Vom Zeugen zum Täter

Landsberg – Es war eine wilde Geschichte, die der „Geschädigte“ Polizei und Gericht aufgetischt hatte: Der Angeklagte habe ihn im November mit dem Auto angefahren und ihm dann das Handy gestohlen. Vor dem Schöffengericht Landsberg gab er jetzt zu: alles gelogen. Den wegen Raubes angeklagten 23-Jährigen erwartete ein Freispruch, den „Geschädigten“ die Polizei: Gegen ihn lag nämlich ein Vollstreckungshaftbefehl vor.

Angefangen hatte alles damit, dass der Angeklagte dem „Geschädigten“, der zu dieser Zeit obdachlos war, Geld geliehen hatte. Laut Aussage des 25-jährigen „Geschädigten“ waren das 60 Euro, die für ein Drogengeschäft bestimmt gewesen waren. Der Angeklagte habe das Geld mehrere Male von dem 25-Jährigen zurückgefordert, aber nie erhalten, erläuterte er vor Gericht. Als der Angeklagte den jungen Mann dann in der Nähe des Schülerbahnhofs in Landsberg erblickte, wollte er ihn „zur Rede stellen“. Deshalb sei er mit dem Auto hinter ihm her gefahren.

Als der „Geschädigte“ allerdings bemerkte, dass er verfolgt werde, sei er weggelaufen. Daraufhin habe der Angeklagte ihn ebenfalls zu Fuß verfolgt, ihn aber dann aus den Augen verloren. Zu einem direkten Zusammentreffen sei es deshalb gar nicht gekommen, die ihm vorgeworfene Tat sei „dreist gelogen“. Das bestätigte dann auch der Verfolgte vor Gericht: Es sei zuvor zu verbalen Drohungen gekommen, der Angeklagte habe ihn aber nicht berührt – weder mit dem Auto noch sonst irgendwie.

Als Grund für seine Lüge gab der 25-Jährige an, er habe gedacht, dass der Angeklagte tatsächlich im Besitz seines Tele- fons sei, denn dieses war nach der Verfolgungsjagd weg. Tatsächlich war es ihm auf seiner Flucht wohl aus der Tasche gefallen, denn es tauchte wenige Tage später wieder auf.

Die Polizei hatte unterdessen bereits das Auto des Angeklagten beschlagnahmt. Die Ermittlungen waren in vollem Gang. Das „Opfer“ schwieg trotzdem. Erst während der Gerichtsverhandlung am vergangenen Mittwoch sagte er schließlich die Wahrheit. Er müsse mit einem Verfahren wegen der falschen Verdächtigung rechnen, bemerkte Richterin Sabine Grub am Ende der Verhandlung. Doch das dürfte nicht das einzige Problem des 25-Jährigen sein: Denn wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe liegt gegen ihn ein Vollstreckungshaftbefehl vor. Drei Polizeibeamte geleiteten den 25- Jährigen schließlich aus dem Gerichtssaal. Wenn er die Geldstrafe nicht begleicht, wird er wohl in die Justizvollzugsanstalt gebracht.

Aber auch der Angeklagte ist trotz seines Freispruchs noch nicht vor einer Strafe sicher: Wegen des Betäubungsmittelgeschäfts müsse auch er gegebenenfalls mit einem Verfahren rechnen, so Grub.

Astrid Erhard

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