"Gott spielt die erste Geige"

Orgelweihe in Reichling: Neues Instrument erklingt zum ersten Mal

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Die Orgel der Pfarrei Reichling ist nun feierlich eingeweiht worden.
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Die Orgel der Pfarrei Reichling ist nun feierlich eingeweiht worden.
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Die Orgel der Pfarrei Reichling ist nun feierlich eingeweiht worden.
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Die Orgel der Pfarrei Reichling ist nun feierlich eingeweiht worden.

Reichling – Erst nahm er – bereits vor dem Gloria – die Weihe der neuen Orgel vor; dann predigte er darüber, dass im Leben der Christen der Herrgott „die erste Geige“ spielen soll. „Gott zu loben, ist unser Amt“, betonte Weihbischof Florian Wörner beim Pontifikalamt in Reichling. Eine neue, gut gestimmte Orgel bilde dafür ein solides klangliches Fundament.

Die Weihe einer neuen Orgel ist für eine Pfarrei (Reichling), aber auch für die Pfarreiengemeinschaft (Lechrain), für das Dekanat (Landsberg) und sogar für die Diözese (Augsburg) ein besonderes Ereignis. Darum waren es mehrere Konzelebranten. Mit dem Weihbischof aus Augsburg standen Pfarrer Michael Vogg, Pater Stefan Kling als Orgelsachverständiger im Bistum, Pater Johannes Kargl aus der Pfarreiengemeinschaft Lechrain und Diakon Georg Seidenspinner am Altar, als der Festgottesdienst zum Abschluss der Orgelsanierung geifert wurde.

„Heute sind alle Ehrengäste“, rief Geistlicher Rat Vogg vor 250 Gläubigen und Gästen aus, unter ihnen auch Orgelbaumeister Stefan Heiß aus Vöhringen und Intonateur Matthias Wirth. Aber „bei unserem Herrn Jesus Christus sind wir alle immer Ehrengäste“, bekundete der Seelsorger. Die Orgel sei eine mächtige Verkünderin unseres Glaubens.

Das Instrument könne die „Herzen aufmachen“, meinte Weihbischof Wörner, bevor er sich zusammen mit Pfarrer Vogg, Pater Kling, Diakon Seidenspinner und Ministranten auf die zweite Empore begab. Dort segnete er das neue Instrument, das in den vergangenen vier Wochen gründlich intoniert worden war. Er besprengte es dezent mit Weihwasser und schwenkte am Spieltisch und vor dem Prospekt das Weihrauchfass.

Hatte das fünfköpfige Bläserensemble des Bundespolizeiorchesters mit dem Reichlinger Trompeter Lars Scharding den Festgottesdienst eröffnet, so war es nach der Weihe an Organist Jochen Geisenberger ein großes Vorspiel zum Besten zu geben. Er wählte den Titel „Another year is dawning“, ehe er zum Gloria bei drei Strophen im Lied „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“ den Gemeindegesang kräftig unterstützte. Und das Nachspiel zum Gloria gestaltete Geisenberger mit dem „Trumpet Tune“ für Orgel, das im Mittelteil klanglich an die Renaissance erinnert.

„Eine neue Orgel soll viel gespielt werden“, predigte Weihbischof Wörner unter dem zustimmenden Kopfnicken des Orgelsachverständigen Pater Kling. Darum ermunterte er auch in Zeiten des Priester- und Gläubigenmangels zur Feier der Liturgie. „Also kommen wir doch her in die Kirche und stimmen mit der Orgel ein in das Lob Gottes“, wandte er sich an die Besucher des Festgottesdienstes.

Die Fürbitten waren verbunden mit einem Gabengang. Die kurzen Texte wurden mit meditativem Orgelspiel untermalt, während Pfarrangehörige symbolisch ein kleines Modell der Kirche St. Nikolaus, eine Orgelpfeife als Hinweis auf den Wind, einen Registerzug, eine Tastatur und das Buch mit Orgelpatenschaften (als Sinnbild für das Gemeinschaftswerk) nach vorne getragen haben.

Zirka 300.000 Euro kostete das neue Instrument auf der zweiten Empore, das aus der Werkstatt von Stefan Heiß im schwäbischen Vöhringen stammt. Die mechanische Schleifladenorgel hat 20 Register und 1.211 Pfeifen, die sich auf zwei Manuale und das Pedalwerk verteilen. Eine Besonderheit und weitum nur selten anzutreffen sind die Röhrenglocken, der Zimbelstern, die Nachtigall und der Kuckuck. Eine Setzeranlage, die 10.000 Speichermöglichkeiten bietet, erleichtert dem Organisten bei Bedarf den schnellen Wechsel zu einer anderen Klangfarbe, ohne dass er mit der Hand ein Register ziehen muss.

Die neue Orgel ist angeschafft worden, weil am bisherigen Instrument von 1938, trotz zweimaliger Generalüberholung 1958 und 1978 und einer 43.000 Mark teuren Instandsetzung anno 2000, schon sieben Jahre später die Frage anstand, ob eine erneute Generalüberholung denn überhaupt noch Sinn mache. Der Beschluss der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates zugunsten einer neuen Orgel bedeutete eine große Herausforderung; er war und ist ein Kraftakt.

Unter dem Motto „Für den guten Ton in Reichling“ wurden in den letzten zehn Jahren mehr als 30 Veranstaltungen organisiert, deren Erlös immer dem „guten Ton in Reichling“, sprich dem neuen Instrument zugutegekommen ist. Bei der Finanzierung einer neuen Orgel gibt es keinen Zuschuss von der Diözese.

Aktuell klafft in der Finanzierung eine Lücke von 36.000 Euro. Das Spendenaufkommen beläuft sich auf 168.000 Euro, wie in einer Grafik in der Festschrift veranschaulicht wird. Über 150 Gönner und Unterstützer haben eine oder sogar mehrere Patenschaften für die einzelnen Orgelpfeifen übernommen. Die Gemeinde Reichling beteiligte sich mit 40.200 Euro, die Kirchenstiftung St. Nikolaus mit 30.000 Euro. Von anderen Stiftungen sind 30.000 Euro Zuschüsse geflossen.
Johannes Jais

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