Nur ein nutzloser Partyraum?

Papierbach: Künstler fordern eine Umplanung des Kulturbaus

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So soll der Kulturbau nach aktuellem Stand einmal aussehen: Unten ein Veranstaltungsraum und oben zwei Etagen mit Wohnungen.

Landsberg – „Landsberg setzt eine Jahrhundertchance aufs Spiel.“ Mit diesen drastischen Worten gehen der Vorsitzende des Verbands Freie Darstellende Künste Bayern, Wolfgang Hauck, und Geigenbaumeister Martin Schleske an die Öffentlichkeit. Thema: Das neue Kultur­gebäude am Papierbach. Die Aussage: Werde es gebaut wie momentan geplant, sei der Veranstaltungsraum „nutzlos“. Die Frage: Wird womöglich viel Geld in den Sand gesetzt, für ein Gebäude, das seinen Zweck gar nicht erfüllen kann? Die Antwort des Bauherren: „Nein“.

Was wollen Hauck und Schleske? Die Raumhöhe für den Kultursaal im Baufeld B1 soll von 4,4 auf 10,5 Meter erhöht werden. Sie begründen das damit, dass ein Raum mit zu niedrigen Decken „akustisch tot“ sei. Größere Konzerte, Theateraufführung oder Messen seien so nicht möglich. In ihrem Schreiben heißt es: „ Der Raum kann dann nur als eine Art ‚Partyraum‘ für Versammlungen und Ausstellungen genutzt werden.“

Aber wieso will der Bauherr ehret+klein einen angeblich nutzlosen Saal bauen? Davon kann keine Rede sein, sie bauen einen Veranstaltungsraum der vielfältige Nutzungen zulässt. So erklärt es der Investor. Wie ehret+klein dem KREISBOTEN schriftlich mitteilt, seien von Anfang an Kulturschaffende miteinbezogen worden. Sowohl der Stadt Landsberg als auch dem Unternehmen sei es ein Anliegen gewesen, den breiten Bedarf der Kulturschaffenden und der Kulturnachfrage zu realisieren. Dieser wurde „im Rahmen einer Bedarfserhebung abgefragt, an der sich 30 Institutionen und Akteure beteiligt haben.“ Das Ergebnis sei dann auch in die Ausschreibung des Architekturwettbewerbs eingeflossen. Aber: Für die Stadt gibt Pressesprecher Andreas Létang zu bedenken, dass es in der Ausschreibung zur Raumhöhe „bewusst keine Festsetzungen“ gab, „um im nachfolgenden Wettbewerb die beste Lösung zu finden“. Zudem habe eine Jury „aus städtischen und fachlichen Vertretern“, deren Sachverständiger Wolfgang Hauck war, den Architektenentwurf als „umfassend gelungen angesehen“. Und in diesem war lediglich von 4,4 Meter hohen Wänden die Rede.

Hauck berichtet jedoch, dass der Bauherr von Anfang an seine Zustimmung zu 10,5 Meter als Raumhöhe signalisiert habe. Tatsächlich geht aus einem Brief des Geschäftsführers Michael Ehret vom August hervor, dass man das Anliegen Haucks unterstütze. Daher verkündete der Künstler öffentlich, dass der Investor bereit sei, umzuplanen. Konkret schreibt Hauck: „Der Eigentümer ehret+klein hat sich grundsätzlich bereit erklärt, den erforderlichen Umbau, die Umplanung und Konstruktion zu übernehmen und in diesem Gebäude auf Wohnraum zu verzichten.“ Einzige Voraussetzung: Der Stadtrat müsse grünes Licht geben. Hauck erklärt außerdem, dass die Änderung der Deckenhöhe „keinen einzigen Cent“ kosten würde. Denn die wegfallenden Wohnungen würden auf einem anderen Teil des Areals gebaut.

Jedoch: In Ehrets Schreiben an Hauck betont der Geschäftsführer: „Sie müssen jetzt schnell sein und breite Unterstützung haben. Derzeit planen wir auf Grundlage des Bebauungsplans.“ Und genau hier scheinen Hauck und seine Mitstreiter ihre Chance vertan zu haben. Anke Witzel, Pressesprecherin von ehret+klein, erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme: „Um die sinnhafte Umsetzung dieser Maßnahmen zu prüfen, brauchen wir ein langfristiges Besatzungskonzept, welches den Bedarf respektive eine dauerhafte kulturelle Auslastung des Kulturraumes nachweist.“ Das sei auch mehrfach angesprochen worden. Auf das Konzept der Kulturschaffenden warte man nach wie vor. Mittlerweile befindet sich die Planung in einer fortgeschrittenen Phase. Der Investor gibt zum Thema Umplanung deshalb ein deutliches Statement ab: Man hat „erhebliche Bedenken zur Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit dieser Maßnahme“. Soll heißen, „immense zusätzliche Kosten und ein intensiverer Betriebsaufwand“.

Wie stehen die Chancen?

Hauck und seine Mitstreiter wollen jetzt wohl die vertane Zeit wieder reinholen und haben deshalb für den morgigen Donnerstag eine Art Krisensitzung einberufen. Geladen sind Kulturschaffende, der Bauherr, die Stadtratsfraktionen und natürlich auch Oberbürgermeister Mathias Neuner. Bei diesem Gespräch wollen Hauck & Co. die Anwesenden überzeugen, den großen Saal doch noch zu realisieren. Die Erfolgschancen? Wackelig. Neuner und Stadtbaumeisterin Birgit Weber haben ihre Teilnahme aus terminlichen Gründen bereits abgesagt. Der Stadtrat ist mit sechs Mitgliedern vertreten, die Stadt mit Claudia Flörke und die beiden Bürgermeister Doris Baumgartl und Axel Flörke, wie Stadt-Pressesprecher Létang berichtet.

Michael Ehret wird bei dem Gespräch ebenfalls mit von der Partie sein, wie der Eigentümer bestätigt. Und dass, nachdem er zunächst zugesagt und dann wieder abgesagt hatte. Seine Absage begründete er vergangene Woche damit, dass man „nicht an Gesprächen teilneh­men werde, an denen die Stadtverwal­tung nicht teilnimmt“, denn: „ehret+klein führt keine Verhandlungen mit Dritten“. Diese Aussage überrascht. War es doch der Investor selbst, der Hauck in die Planung zu Beginn miteinbezogen hat und sogar das von ihm erstellte Gutachten in Auftrag gab.

Was heißt das jetzt zusammen­gefasst? Eine Gruppe Kulturschaffender um Wolfgang Hauck und Martin Schleske möchte einen Kultursaal, der sich auch für große Konzerte eignet. Sie sind sich sicher, dass so er auch namhafte Künstler in die Lech­stadt locken würde. Ob die Gruppe Erfolg mit ihrem Vorhaben hat, bleibt weiterhin fraglich. Zu viele Fragen sind noch offen. Wie sieht es zum Beispiel mit dem Lärmschutz aus? „Aus der kulturellen Nutzung im Baukörper B1 dürfe kein relevanter Immissionsbeitrag in der Nachbarschaft hervorgehen“. Und auch die Einstellung des Bauherren ist schwer einzuschätzen. Zu oft hat er bereits unterschiedliche Signale an Beteiligte und die Presse gesendet.

Stephanie Novy

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