Lechbeat aus dem Äther

Seit fünf Jahren: das IKG-Projekt »Radio Lechgebeat«

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„Radio Lechgebeat“ auf Sendung, jeden Mittwoch zwischen 19 und 20 Uhr. Hier die Moderatoren am vergangenen Mittwoch (von links) Laurie, Alex (hinten Mitte) und Alina.

Landsberg – „Gute Nacht! Vergessen Sie bitte nicht, die Antenne zu erden!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der Moderator der ersten Rundfunksendung in Deutschland, zu hören am 29. Oktober 1923 aus Berlin. Heute sendet es sich anders. Vor allem übers Internet. Wie zum Beispiel „Radio Lechgebeat“: Musik und Themen von Schülern für alle, live aus dem Ignaz-Kögler-Gymnasium.

Mittwochabend, 19 Uhr. Das IKG ist dunkel. Nur in einem kleinen Raum brennt noch Licht: bei „Radio Lechgebeat“. Im Zimmer Knautschsessel und Lümmelsofas, Teppiche zur Schalldämmung. Rund um drei zusammengeschobene Tische sitzen Alina, Laurie und Alex. Die Ohren unter Kopfhörern, vor dem Mund das Mikro, neben sich der Computerbildschirm.

„Radio Lechgebeat“ gibt es schon sein fünf Jahren. „Den Namen haben sich die Schüler damals selbst einfallen lassen“, erzählt Tobias Dengler, Deutschlehrer am IKG und Betreuer des Radio-P-Seminars. 2013 startete das Projekt, damals noch im Studio von Radio Lechtal. Schon ein Jahr später zog „Lechgebeat“ in den heutigen Raum des IKG. Und seither wird Mittwochabends das Radiobanner vor der Schule gehisst – „wenn die Schüler dran denken“, schmunzelt Dengler. Und von 19 bis 20 Uhr dringen die Stimmen in die ganze Welt.

Das Thema heute: Serienkiller. Alex hat zu „Zodiac“ recherchiert, der Serienmörder, der Ende der 60er Jahre rund um San Francisco sein Unwesen trieb – und bis heute nicht identifiziert werden konnte. Spannung und Crime mit einem Schuss Geheimnis. Alex schildert die Morde, referiert über die Theorien. Alina und Laurie geben Kommentare, haken nach: ordnen das Gesagte ein. Ein lockeres Gespräch, das den Hörer informiert und unterhält. Das hört sich gut an. Fast wie bei den Profis.

Die Themen der Sendung suchen die Schüler selbst aus. Festivals im Sommer, lokale Bands, gesellschaftlich Relevantes. Was die Jugendlichen interessiert. Auch die Musik legen die jeweiligen Sendungsmacher selbst fest. „Wir können hier zeigen, was uns gefällt und was uns interessiert“, sagt Alina, während sie die Regler hochzieht. Im Bereich Musik ist das bei ihr Techno, Jazz, Old School – „die ganze Bandbreite.“ Hörer sind bisher vor allem Freunde, Bekannte, Mitschüler, erzählt Dengler.

Laurie, Alina und Alex sind keine Neulinge auf dem Gebiet Radio. Inzwischen ist es für Laurie und Alina die dritte Sendung, Alex meistert schon seine vierte. Er erinnert sich noch gut an eine mit dem Thema Apokalypse. Bei dem sie eine Stunde lang als letzte Überlebende der Menschheit sendeten.

Bei dem Projekt mit dabei sind heuer 16 Schüler der elften und zwölften Klassen. Deutschlehrer Dengler hat das Projekt angeschoben. „Ich hab schon als Kind so gerne Radio gehört“, erzählt der 40-Jährige. Bei „Radio Lechgebeat“ könnten die Schüler in einem lockeren Rahmen „selbst was auf die Beine stellen, kreativ sein, nicht nur konsumieren“. Dabei ist die eine Stunde Sendung hochkonzentrierte Arbeit. Wer moderiert an, wer ab, wie lange dauert der Song, gibt es irgendwelche Probleme – wer das meistert, wird auch selbstbewusster. „Sie lernen die Facetten ihrer Persönlichkeit kennen“, ist Dengler überzeugt. Und können Erfahrungen für einen eventuellen künftigen Beruf sammeln.

Alex kann sich das gut vorstellen: „Auf jeden Fall was in Richtung Journalismus.“ Alina und Laurie haben Bedenken. Denn bei so einem Radiosender dürfe man ja nicht mehr das machen, was man will. Müsse vorgeschriebenes verlesen. Auch das manchmal stark gekünstelte Gebahren der Moderatoren schreckt die beiden 18-Jährigen ab. Schade. Denn Talent ist eindeutig vorhanden.

Wer heute um 19 Uhr zuhören möchte: Gestreamt wird über www.lechgebeat.de.

Susanne Greiner

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