Gestern im Bauausschuss:

Historisches erschwert den Neubau des Kratzerkellers

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Bereits im Oktober vergangenen Jahres unter anderem im KREISBOTEN veröffentlicht: Die 3D-Illustration des neuen Kratzer-Kellers am Katharinenberg.

Landsberg – Die Willensbildung im Bauausschuss hinsichtlich einer neuen Bebauung auf dem Gelände des Kratzerkellers dauert an. Bei einem Ortstermin mit einem Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege wurden jetzt die historischen Gewölbekeller in Augenschein genommen. Sie stehen unter Denkmalschutz und schränken die Gestaltungsmöglichkeiten einer neuen Bebauung ein. Denn im Gegensatz zum eigentlichen Gebäude müssen die Keller erhalten bleiben.

Dass ein Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, die unsichtbar darunter liegenden Kellerräume hingegen schon, sei gar nicht so selten, berichtete Dr. Thomas Hermann vom Landesamt für Denkmalpflege. In diesem Fall sei das – inzwischen leerstehende – Gebäude am Katha­rinenberg im Laufe der Jahrzehnte innen so stark verändert worden, dass keine Denkmaleigenschaft mehr bestehe. Die Keller dagegen – mehrere Räume von insgesamt einigen hundert Quadratmetern Größe – seien von geschichtlicher Bedeutung. Die ältesten Teile haben eine Gewölbedecke und stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert, die jüngsten aus dem frühen 20. Jahrhundert. Hauptsächlich wurde hier Bier gelagert. Die Kastanien auf dem Gelände sorgten für Beschattung und gleichbleibend kühle Temperaturen.

Beim Ortstermin am Katharinenberg informierten sich Oberbürgermeister Mathias Neuner (rechts) und die Mitglieder des Bauausschusses über die Situation im Kratzerkeller aus Sicht des Denkmalschutzes.

Ein weiterer denkmalschutzrechtlicher Belang ergibt sich nach den Worten Hermanns aus der Nähe des ehemaligen Familiengebäudes der Saarburg-Kaserne. Es dürfe durch einen Neubau nicht beeinträchtigt werden. Allerdings wiegt dieser „Nähe-Fall“ aus Sicht des Denkmalamts weniger schwer als die unterirdischen Lagerräume.

Für eine neue Bebauung hat der Investor Jürgen Kriegel inzwischen vier Planentwürfe anfertigen lassen. Die ursprünglich vom Stadtrat favorisierte Variante sieht, wie im KREISBOTEN berichtet, eine Kombination aus Wohnbebauung, Gastronomie und Biergarten vor. Oberbürgermeister Mathias Neuner betonte auch beim Ortstermin, es sei ein Wunsch der Stadt, „den gewachsenen, geborenen Standort als Wirtschaft“ zu erhalten.

Der Investor hingegen möchte am liebsten reine Wohnbebauung realisieren – oder ein Hotel bauen, für das es zwei unterschiedliche Planentwürfe gibt. Erschwert wird das Projekt durch die Tatsache, dass ein neues Gebäude auf die alten Keller aufgesetzt werden muss, deren Oberkante über dem Straßenniveau liegt. Einen Neubau auf dem Grundstück nach hinten zu verschieben, ist also wohl nicht möglich.

In der Bauausschusssitzung am vergangenen Mittwoch, die sich an den Ortstermin anschloss, stand das Thema nicht auf der Tagesordnung. Der Investor wird dem Gremium in den nächsten Wochen voraussichtlich einen konkretisierten Planentwurf vorlegen.

Ulrike Osman

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