Einsatz reduziert:

Wer fährt schon mit dem Kauferinger Ortsbus?

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Der Ortsbus in Kaufering soll nur noch reduziert fahren – er wird von der Bevölkerung einfach nicht ausreichend angenommen.

Kaufering – Der Ortsbus vom und zum Bahnhof in Kaufering wird von der Bevölkerung nicht angenommen und soll deshalb spätestens ab 2014 nur noch in stark reduzierter Form fahren. Das ist das Ergebnis einer Beratung zwischen dem Marktgemeinderat und dem Nahverkehrsexperten des Landratsamtes, Dietmar Winkler. Der machte klar: „Es ist auf Dauer nicht durchzuhalten, soviel warme Luft durch die Gegend zu fahren. Das Thema ist durchgefallen.“

Die Zahlen und Fakten, die Winkler mitgebracht hatte, waren ausgesprochen ernüchternd. Lediglich frühmorgens und abends sowie bei Schulschluss war der Bus in den letzten Monaten nennenswert besetzt, ansonsten blickten die Gemeinderäte in der Fahrzeiten-Tabelle auf viel Rot – und das steht für weniger als vier Fahrgäste. Winkler: „Was man sich versprochen hat, ist nicht eingetreten, das muss man klar sagen.“ Auch die von den Räten bei der Einführung ausdrücklich gewünschte Anbin-dung des Lechtalbades an die Ortsbuslinie erwies sich als Schlag ins Wasser. „Die Nachfrage war hier gleich Null“, so Winkler. „Der einzige Effekt war, dass der Bus nicht durchgekommen ist, weil alles zugeparkt war und damit der Takt teilweise nicht eingehalten werden konnte.“

Die anfangs noch ordentlichen Fahrgastzahlen brachen deutlich ein, als das Ortsbusangebot nicht mehr kostenfrei war. Zwar wurden später sogar noch die Tarife deutlich reduziert und eine günstige Familienkarte eingeführt, die Kauferinger zeigten ihrem Ortsbus dennoch immer mehr die kalte Schulter. Winklers Fazit: „Der Bus wird im Ortsverkehr östlich der B17 nicht angenommen, obwohl das Angebot hinsichtlich Fahrzeit und Anbindung deutlich aufgewertet wurde.“ Bei der Entscheidung über die künftige Ausrichtung ist nun Eile geboten: In den nächsten Wochen muss die 2014 auslaufende Konzession europaweit ausgeschrieben werden. Daran ist die Marktgemeinde dann acht Jahre lang gebunden. Winkler empfahl daher „dringend“, die Leistungen zu reduzieren, zumal man in anderen Gemeinden in ähnlichen Situationen bereits Fehler gemacht habe. „Ich erinnere an Eching. Die hatten acht Jahre lang ihre MVV-Linie samt Defizit an der Backe.“

Marktgemeinderat Hans Koch (SPD), einer der größten Verfechter des Ortsbusses, zeigte sich angesichts der enttäuschenden Zahlen ratlos. „Mit der Bahnkarte sind am Anfang 134 Leute gefahren, im letzten Jahr dann 66 und inzwischen sind es noch 50. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, was da in der Bevölkerung passiert ist, am Geld allein kann das bei diesen Preisen nicht liegen.“ Koch räumte ein, dass es „berechtigt wäre, das Kind sterben zu lassen“, er schlage dennoch vor, den Bus in reduzierter Form trotzdem zu erhalten. Nach seinen Vorstellung solle er weiter von 5.30 bis 8, von 11.15 bis 13.30 und von 16.30 bis 19.30 Uhr fahren, in den übrigen Zeiten könne man, wie in Landsberg, ein Anruf-Sammeltaxi anbieten.

Damit zeigten sich die übrigen Räte einverstanden, ein Beschluss wurde aber nicht gefasst (er soll in der Novembersitzung nachgeholt werden). Das ist allerdings auch nur für die Marktgemeinde selbst nötig, das Landratsamt braucht den Beschluss nicht. „Da wir zahlen, könnten wir theoretisch machen, was wir wollen“, so Winkler, der aber klarstellte: „Wir wollen das natürlich im Konsens mit der Gemeinde entscheiden.“ Christoph Kruse

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