Die singenden Priester

Die Gottesmänner um St. Ottilianer Pater Vianney und ihre Stimmen

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Pater Vianney Meister, Pater Rhabanus Petri und Diözesanpriester Andreas Schätzle (von links)präsentieren in neuestes Album „Das Beste“.

St. Ottilien – Zur Einstimmung auf das große Fest der Liebe ist vor wenigen Wochen „Das Beste“, eine Kompilation des katholischen Gesangstrios „Die Priester“, erschienen. Mit dieser ‚Best of‘ präsentieren Pater Rhabanus Petri, Pater Vianney Meister und Diözesanpriester Andreas Schätzle ausgewählte Lieblingslieder aus ihren vier Alben der letzten sieben Jahre. Neben beliebten Advents- und Weihnachtsklassikern singen die drei Kirchenmänner Eigenkompositionen und Coverversionen von bekannten Liedern wie Xavier Naidoos „Dieser Weg“ und Leonhard Cohens „Hallelujah“.

„Unsere Musik soll Türöffner unserer Herzen sein, damit Gott in uns ankommen kann“, erzählen die Priester. Mit ihren Liedern bedienen sie sich aus über 1.200 Jahren Musikgeschichte und vereinen beispielsweise gregorianische Choräle und Klassikwerke von Händel, Bach, Tschaikowsky und Beethoven mit modernen Popsounds.

Seit ihrem Debütalbum „Spiritus Dei“ in 2011 ist einiges geschehen: eine Goldene Schallplatte, ausverkaufte Konzerte, zahlreiche Fernsehauftritte und ihre legendäre Teilnahme am ESC-Vorentscheid 2013. Trotz allem bleiben die Priester auf dem Boden und gehen Tag für Tag ihrer kirchlichen Berufung voller Hingabe nach: Pater Rhabanus Petri hat seit November das Amt des neuen Priors im Kloster Jakobsberg bei Bingen am Rhein übernommen und setzt sich zugleich als geistlicher Begleiter, Gästepater und Oblatenrektor ein.

Neben seinem Dienst als Missionsbenediktiner arbeitet Pater Vianney Meister in St. Ottilien als Leiter des Tagesheims der Erzabtei und Religionslehrer am Rhabanus-Maurus-Gymnasium. Andreas Schätzle ist in der Erzdiözese Wien als Priester und Verantwortlicher für das Referat Berufungspastoral tätig und engagiert sich in der landesweiten Jugendarbeit neben seinem Amt als Programmdirektor von Radio Maria Österreich.

Musik spielt im Leben der drei Geistlichen seit jeher eine zentrale Rolle: Die Priester sind nicht nur erprobte Sänger, sondern auch leidenschaftliche Musiker. Pater Rhabanus singt als Kantor und spielt zudem Orgel und Tuba. Pater Vianney, der als Chefkantor der Mönchs-Schola St. Ottilien singt, spielt außerdem Trompete, Tuba und Gitarre. Diözesanpriester Andreas Schätzle, der seit Jahren eigene Lieder schreibt und kleine Konzerte gibt, spielt Trompete, Gitarre und Klavier.

Gesungene Gebete

Mit ihrer Musik laden die Priester zum Innehalten ein und möchten Trost, Zuversicht und Lebensfreude spenden: „Wir wollen mit unseren Liedern Hoffnung und Begeisterung auslösen. Und auch helfen, über Schmerzen im Leben hinwegzukommen“, erzählen die drei Sänger. „Wir singen unsere Gebete“, ergänzt Pater Rhabanus, der mit einem Zitat des heiligen Augustus hinzufügt: „Wer singt, betet doppelt.“ Der Kantor und Organist, der Musik als „Lebenselixier“ bezeichnet, erklärt weiter: „Der Glaube, den wir im Herzen tragen – der manchmal wie ein großes Feuer brennt –, diesen Glauben möchten wir singenderweise mit den Menschen teilen.“ Pater Rhabanus glaubt außerdem: „Es ist in den Menschen noch eine ganz große Sehnsucht nach Leben, nach Liebe und nach Geborgenheit.“

Für Pater Vianney sei Musik eine „Botschaft der Freude, des Lebens und des weiten Herzens“, die es ermögliche, „über die Dimension des Daseins nachzudenken“. Er erinnert sich an ein bewegendes Gespräch mit einem Besucher, der extra aus der Schweiz anreiste, um sich zu bedanken: Die Lieder der drei Priester hätten dem verzweifelten Mann, der sein Gottvertrauen verloren hatte, immens dabei geholfen, die Krebserkrankung seiner Ehefrau anzunehmen.

Dem Diözesanpriester Andreas Schätzle liegt ebenso viel daran, „mit Musik Freude in den Menschen zu entfachen“. Denn für ihn bedeute Musik: „ einfach das, was die Seele zu Gott erhebt. Ohne Musik wäre unser Leben leer und traurig. In der Musik können wir alle Emotionen ausdrücken. Da beginnt die Seele zu schwingen.“ Der Lieder- und Radiomacher denkt außerdem: „Es ist immer an der Zeit, hinauszugehen und den Menschen in der Sprache und mit den modernen Mitteln der jeweiligen Zeit zu begegnen.“

Leben ist Begegnung

Mit ihrer Musik wollen die Priester ebenso zu einem Ort der Begegnung einladen und ein universelles Gemeinschaftsgefühl vermitteln. „Musik schafft Global Community“, sagt Pater Vianney. „Das Schöne bei unseren Konzerten ist: Wir ermutigen die Menschen mit uns zu singen. Das ist etwas, dass mich immer wieder anrührt und auch zutiefst freut“, gibt Pater Rhabanus zu. Andreas Schätzle fügt hinzu: „Leben ist Begegnung – Begegnung, die in spannender Weise in diesen Songs ihren Ausdruck findet. Unsere Musik will neue Wege öffnen, auf denen Menschen heute Gott begegnen können.“

Die Priester leben auch nach der Devise „Porta patet – magis cor: Die Tür steht offen – mehr noch das Herz“, eine Einladung, die Hip-Hop-Musiker Michi Beck von den Fantastischen Vier vor zwei Jahren wahrgenommen hat: Für die ProSieben-Sendung „In the Box“ ist er nach St. Ottilien gekommen und in den Alltag der Benediktinermönche tagelang eingetaucht. Und natürlich stand gregorianisches Singen mit auf dem Tagesprogramm: kein leichtes Unterfangen für den Rapper, der seinen wahrscheinlich allerersten Gesangsunterricht bei Pater Vianney hatte.

Die Anfänge

Wie und wann das musikalische Abenteuer begann? 2010 auf Initiative von Dr. Notker Wolf, damals Abtprimas des Benediktinerordens in Rom, dem Zisterziensermönch Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz und dem Berliner Musikproduzenten Joe Chialo. In-

spiriert vom Erfolg katholischer Priester-Trios in Frankreich und Nordirland wollte Chialo ein ähnliches Herzensprojekt im deutschprachigen Raum ins Leben rufen. Begeistert von der Idee, christliche Werte auf musikalischem Wege nahezubringen, empfahl Dr. Wolf Pater Vianney weiter, der dann Pater Rhabanus mit ins Boot holte. Andreas Schätzle kam später dazu, nachdem er bei einem spontanen „Mini-Casting“ alle überzeugte.

Ihre Einnahmen lassen die Priester unter anderem Hilfsprojekten in Tansania, Südafrika und Kenia zugutekommen, denn hilfsbedürftigen Menschen beizustehen, liegt den Kirchenmännern auch besonders am Herzen. Pater Rhabanus, Pater Vianney und Diözesanpriester Andreas Schätzle leben vor, wie spirituelle Hingabe und Popmusik miteinander harmonieren können. Deshalb schmieden sie jetzt schon neue Pläne für ihr nächstes Album und Tourneeprogramm.

Jamila Tazit

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