Gerüstet für die zweite Welle

Ein Pandemiezentrum auf dem Fliegerhorst Penzing

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Im Haus 15 wird die Infektambulanz eingerichtet.

Penzing – Wenn die zweite Welle der Pandemie kommt, ist der Landkreis gut vorbereitet: Der Fliegerhorst wird zum Pandemiezentrum. Schon jetzt stehen dort 150 Betten für mit dem SARS CoV-2 Virus Infizierte bereit, die keine oder nur leichtere Symptome zeigen, aber nicht ohne Weiteres zuhause isoliert werden können. Zum Beispiel Menschen aus einer Asylunterkunft oder auch Menschen mit Behinderung, die in einer Einrichtung untergebracht werden können. „Aber wir können hier bis zu 350 Infizierte ohne Probleme isolieren“, informiert der Versorgungsarzt des Landkreises Dr. Markus Hüttl.

Haus 11 soll für Menschen mit Behinderung eine Möglichkeit zur Isolation bieten.

In einem der insgesamt vier Häuser zur Isolierung sollen positiv getestete Geflüchtete mit leichten, in einem anderen geflüchtete ohne Symptome untergebracht werden. Ein drittes Haus beherbergt die Kontaktpersonen der positiv Getesteten. In einem vierten Haus außerhalb des Geländes plant das Landratsamt Isolationsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, die zwar ohne Symptome sind, aber dennoch betreut werden müssen. „Die Betreuer stellen die jeweiligen Einrichtungen“, so Landrat Thomas Eichinger. Bereits der Ortswechsel sei für diese Menschen eine Zumutung, da dürften nicht auch noch die Betreuer wechseln.

Für Menschen aus Senioreneinrichtungen, die gepflegt werden müssen, plant das Landratsamt das ehemalige Seniorenheim in Riederau einzurichten. Die Gespräche mit dem Eigentümer laufen: „Hier wird die Entscheidung innerhalb der nächsten zwei Wochen fallen“, informierte der Landrat.

Neben den Unterkünften soll ab morgen, 21. Mai, auch die Infektambulanz ins Haus 15, das Hauptgebäude, umziehen: „Irgendwann müssen wir sicher aus dem Gebäude der kbo-Lech-Mangfall Tagesklinik raus“, meint Hüttl. Die Infektambulanz habe sich inzwischen bewährt: „Wir haben dort momentan pro Tag rund 15 Patienten, insgesamt seit Einrichtung waren es rund 800.“ Das große Gebäude mit den langen Fluren eigne sich perfekt für diesen Zweck: „Hier können wir die Patienten unidirektional leiten“ – also im Einbahnstraßenprinzip. Ein weiteres Gebäude sei „sozusagen das Sheraton“, da es für jeweils zwei Zimmer auch noch eine eigene Nasszelle ermögliche.

Zudem könne man hier auch noch das Infektmobil, die geplante ‚Corona-Zahnarztpraxis‘ und sogar die Teststrecke – in einem Zelt vor den Häusern 14 und 15 – unterbringen, ist Hüttl überzeugt. Letztere ist momentan noch vor dem Sportzentrum aufgebaut, soll aber am 25. Mai umziehen. „Wir testen gerade sehr wenig“, sagt Hüttl – gemäß den noch gültigen Vorgaben des RKI.

Die Zimmer sind spartanisch eingerichtet.

Die Einrichtung für die Zahnarztpraxis werde vom Landratsamt gestellt, so der Versorgungsarzt. Einzelne Geräte würden aber auch die dort tätigen Zahnärzte mitbringen.

Schließlich soll auch noch ein Lager für Schutzausrüstung eingerichtet werden. „Wir haben inzwischen knapp 200.000 Artikel verteilt“, informierte Robert Waldhauser, Leiter der Landratsamt-Gruppe Schutzausrüstung. Aber man stehe gut da, der Bedarf gehe momentan zurück und auch die Preise hätten sich inzwischen wieder egalisiert.

Man wolle sich für die mögliche zweite Welle, aber auch langfristig für das „Leben in der Pandemie“ vorbereiten und dafür die Test- und Isolationseinrichtungen aus der Stadt herausnehmen, begründete Eichinger die Einrichtung. Sein Dank gelte dem Dienstleistungszentrum, dem THW und auch der Gemeinde Penzing: „Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert.“

Für das Pandemiezentrum habe der Landkreis ein Amtshilfeersuchen an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BimA – der das Grundstück gehört – und an das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr – für die Einrichtung sowie Strom und Wasser – gestellt, so Eichinger. Mit der Bundeswehr wurde ein Dienstleistungsvertrag geschlossen. „Wir stellen unsere Ressourcen zur Verfügung“, sagte der Leiter des Dienstleistungszentrums Reimund Menner. Die BimA stelle die Gebäude ebenfalls konstenlos zur Verfügung. Allerdings ist der Vertrag nur auf ein Jahr ausgelegt. „Danach verhandeln wir weiter“, so Eichinger.
Susanne Greiner

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