Orff begeistert beim Ruethenfest

"Carmina Burana" auf dem Landsberger Hauptplatz

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Zahlreiche Besucher lauschten der Landsberger Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana auf dem Hauptplatz.
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Zahlreiche Besucher lauschten der Landsberger Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana auf dem Hauptplatz.

Landsberg – Stimmgewaltig, auch gegen den Donner: Die Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ am vergangenen Mittwoch trotzte mit 270 Sängern und Musikern dem Wetter. Dass Landsberg eine singende Stadt ist, zeigten dabei die zehn beteiligten Chöre, die heuer nicht wie beim letzten Ruethenfest aus der Profiecke, sondern direkt aus der Lechstadt kamen. Ein Heimvorteil, den die Besucher auf dem proppevollen Hauptplatz mit großem Applaus würdigten. Wobei die Qualität der Aufführung – bis auf wenige technische Details – mindestens ebenso begeisterte.

Sorgenvolle Blicke aufs Handy und Regenradar-App gibt es bereits vor Beginn des Vorprogramms: Da zieht eine Wolke tatsächlich mitten durch den roten Stecknadelstandpunkt – ein Gewitter droht. Dennoch steigen die fünf Percussionisten auf die Bühne. Steve Reichs „Music for Pieces of Wood“ erklingt in absoluter Präzision – natürlich auf Klanghölzern: meditativ-minimalistische Rhythmen, die sich bei jedem neuen Einsatz komplett zu ändern scheinen. Begeisternd – nur leider scheint Reich einen Regentanz komponiert zu haben: schon nach wenigen Minuten fallen die ersten Tropfen. So richtig los geht es aber erst nach dem letzten Schlagton. Sodass die Bühne innerhalb kurzer Zeit wuselt mit Menschen, die Pauken und bildliche Trompeten abdecken. Der Hauptplatz leert sich, umso voller werden sämtliche Unterstehmöglichkeiten, einige Läden kurbeln dankbarerweise ihre Markisen aus. Bis kurz darauf ein Regenbogen über dem Hauptplatz glänzt. Und nach engagierten Einsatz von Stadtmitarbeitern, Ruethenfestvereinsvorstand Tobias Wohlfahrt und Technischem Hilfswerk, die Bühne und Sitze trocknen, und dem Nachstimmen der leicht eingenässten Paukenfelle kann Carmina Burana beginnen.

Den Chor bilden zehn Landsberger Chöre, bereits seit Januar am Proben und am Aufführungsabend von Matthias Utz dirigiert: die drei Chöre des IKG, der Waldorfschule und des DZG. Dazu kommt der Landsberger Oratorienchor, der Landsberger Kinder- und auch der Jugendchor. Schließlich ergänzen die Chöre der Städtischen Musikschule – die Abendklasse, der Jugendchor, die „Singbande“ und das Vocalensemble samt Projektchor „Carmina“ – die Stimmgewalt. Insgesamt rund 260 Kehlen, die gleich mit der bekannt dramatischen Ehrung der Schicksalsgöttin Fortuna starten, die Melodie, die Orffs Werk der „Lieder aus Benediktbeuern“ beginnt und beschließt.

Die Carmina ist heuer betont lokal. Sie wird nicht mit großem Orchester wie 2015 gespielt, als die Symphony Prague Bläser und Streicher stellte. Sondern in der Fassung von Orffs Schüler Wilhelm Killmayer mit zwei Klavieren – Marianne Lösch und Gerhard Abe-Graf – und fünf Percussionisten aus Musikschullehrer Stefan Schmids Klasse – Fabian Löbhard, Godwin Schmid, Maria Ruf, Korbinian Fichtl und Schmid selbst – gegeben: Orff‘sche Musikbesetzung vom Feinsten. Aber auch die drei Solisten haben zumindest Berührungspunkte zum Landkreis: Sopranistin Marie-Sophie Pollak und Bariton Michael Kranebitter studierten in München, Tenor Magnus Dietrich kommt gar aus Leeder.

Orffs Carmina besteht aus 24 Stücken, eine Auswahl aus den 254 Texten, die die mittelalterliche Anthologie mit gleichem Namen enthält. Und die ihren Namen vom Fundort hat: der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern. Orff ging von der Ausgabe des bayerischen Sprachforschers Johann Schmeller aus. Und packte in seine Carmina weltliche Themen wie Frühlings- oder auch Wirtshausfreude, aber auch Liebesreigen. Orffs Musik zitiert das Mittelalter – insbesondere durch den satten Rhythmus, dem Schwerpunkt auf Percussion. Es sind aber keine original mittelalterlichen Melodien.

Einfach waren die Aufführungsbedingungen nicht. Das Aufeinander-Hören im Hauptplatzrund bezeichneten Sänger und Musiker als schwierig. Umso lobenswerter die auch dem präzisen Dirigat von Utz geschuldete Qualität der Aufführung, die vom Publikum mit großem Applaus belohnt wurde. Nur die Technik machte nicht ganz mit. Die Lautsprecher ließen die Besucher auf der Schweden-Tribüne etwas im Off. Und gegen Ende gab‘s auch eine Rückkopplung. Aber der Genuss hat eindeutig überwogen.

Es ist schon ziemlich dunkel, als die letzten Töne erklingen und der Jubel des Publikums durch die Luft schallt. Wegen des Regens ist die Zehn-Uhr-Grenze überschritten, ab der Kinder nicht mehr auf der Bühne stehen dürfen. Weshalb das zuerst als Vorprogramm Geplante, dann als Nachspiel Gedachte nicht mehr zu hören ist. Schade. Aber das kann man ja – irgendwann nach dem Ruethenfest – wiederholen.

Susanne Greiner

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