Selbstgemachtes von "Oma Traudi"

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Seit 15 Jahren verkauft „Oma Traudi“ ausschließlich Selbstgemachtes auf dem Landsberger Christkindlmarkt. In zwei Jahren soll damit endgültig Schluss sein.

Landsberg – Glühweinhütten, Würstlbuden, Zuckerstangen, Menschengedränge, Modeschmuck, und etwas Kunstgewerbe. Es ist nicht zu übersehen, wir sind auf dem Christkindlmarkt in Landsberg. Zwischen all diesem Gewusel und Kommerz steht da in der rechten Zeile des Georg-Hellmair-Platzes eine still leuchtende Bude. Hinten in dem Bretterhäuschen, warm gehalten von Wollpullover, Mütze, Schal und Handschuhen, sitzt da eine ältere Dame. In aller Ruhe beguckt sie sich mit belustigtem Glimmen in den Augen das Treiben auf dem Platz.

Als ich interessiert herantrete, steht sie auf und wendet sich mir zu. Sie gibt freundlich und ruhig Auskunft, steht Rede und Antwort. Ja, die Produkte seien alle selbst gemacht. Marmeladen, Konfitüren, Gelees, Liköre, Salze und Brühpulver. Nein, sie kaufe nicht zu, nur die exotischen Früchte. Sie habe selbst einen Garten mit Obst und Gemüse, ihre Kinder haben Häuser und Grundstücke mit Gärten. Sie komme aus Pürgen und heißt Waltraud Kolb. Die Nachbarn riefen sie zur Ernte an, weil die Bauern selbst nicht mehr in die Bäume steigen. Alles sei ungespritzt gereift, weil niemand die Gemüse und das Obst kommerziell verwerten wolle. In diesem Sommer hat sie allein 1400 Gläser Marmelade zu je 340 Gramm gekocht.

Aus Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, aus Rhabarber, Äpfeln und Erdbeeren, aus Mahonie und Holunder. Nur mit ihrem alten Elektroherd, den großen Töpfen; als Seihtuch benutzt sie Stoffwindeln, die sie zwischen die Stuhlbeine eines umgedrehten Küchenhockers bindet. So hat das schon ihre Großmutter gemacht. Nebenher hat sie auch noch ein paar Tüten mit selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen gefüllt. Alles unter amtlicher Kontrolle. Wenn es kein Obst mehr zu verarbeiten gibt, dann ist Waldtraud Kolb jeden Tag draußen in den Wäldern um Pilze zu sammeln. Steinpilze, Maronen, Hexenröhrlinge. Die kennt sie, die nimmt sie mit. Die dörrt sie dann und füllt sie in Gläser ab. Ich habe geschüttelt. Rascheltrocken sind sie und sie verströmen einen wunderbaren Duft...hmmmm!

Für sich selbst sammelt sie ab und zu ein paar Pfifferlinge – nur fürs Mittagessen, weil die abends so schwer im Magen liegen. Waldtraud Kolb hat alle Produkte selbst abgefüllt oder abgepackt und liebevoll dekoriert, in ihrer Küche, zuhause. Ohne Hilfe und ohne Maschinen. Sie sucht die Gläser aus, bespricht mit einem ihrer Söhne die Rezepte, beklebt mit selbst gestalteten Etiketten die Gläser und bindet Stofftüchlein über die Deckel. Sie will in zwei Jahren damit aufhören, weil sie dann 70 wird. Immerhin macht sie das jetzt schon 15. Jahre. Das ist genug. Jetzt will sie richtig in Rente gehen. Dann wird die Marke „Oma Traudis“ untergehen.

„Oma Traudi“ so nennen sie liebevoll ihre Enkel und so bedruckt sie ihre Etiketten. Und nein, hetzen lässt sie sich nicht. Sie macht alles in Ruhe. Wunderbar. Wer von „Oma Traudi“ noch etwas erstehen möchte, der sollte sich sputen. Lange steht der Christkindlmarkt nicht mehr, zwei Jahr sind eine kurze Zeit. Mir hat jedenfalls Oma Traudi den Christkindlmarkt gerettet. Von ihrer Sorte sollten noch mehr geben.

Dominik Ventus

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