Originale und Originelles

Bis heute ein beliebtes Postkartenmotiv: Die Dampfschifffahrt auf dem Ammersee, wie hier auf einer Postkarte aus dem Jahr 1914. Die Karte stammt aus der Sammlung von Stephan Widler. Fotos: Nagl

Unter dem Titel „Omnibus, Mooskuh und die anderen …“ lädt der Heimatverein Diessen derzeit zu einer Schau über die große Zeit der Ammersee-Schifffahrt ein. Genau vor 30 Jahren hatte es im Turm schon einmal eine Ausstellung zu diesem Thema gegeben. Dies-mal stehen gut ein Dutzend informative Text-Bild-Tafeln Mittelpunkt, die von Friederike Hellerer, Archivarin der Gemeinde Herrsching, erarbeitet wurden. Im letzten Jahr waren sie im Rahmen der Ausstellung „Dampfschifffahrt auf dem Ammersee“ im Herrschinger Kurparkschlösschen zu sehen.

Im Jahr 1877 startete ein umgebauter, gebrauchter Raddampfer, der „Omnibus“ seine erste Probefahrt auf dem Ammersee. Weitere sechs Dampfschiffe übernahmen in den folgenden Jahrzehnten den Passagierverkehr. Schon ein Jahr später wurde das Schiff „für alle“ (Omnibus) durch das Dampfschiff „Marie“ ersetzt. 1880 kam der Amper-Flussdampfer „Marie-Therese“ zur Flotte dazu, 1885 „Maximilian“ und 1893 „Gisela“, die später auf „Augsburg“ umgetauft wurde, 1907 „Andechs“ (heute Clubschiff in Schondorf) und schließlich die „Diessen“, das letzte Originaldampfschiff, das 2006 renoviert und vergrößert wurde. Zu allen Schiffen, die bis 1945 auf dem Ammersee gefahren sind – vom „Omnibus“ bis zur (alten) „Schondorf“ – bietet die Ausstellung genaue Informationen zu Baudaten, Stapellauf, Aussehen, Laufzeit und Ausmusterung. Besucher sollten deshalb ein bisschen Zeit mitbringen, um in Ruhe alles Wissenswerte zur frühen Ammersee-Schifffahrt studieren zu können. Schön wäre es, wenn das von Hellerer recherchierte Material bald auch als Büchlein erhältlich wäre! Aufgelockert wird die Schau durch originale und originelle Gegenstände von Bord der alten Ammersee-Schiffe die die Gebrüder Florian und Thomas Raff aus dem Fundus der Schiffswerft in Stegen zu Tage beförderten oder als Leihgaben von privaten Sammlern erhalten haben. Dazu gehört zum Beispiel die vermutlich einzige malerische Darstellung des „Omnibus“. Das Gemälde wurde einst von Michael Graf von Schweinitz (1943-2006) auf dem Speicher eines seiner fränkischen Schlösser gefunden. Bewundern kann man auch einen anachronistischen „Rettungskasten“ von Bord der „Augsburg“, oder zwei original Kohleschaufeln von der „Gisela“. Amüsant ist die Lektüre der „Oberpolizeilichen Vorschriften“ zum „Verhalten der Fahrgäste auf den dem öffentlichen Verkehr dienenden Schiffen und für den Verkehr auf den Landungsbrücken der oberbayerischen Seen“ aus dem Jahr 1917. Sie lassen den Rückschluss zu, dass es auf dem Ammersee einst recht lebhaft zuging. Eine Augenweide ist außerdem die einschlägige Postkartensammlung von Stephan Widler, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Riederau: Im Vordergrund sind stets die stolzen Dampfer zu sehen, und im Hintergrund meist die Alpen – manchmal auch in einer Himmelsrichtung, wo man sie nicht vermutet. Angesichts des großen Interesses am Thema Schifffahrt – allein in Herrsching wurden bei der Ausstellung im vergangenen Jahr rund 2000 Besucher gezählt – und des beachtlichen Publikumsinteresses bei der Ausstellungseröffnung im Taubenturm, stimmt die Tatsache melancholisch, dass sich der Förderverein Südbayerisches Schifffahrtsmuseum vor einige Monaten auflöste. Trotz großem, langjährigem Engagement waren kein Standort und kaum Sponsoren für ein Schifffahrtsmuseum am Ammersee finden. Ein großer Teil des Vereinsnachlasses wurde inzwischen ins Hamburger Schiff-fahrtsmuseum verbracht. Um so mehr ist die aktuelle Ausstellung im Taubenturm, die nur noch am Samstag/Sonntag, 24./25. August von 12 bis 18 Uhr zu sehen ist, eine Besonderheit.

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