Musikalische Gespräche

+
Ein perfekt harmonierendes Trio: Pablo Held am Klavier mit Robert Landfermann am Bass und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel.

Landsberg – „Recondita Armionia“, verborgene Harmonie, heißt eine Romanze aus Puccinis „Tosca“. Und auch die neue CD des Pablo Held Trios. Pianist Pablo Held meint mit diesem Titel die Harmonie zwischen den drei Musikern, „die mal mehr und mal weniger verborgen, aber immer vorhanden ist, oder die verborgene Harmonie zwischen Jazz und Klassik“. In ihrer neuen CD interpretierte das Trio klassische Musik.

Ein Konzert des Trios gestaltet sich jedoch anders: Ausgehend von ihrem Repertoire lassen die drei Musiker ihrer Intuition freien Lauf, improvisieren je nachdem, was Umgebung und Stimmung bieten. „Stellen Sie sich unsere Musik als Gespräch unter guten Freunden vor“, beschreibt Held. Dabei tritt keiner als „Spielmacher“ auf, alle drei sind gleichwertig: Zum Pianisten Held kommen Robert Landfermann am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug. So wird jedes Konzert zum Unikat. 

Am besten schließt man die Augen und hört zu. Es sind keine einzelnen Stücke, die das Trio spielt. Beginnend bei einem Stück gehen sie über Improvisationen unmerklich zum andern über und weben einen filigranen Klangteppich, der durch einen treibenden Bass und ein forderndes Schlagzeug auch ruhelos wirken kann. Teilweise erkennt man Phrasen der klassischen Vorlagen wieder, die aber sofort im freien Spiel verhandelt werden. Jeder der Musiker spielt seine Rolle, dabei aber im perfekten Zusammenspiel mit den anderen – ein harmonisches Gespräch, bei dem auch ab und zu heftigere Worte fallen. 

Bassist Landfermann holt ungewohnte Töne aus seinem Instrument hervor. Er quietscht und klopft mit den Fingern auf dem Holzkörper, lässt ein Trippeln kleiner Gnome entstehen, wischt und erzeugt etwas, das an Wind erinnert. Schlagzeuger Burgwinkel zaubert verzwackte Rhythmen, über die Held ein lyrisches Klavierspiel legt – und sofort wieder bricht. Schwierig ist die Musik. Sie fordert Aufmerksamkeit, bis man sich „eingehört“ hat. Dann zieht sie einen unweigerlich in ihren Bann und führt zu musikalischen Orten, die man so noch nicht kannte. 

Das Trio kennt sich schon seit fast zehn Jahren. Getroffen haben sie sich als Studenten an der Hochschule für Musik in Köln. Burgwinkel und Landfermann spielten schon vorher zusammen, als Pablo Held zu ihnen stieß. Dieser hatte schon sechs Jahre Schlagzeugunterricht, als er mit zehn vom Schlagzeug zum Klavier wechselte. Nach zwei Jahren „Noten vom Blatt“ waren die Drei dann soweit, Konzerte ohne jegliche Absprachen zu geben. Ihre musikalische Leistung wurde 2014 mit dem hochdotierten SWR-Jazzpreis ausgezeichnet. 

Sinnliche Eindrücke 

„Über Musik zu schreiben, widerspricht sich eigentlich“, sagt Edmund Epple, der das berühmte Trio nach Landsberg einlud. Man müsse direkte sinnliche Eindrücke in Worte übersetzen, dabei gehe aber viel verloren. Mit der Aussicht auf etwas nicht ganz so Eingängiges ließen sich leider nicht viele Zuhörer locken. Allen anderen ist etwas entgangen: Ein Abend, dessen hervorragende Musik in Worten nicht ganz zu fassen ist.

Susanne Greiner

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Aufbruch in die Romantik
Aufbruch in die Romantik

Kommentare