der Wohnungen könnten für ältere Bürger barrierefrei ausgelegt werden. Das Hauptgebäude im Norden würde nach Hofmanns Plänen weiter im Eigentum der Gemeinde bleiben und nach einer Sanierung ebenfalls drei große Wohnungen, Lagerräume und Garagen enthalten. Ein weiteres Gebäude würde als Verbindung zwischen Alt- und Neubau in den Hang gebaut. Damit „wäre gewährleistet, dass wieder Leben ins Dorfzentrum kommt." Martin Hofmann betonte, dass eine „Luxussanierung“ nicht nötig oder wünschenswert sei. „Man muss hier sehr behutsam vorgehen, den Dachstuhl beispielsweise würde ich bis auf einen maroden Balken gar nicht angreifen.“ Gerade dieser Teil des Hauses hatte ihn bei einer ersten Besichtigung überrascht: „Von außen hätte ich nicht gedacht, dass der Dachstuhl so schön ist.“ Ohnehin hat der Architekt eine eindeutige Meinung zu dem Ensemble. Der Hof sei ein altes Gebäude aus dem Barock, „absolut denkmalwürdig“ und habe großes geschichtliches Gewicht. „Das ist eine Operation am offenen Herzen von Kaufering.“ Der Zustand des Hofgebäudes sei gut, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussehe. Bei dem Gedanken an einen Abriss schauderte es den Architekten geradezu. „An dem Haus ist teilweise noch der Originalputz mit Jahreszahl und Bemalung, das ist schon ein Highlight. Insgesamt wäre ein Abriss ein sehr großer Verlust für das Dorf. Was man da verliert, kann man mit einem Neubau nie wieder gut machen.“ Das sieht Rosina Heinle (CSU) weiterhin anders: „Ich weiß nicht, wo das Problem mit einem Neubau ist. Ein neues Haus wird ja auch irgendwann alt. Wenn die Gemeinde das finanzieren muss, bin ich immer noch für einen Abriss.“ Dafür plädiert auch Peter Drexl: „Wir müssen Schulden abbauen und keine neuen machen, mir ist schleierhaft, warum die Gemeinde die Sanierung und damit den teuren Teil übernehmen soll.“ Architekt Hofmann darauf: „Weil Sie bei einem Investor nie sicher sein können, ob er wirklich so saniert, wie die Gemeinde das will, deswegen würde ich auch von einem Verkauf abraten.“ Genau dazu könnte es allerdings bald kommen. Es gebe einen Interessenten und „intensive Gespräche“, so Erich Püttner. Der Landsberger würde aber das gesamte Gelände kaufen und den Hof nach den Vorstellungen der Gemeinde sanieren. „Es sieht nicht schlecht aus, dass wir da ins Geschäft kommen.“ Damit könnte sich auch Hans Koch (SPD) anfreunden. „Die Lösungen mit den Wohnungen ist die zweitbeste, aber eine gute. Ich unterstütze das nachdrücklich.“ Wie auch Gabriele Triebel (GAL) war Püttner von Hofmanns Vorschlag „als Idee, auf der man aufbauen kann“, angetan. „Mich begeistert vor allem, dass das ein Haus für mehrere Generationen werden würde.“ Bürgermeister Norbert Sepp war kritischer: „Die Planung schaut ja gut aus, aber die Finanzierung kann nicht durch die Gemeinde erfolgen. Mein Stand ist weiterhin der Abriss des Gebäudes.“ Dem widersprach Andreas Keller vom Dorfverein deutlich. „Das ist das Erbe unserer Vorfahren, die haben das für uns gebaut, und die Wahrung unseres historischen Erbes darf auch einmal Geld kosten“, so Keller. „Es gibt in Kaufering viele Dinge, die auch Geld kosten und längst nicht so sinnvoll sind. Da kann man auch einmal 300000 oder sogar 500000 Euro in die Hand nehmen und auch draufzahlen.“ Die Diskussion über das weitere Vorgehen dürfte sich demnächst im Gemeinderat fortsetzen.

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