Rap als Selbsttherapie

Otto Pfaffinger alias Gemmi und "Dieses Land"

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Otto Pfaffinger alias Gemmi macht seit 18 Jahren Rapmusik. Sein Lied „Dieses Land“ haben sich schon rund 250.000 Menschen im Internet angesehen.

Landkreis – Für ihn ist es eine Form sich auszudrücken. Seine Gefühle rauszulassen. Gemmi, oder Otto Pfaffinger, wie er bürgerlich heißt, macht seit 18 Jahren Rapmusik. Und jetzt scheint es erste Früchte zu tragen.

Gemmi hat eine große Leidenschaft für den Rap, das wird im Gespräch schnell klar. Im Heim habe er oft diese Musik gehört. Einer seiner Idole, wie könnte es in den 90ern auch anders sein, war Eminem. Irgendwann habe er dann mitgerappt, erzählt der 34-Jährige. „Die anderen Kinder haben gesagt, ‚Das klingt cool, was du machst‘“. Beim Rappen alleine blieb es nicht. Er fing an seine eigenen Texte zu schreiben und 2014 war es dann endlich so weit. Seine erste EP war fertig. „Kranke Welt“ heißt sie und ist auf diversen Plattformen erhältlich. Im Januar dieses Jahres sein nächster Erfolg: Sein Song „Dieses Land“ wird im Internet in nur zwei Tagen rund eine Viertelmillionen Mal aufgerufen und erhält stolze 30.000 Likes.

In dem Lied vertritt der gebürtige Landsberger eine ganz klare politische Stellung: gegen Fremdenhass und auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Da habe ich mich schon zur Zielscheibe gemacht“, erzählt der 34-Jährige. Aber nicht nur das, er scheint auch einen Nerv getroffen zu haben. Neben den „komischen Kommentaren“ habe er auch viel Zuspruch erfahren. Auf die Frage, ob es wichtig ist, sich als Künstler klar zu positionieren meint Gemmi: „Wenn ich durch Facebook scrolle, dann geht es mir einfach wahnsinnig auf die Nerven, wenn die sich gegenseitig aufhetzen.“ Das war der Grund, warum er dieses Lied schreiben wollte.

Wenn es um seine musikalische Zukunft geht, hat er zwar Ziele, aber „man muss auch realistisch bleiben“. Er ist sich sicher, dass er auch „als alter Opa“ noch Musik machen wird. Aber ob es irgendwann mal auf die ganze große Bühne geht, weiß er nicht. „Das ist schwierig. Dazu gehört ´ne Menge Eigenvermarktung und man muss immer die richtigen Schritte machen.“ Für ihn stünde eher im Vordergrund „am Ball zu bleiben“. Seinen Job als Fachinformatiker will er deshalb auch nicht aufgeben. „Das wäre ein total doofer Move.“ Er möchte auch niemandem dazu raten.

Momentan arbeitet er an einer neuen EP. „Ich hab eigentlich den ganzen Tag Zeilen im Kopf.“ Praktischerweise hat er bei sich zu Hause in Untermeitingen auch ein eigenes Tonstudio. Dort arbeitet er am liebsten komplett abgeschottet, im Dunkel. Ob er ein Perfektionist ist? „Ich kann echt ekelhaft zu mir selbst sein“, gibt Gemmi zu. Er höre sich seine Songs 30 bis 40 mal an, bis er mit allen Feinheiten zufrieden ist. Reinreden darf ihm aber niemand. „Ich höre mir Kritik schon an. Aber wenn´s mir gefällt, dann bleibt es so.“ Musik mache er schließlich in erster Linie für sich. Für ihn war es eine Art Selbsttherapie. Dass auch andere Menschen seine Musik mögen, freue ihn aber natürlich.

Zum Ende des Gesprächs menschelt es dann nochmal. Mit einem breiten Grinsen erzählt er, dass er wieder Papa wird. Und man merkt ihm seine Aufregung spürbar an. Tatsächlich ging es nach dem Interview direkt in Kreißsaal. Es scheint also nicht nur musikalisch, sondern auch privat richtig gut für ihn zu laufen.

Stephanie Novy

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