Ordnung in der Bauwagenkultur – "Komasaufen" und "Vorglühen" sind tabu: Landkreis räumt an Jugendtreffs auf

Es wird kein generelles Aus für Bauwägen und Hütten geben. Diese Tendenz des Landkreises war jüngst im Jugendhilfeausschuss zu erkennen. Viele der beliebten Jugend­treff­punkte sind jedoch Schwarzbauten und weisen zum Teil erhebliche Mängel bei Statik und Brand­- schutz auf und sind im Notfall nur schwer oder gar nicht erreichbar. Darüber hinaus sind sie nur schwer kontrollierbar, vor allem mit Blick auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz. Daher will der Landkreis zukünftig die Gemeinden: Sie sollen die Trägerschaft solcher Einrichtungen und damit auch die Verantwortung übernehmen.

Nur unter diesen Voraussetzungen kann sich Landrat Walter Eichner (CSU) vorstellen, bei den „Schwarzbauten im Außenbereich“ ein Auge zuzudrücken und diese Einrichtungen zu dulden. Wichtig für ihn sei aber, dass sie sicher für die Jugendlichen seien. Nicht ohne Grund, denn die Hütten und Bauwagen sind nicht selten kühne und willkürlich zusammengezimmerte Konstruktionen, die ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Wie so etwas aussehen kann, zeigte der Jugendbeauftragte der Landsberger Polizei. Laut Georg Herzog gibt es im Einzugsgebiet der seiner Inspektion mindestens 44 dieser Treff­punkte. Sie werden gerade im Sommer von den Jugendlichen stark frequentiert. Probleme sieht Herzog vor allem bei der Lage manchen Bauten, die sich oftmals in Landschaftsschutzge­bie­ten befinden. Aber auch die Standsicherheit sowie der Brandschutz sei meist nicht gegeben und Rettungsfahrzeuge würden aufgrund der Lage im Notfall gar nicht an die Hütten herankommen. Schwierig gestalte sich weiterhin die Kontrolle solcher Bauten. Dies sei im Grunde kaum möglich – vor allem mit Blick auf den „lockeren Umgang mit alkoholischen Getränken“. Herzog sprach in diesem Zusammenhang gar von „Komasaufen“ und „Vorglühen“. Landrat Walter Eichner hat für solche Einrichtungen kein Verständnis mehr. Doch signalisierte er, dass man nicht von Heute auf Morgen, alles abreißen lassen könne, was nunmehr seit 30 Jahren geduldet wurde. Daher versucht der Jugend­hilfeausschuss des Landkreises be­reits seit November vergangenen Jahres einen einheitlichen Weg zu finden, der allen Beteiligten entgegenkommt. In nunmehr drei Sitzungen wurde ein Konzept erarbeitet, das bereits den Gemeindeober­- häuptern und Jugendreferenten im Landkreis vorgestellt und mit ihnen diskutiert wurde. Die Ressonanz darauf fiel laut Landrat Eichner unterschiedlich aus – „vom Aus für allen Bauwagen bis zu praktikabel und gut.“ Wesentlicher Grundgedanke des erarbeiteten Konzeptes: „Bestandschutz für Bauwagen und Jugendhütten unter bestimmten Voraussetzungen – insbesondere der Mitverantwortung der Gemeinden als Träger“. Die Umsetzung soll bis zum Ende des Jahres möglich sein, sagte Peter Ditsch, der stellvertretende Landrat und Vorsitzende des Bauwagen-Unterausschusses, allerdings seien noch nicht alle Fragen geklärt – etwa die Frage nach der „Haftung“. So sei noch offen, ob die Bauwagen und Hütten als „öffentliche Einrichtungen“ einzuordnen sind oder ob es einen Mittelweg gibt. Besonders wichtig schien dem Gremium, dass alle Gemeinden an einem Strang, denn sonst drohe ein „Bauwagentourismus“, wie Moritz Hartmann, Grünen-Kreisrat und Vorsitzender der Kreisjugendringes, erklärte. Hierzu machte Ditsch deutlich: Wer beim Konzept nicht mitmacht, dem drohe der Abriss der Schwarzbauten.

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