Bahnsteig ist kein Bolzplatz

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Horror-Szenario am Bahnsteig St. Alban. Ein Schüler stürzt ins Gleisbett, während die Regiobahn einfährt. Um Präventionsmaßnahmen ging es bei einem Ortstermin des Kreisausschusses.

Dießen – Horrorvision für Eltern, Lehrer, Mitschüler: Das Kind kommt nicht nach Hause, stattdessen klingeln Polizei und ein Interventions-team mit der traurigsten Nachricht im Leben von Eltern. Unfall am Bahnsteig! Jährlich verunglücken bundesweit laut offizieller Statistik 200 Kinder auf Gleisen im Bahnbereich, 50 davon mit tödlichem Ausgang. Um Prävention diesbezüglich ging es bei einem Ortstermin des Kreisausschusses Landsberg beim Bahnanschluss St. Alban des Ammersee-Gymnasiums Dießen.

„Unsere Schule ist die einzige in Bayern mit eigenem Bahnzugang“, referierte Oberstudiendirektor Klaus Rechenberger, der Leiter des Gymnasiums, vor Landrat Thomas Eichinger und den Kreisausschussmitgliedern. Wenn mittags die Regiobahn Richtung Norden am Haltepunkt St. Alban einfährt, hätten er und sein Lehrerkollegium oft bange Minuten zu überstehen. Aus dem Lehrerzimmer müssen sie beobachten, wie sich rund 300 Schüler über den engen Hauptzugang auf den Bahnsteig drängen. Dass es dabei zu Rangeleien oder offiziell zu „nicht der Situation angepasstem“ Verhalten der Schüler kommt, sei leider keine Seltenheit. Gottlob sei es noch zu keinen Unfällen gekommen, dennoch müsse durch diverse Maßnahmen vorgesorgt werden. 

Die Zuständigkeit für die Sicherheit am Bahnsteig liege zwar nicht bei der Schule, sondern beim Bahnbetreiber und der Bundespolizei, betonte Rechenberger. Doch eine vermehrte Präsenz der Polizei in St. Alban ist mangels Kapazitäten nicht möglich. Lehrkräfte hätten im Bereich des Bahnsteigs keine Aufsichtspflicht, dennoch wurde und wird sie zeitweilig praktiziert. Aufgrund der rechtlichen Grauzone hätte dies aber zu massiver Kritik durch den Personalrat geführt.

Kein Handlungsbedarf 

Eine weitere Maßnahme war der Einsatz von sog. Schulwegbegleitern aus der Schülerschaft, die von der Bundes- polizei speziell ausgebildet wurden. Leider wurde die Autorität dieser engagierten Mitschüler nicht anerkannt, so dass auch dieses Vorhaben scheiterte. Jetzt müssen die Kinder auf dem Schulgelände verbleiben, bis die Regiobahn eingefahren und gestoppt ist. „Geordnet“ werde dann der ca. 300 Meter lange Bahnsteig über den Zugang im Norden betreten. Eine Vorgabe, die leider nicht immer befolgt wird, da die derzeitige Zugangssituation zu beengt ist. 

Beim Ortstermin des Kreisausschusses wurde beraten, ob ein weiterer Fußgängersteg über die Entwässerungsmulde mit einer Länge von rund 20 Metern und einer Breite von 2,5 Metern Abhilfe schaffen könnte. Die Kostenschätzung liegt bei rund 200.000 Euro. Die Kreisräte sahen hier keinen Handlungsbedarf, beschlossen aber die Teerung des südlichen Zugangs, der Entlastung bringen soll. Weiter einigte man sich auf ein höheres Geländer beim Hauptfußgängersteg, der eventuell mit Holzbohlen verbreitert wird. Maßnahmen hin, Maßnahmen her: Das Wichtigste ist der dringende Appell von Lehrern und Eltern an die Vernunft der Schüler, den Bahnsteig nicht als Bolz- oder Rangelplatz zu benutzen. Ein falscher Schritt kann den Tod bedeuten!

Dieter Roettig

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